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Treffpunkt Küche zwischen Hightech und Gemütlichkeit

Freitag, 16. Oktober 2026
Keramik Onyxa-1 © Caesarstone

Über den Autor

Nikolas Feireiss ist Journalist mit Fokus auf Interior, Fashion und Gardening. Mit Antje Gohlke gründete er Acca Collective, das Beratung und Expertise für authentisches, zeitgemäßes Wohnen bietet. Für Creme Guides schreibt er in seiner Interior-Kolumne über internationale Strömungen und deren Übersetzung in individuelle Konzepte.

Die Grillsaison ist zu Ende. Wir wechseln von der Terrasse in die Küche und machen es uns dort gemütlich. Wir vom Acca Collective finden: Das ist kein schlechter Tausch. Für viele Menschen ist die Küche sowieso der Mittelpunkt der Wohnung. Für andere übrigens in erster Linie ein Statussymbol. Manche Küche sieht nur gut aus, gekocht wird nicht. Schade! Typische Herbstgerichte wie Eintöpfe oder ein Schmorbraten schmecken besonders gut.

Man kennt das von Partys: Am schönsten ist es immer in der Küche. Während das Wohnzimmer leer bleibt, drängeln sich die Gäste – inzwischen häufig zwischen Hightech-Herd und Kühlschrank mit Klimazonen und Eiswürfelbereiter. Die Küche ist längst auch zu einer Art Statussymbol geworden. Unbedingt ausgestattet mit einem Ofen, der backt, schmort, grillt, dämpft und sich heute Multidampfgarer nennt, und einem natürlich nur ganz leise summenden Geschirrspüler. Spülbecken und Kochfeld sind selbstverständlich nahtlos in die Arbeitsplatte eingelassen. Die ist am besten aus Stein und hauchdünn – oder ganz das Gegenteil: richtig schön dick. Reine Geschmackssache.

Minimalist kitchen with marble countertops, wooden cabinets, black faucet, decorative vases, and patterned rug.
Home Design Küchen Schmidt Vorratsraum-1
© NEFF Küche-1
© NEFF Backofen
Home Design Küchen Schmidt Vorratskammer-1
Home Design Küchen Schmidt Vorratsnische-1
Home Design Küchen Schmidt Vorratsraum
Home Design Küchen Schmidt Vorratskammer
Küche © Snaidero

Im Küchenfachhandel verkaufte Küchen kosten in Deutschland inzwischen durchschnittlich gut 12.000 Euro. Nach oben gibt es kaum Grenzen, günstiger geht es natürlich auch. Ein beträchtlicher Teil des Budgets fließt in die Elektrogeräte, der Rest verteilt sich auf Schränke, Arbeitsplatte, Schubladen und Beleuchtung.

Doch was braucht die Küche wirklich? Was ist Schnickschnack? Was macht sie funktional und gleichzeitig einladend? Kleine Veränderungen können völlig ausreichen. Nicht alles, was teuer ist, macht eine Küche besser. Manchmal reicht eine neue Leuchte. Manchmal ist es die Arbeitsplatte, die den ganzen Raum verändert.

High-End-Küchen dienen nicht selten allein der Repräsentation. In ihnen wird gar nicht gekocht. Dafür stehen in den Häusern und hausgroßen Wohnungen, in denen sich solche Prestigeobjekte befinden, Hauswirtschaftsräume im Seitentrakt bereit, mit einer zusätzlichen, „versteckten“ Küche. Es gibt vielleicht noch eine Grillküche in der Nähe der Terrasse, eine Gästeküche und eine Studioküche für den morgendlichen Kaffee.

Ein Wasserhahn für 1.000 Euro? Im High-End-Bereich ein Schnäppchen. 100.000 Euro für eine Küche? Kein Problem. Für Marmorplatten, Weinkühlschränke, groß genug für einen ganzen Weinkeller, und ausfahrbare Abzugshauben lässt sich problemlos ein kleines Vermögen ausgeben.

