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Geschäftsführerin der Berlin Food Week Alexandra Laubrinus über Restaurants als Vorbilder, kulinarischen Wissenstransfer und Genuss

Dienstag, 31. August 2021
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Erst am Tag vor unserem Interview gab es für Alexandra Laubrinus ein „Lucy Knox“ aus Walnussteig, Vanille und Heidelbeeren der Patisserie Du Bonheur. Alexandra bezeichnet sich als kuchensüchtig und isst ihn am allerliebsten direkt zum Frühstück, aber nur dann, wenn sie morgens mal keinen Sport macht. Damit hat sie nämlich während des Lockdowns angefangen und festgestellt, wie gut ihr das tut. „Aber es toppt nicht das Gefühl, etwas Tolles zu essen!“

Die Definition von Glück der Berlin Food Week-Geschäftsführerin verwundert da wenig: ein gutes Essen mit einem schönen Glas Wein und tollen Menschen, mit denen sie beides teilen kann. Genießen, das ist Alexandras Metier. Ein Schlüsselereignis für diese Begeisterung könne die geborene Ost-Berlinerin allerdings nicht festmachen, vielmehr begleite sie ihre Liebe für gute Produkte schon ihr Leben lang.

Mit dem Gemüsegarten fing alles an

Ihre Großeltern hatten einen Garten, in dem sie auch Gemüse anbauten. Sie schwärmt bist heute: „Wenn man am Abend nach der Gartenarbeit kurz vorm Essen die Karotten frisch aus der Erde ziehen durfte... Das macht ganz viel mit dem eigenen Knowhow“.

Michael Hetzinger und Alexandra Laubrinus im House of Food

Und dann sei da noch Berlin, das „so wahnsinnig viel zu bieten“ hat. Alexandra schätzt an der Stadt schon immer, dass man hier alles machen kann, was man möchte. „Ich fühle mich hier nicht beurteilt nach dem Äußeren, die Menschen sind wahnsinnig tolerant und man kann einfach man selbst sein.“ Früher sei Alexandra deshalb sogar im Pyjama zum Coffeeshop gegangen. „Das kann man in Berlin einfach machen.“

Die Berliner Experimentierkultur

„Mittlerweile kommen Menschen nicht nur zum Essen, sondern auch zum Arbeiten hierher.“ Zwar ließe sich noch Vieles optimieren, und doch könne man so vieles einfach ausprobieren, erachtet Alexandra: „In Berlin gibt es immer noch diese Experimentierkultur – Dinge ausprobieren, Konzepte testen, einen Supper Club machen. Du musst noch nicht ganz fertig sein.“ Die Berlin Food Week agiere da ganz ähnlich, feile immer weiter am Konzept und probierte neue Formate aus.

Seitdem Alexander von Hessen 2012 die Idee einer „Fashionweek für Food“ hatte, und Alexandra und ihr Geschäftspartner Michael Hetzinger sich dessen voller Leidenschaft annahmen, ist also viel passiert. „Die Stadt isst sich auf“ etwa im Jahr 2019, bei dem ein Vier-Gang-Menü nur aus Berliner Zutaten serviert wurde. In diesem Jahr wird es zum ersten Mal ein Cooking TV als Livestreamingformat geben. Dort wird Viola Wüsthof etwa demonstrieren, wie man Messer schleift, Cynthia Barcomi bäckt und Food Technique Berlin teilt seine Küchenexperimente rund um die japanische Küche.

Es geht nicht nur um das Essen, sondern auch um die Leute dahinter

Diese Unvoreingenommenheit, die Vielfältigkeit und Diversität schätzt sie auch an der Berliner Küche. „Ich liebe es mit Freunden essen zu gehen, man lernt das Essen so ganz anders kennen. Wir bestellen dann ganz viel und teilen untereinander oder tauschen die Teller“. Gerade während der Vorbereitung der Berlin Food Week fehle ihr dazu aber häufig die Zeit. „Ich möchte mir dafür auch die Zeit nehmen. Für den Genuss und auch für den Austausch mit dem Küchenchef und dem Service."