Oft genug geht dabei die Optik vor den Komfort. Meterlange hochglänzende Flächen oder Milchglasscheiben wollen schließlich poliert werden. Zum Öffnen fast fugenloser Schubladen ohne jeden Griff braucht man manchmal nicht nur Fingerspitzengefühl, sondern auch Kraft. Der Anspruch der Hersteller lautet selbstverständlich, „Küchen fürs Leben“ zu bauen. Aber natürlich gibt es Trends. Auch die moderne Küche für Otto Normalverbraucher hat sich beträchtlich verändert. Sie hat ein technisches und optisches Upgrade erhalten.

Das Modell Landhausküche ist vom Aussterben bedroht. Schon seit einiger Zeit ist die sogenannte amerikanische, offene Küche mit direktem Zugang zum Wohnzimmer auf dem Vormarsch. Sie ist platzsparend und kommunikationsfördernd zugleich. Inzwischen werden allerdings auch wieder die Vorteile einer geschlossenen Küche geschätzt. Sie hält Gerüche und Geräusche zurück, lässt das Wohnzimmer Wohnzimmer sein und verbirgt den Anblick eines Berges schmutziger Töpfe. Dazu kommt ein alter Bekannter, der gerade sein Comeback feiert: die Speisekammer, in der Vorräte, Küchengeräte und all die Dinge verschwinden dürfen, die man braucht, aber nicht unbedingt sehen möchte.

Wie auch immer die „neue“ Küche gelegen ist – und unabhängig von ihrer Größe: Sie hat glatte Oberflächen, kubische Formen und eher zurückgenommene, dunkle Farben für die Fronten. Geräte sind unsichtbar eingebaut, Geschirr, Töpfe und Teller verschwinden in Sideboards, deren Schubladen sich nur durch Anstupsen öffnen und schließen lassen. Oberschränke, womöglich noch mit Griffen, die die stromlinienförmige Optik stören, sind ein No-Go.

Atmosphäre entsteht durch Materialkombinationen wie Holz und Stein, durch Accessoires wie dekorativ aufgestellte Körbe mit Obst oder Gemüse oder rustikale Schneidebretter, die mit Hightech und Hochglanzflächen kontrastieren. Auch ein Regal im Shabby-Chic, auf dem feine Küchenkräuter aus biologischem Anbau – vielleicht in silbernen Dosen – stehen, kann dem Glamour der neuen Küche den notwendigen lässigen Akzent entgegensetzen.

Natürlich spielt Licht eine wichtige Rolle: Große, industriell wirkende Lampen sind angesagt, ebenso ein Schwarm kleiner Kugelleuchten über dem Essplatz. Ein großer Kronleuchter oder ein rustikaler Holztisch helfen, den so erwünschten Bruch der Stile zu erreichen.

Ein Bruch mit der Gewohnheit sind für den stolzen Besitzer der modernen Küche allerdings vor allem die neuen Geräte. Die Induktionsplatten passen sich der Topfgröße an, Herde werden mit einem Joystick dirigiert, Öfen reinigen sich auf geheimnisvolle Weise selbst, Niedertemperatur- und Bräunungsgaren oder auch Dörren? Alles kein Problem.

Sich um das „Herdfeuer“ scharen zu wollen, scheint den Menschen eingegeben zu sein – ganz gleich, ob es der Grill im Garten oder die Küche in der Wohnung ist. Die neue Küche liefert dann auf jeden Fall Gesprächsstoff. Die 99-seitige Bedienungsanleitung für den Dampfgarer zum Beispiel. Und wie genau funktioniert das mit dem Soufflé?

Am Sonntag, 25.10.2026, lädt Acca Collective zum kostenlosen Kennenlern-Workshop „Wohnen mit Plan: Wie aus Räumen ein persönliches Zuhause wird“ ein. Es gibt zwei Termine: 15:00 bis 16:00 Uhr und 17:00 bis 18:00 Uhr. Zur Anmeldung geht’s hier >>

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