Die Menschen, die hinter dem Essen stehen, einzubinden und kennenzulernen sei von Anfang an Teil der Berlin Food Week gewesen. Auch wenn die Berlin Food Week inzwischen ihre Hauptarbeit ist, bleibt sie ein Leidenschaftsprojekt: „Es ist uns eine absolute Freude!“ 

Die ganze Vielfalt der Berliner Gastronomie

„Wir wollen eine vielfältige Bühne schaffen und uns nicht einschränken. Wir probieren da gern alles aus: mal ins Sternerestaurant, aber auch gern mal um die Ecke zum Imbiss.“ Wie Berlin selbst eben. Soeben wurde die Berlin Food Week von der Berliner Meisterköche-Jury als Gastronomischer Innovator 2021 ausgezeichnet. Es ist ein großes Signal dafür, dass sie inzwischen als Teil der Berliner „Food-Familie“ wahrgenommen werde, die Berlin als internationale Food-Metropole präsentiere sowie das Bewusstsein für gute Produkte und Genuss verstärke.

Die Hauptformate der Berlin Food Week haben sich indes seit 2014 wenig verändert. Dazu gehören vor allem der Marktplatz in Form des House of Food, die Miele Cooking School (die in diesem Jahr pandemiebedingt noch einmal ausfallen muss) sowie das Stadtmenü, in dem zahlreiche Berliner Restaurants und in diesem Jahr erstmals auch solche über die Stadtgrenzen hinaus (etwa in Hamburg, Düsseldorf und Frankfurt), ein spezielles Menü nach einem vorgegebenen Motto anbieten.

Das Bewusstsein für nachhaltigen Konsum hat sich gesteigert

Man wolle allen etwas anbieten: „für Leute, die gern essen gehen, für die, die gern kochen, für die Szene und für Leute, die sich gern mit Innovation auseinandersetzen“, erläutert Alexandra. Die Wahrnehmung der Gäste und der Konsument:innen jedoch habe sich in den letzten Jahren stark verändert. „Man ist noch interessierter und hat viel Vorwissen – und das Bewusstsein für nachhaltigen und bewussten Konsum ist größer denn je“.

Deshalb stünde die Berlin Food Week in diesem Jahr auch ganz im Zeichen einer kulinarischen Klimakampagne. Das Thema liege schon länger in der Schublade. „Um ehrgeizige Klimaziele zu erreichen, müssen wir alle einen Teil dazu beitragen. Aber das muss nichts mit Verzicht zu tun haben! Wir stehen ja schon immer für Genuss, und wir wollen zeigen, was alles toll ist.“

Restaurants haben eine Vorbildfunktion

Gastronom:innen und Köch:innen könnten dazu wahnsinnig viel beitragen: „Restaurants haben da eine Vorbildfunktion und können eine Inspiration sein. Nicht nur, indem sie selbst Verantwortung übernehmen, sondern auch, weil sie Möglichkeiten haben, ihre Gäste positiv zu beeinflussen“, erklärt Alexandra die Vorgabe das diesjährige Motto der Berlin Food Week 2021.

Überhaupt schätze Alexandra an der Berlin Food Week die vielen Gespräche mit Akteurinnen und Akteuren und die zahlreichen Informationen, die man so nebenbei erhalte, ganz besonders. „Ich finde es toll, wenn Menschen verstehen, dass man Großartiges nur gemeinsam schaffen kann – Ich mag diesen Team- und Netzwerkgedanken. Der Austausch ist einfach super spannend.“ Auf diese Weise plane sie auch das Programm, indem sie sich frage, was sie selbst interessiere.

Erklärtes Ziel: Kulinarischer Wissenszuwachs

Ihr persönliches Ziel sei es, am Ende schlauer zu sein, kulinarisch dazu zu lernen und einen Wissenstransfer anzuregen. „Gerade habe ich gelernt, dass Hanföl eine tolle regionale Alternative zu Olivenöl ist oder, dass Straußen tolle Tiere sind, die super zu einem nachhaltigen Konsum passen.“

Der schönste Moment sei für Alexandra jedes Jahr aufs Neue der Sonntagabend. „Wenn wir es geschafft haben, wenn wir viele Leute glücklich gemacht haben.“ Denn was gibt es schon Besseres, als ein gutes Essen, ein schönes Glas Wein und Menschen, mit denen man diese Freude teilen kann? Eben!

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