Zwischen Alltag und Gewohnheit verlieren Räume oft ihre Wirkung. Acca Collective zeigt, wie kleine Veränderungen große Wirkung entfalten und warum Stil immer auch eine Frage der Persönlichkeit ist.
Wer aus dem Urlaub zurückkommt, sieht die eigene Wohnung oft mit neuem Blick – wie ein Gast, der zum ersten Mal hereinschaut. Der schlängelt sich am vollgestellten Schuhregal im Flur vorbei, bemerkt den Teppich vor dem Sofa, der irgendwie zu klein geraten ist, und die Grünpflanzen, die schlapp wirken und gedüngt werden sollten. Die Übertöpfe? Könnten mal ausgetauscht werden. Und da ist dieser Fleck an der Wand …
Räume erzählen etwas über uns, nur wir selbst überhören es im Alltagsrauschen schnell. Es gibt nur dieses unbestimmte Gefühl, dass sich etwas ändern sollte, dass der Look zu Hause nicht mehr stimmt. Was sich Einrichtung nennt, wirkt über die Jahre etwas lieblos. Zu vieles hat sich angesammelt, manches Möbelstück ist nicht gut gealtert. Wir haben uns verändert, die Wohnung nicht.
Nur: Wo anfangen? Woher die Zeit und die Inspiration für ein Update nehmen?
Genau in diesem Moment kommen Antje Gohlke und Nikolas Feireiss ins Spiel. Sie haben Acca Collective gegründet, um bei genau diesen Fragen Unterstützung und Lösungen anzubieten. Manchmal bedeutet das, Möbel neu in Beziehung zueinander zu setzen. Ein Stuhl rückt ein wenig näher ans Fenster, ein Teppich verschiebt die Achse des Raumes. Es sind kleine Eingriffe mit großer Wirkung. Nicht selten genügt schon ein neuer Sessel, ein paar Kissen oder andere Stühle, um einen Raum ohne großen Aufwand – und bezahlbar im wahrsten Sinne des Wortes – „aufzumöbeln“.
Acca Collective arbeitet nicht nach einem festen Schema. Oft reicht eine Verschiebung – ein anderes Arrangement, ein neues Gleichgewicht im Raum. Das Büro bietet aber auch umfassendere Redesigns an. Diese beginnen mit einem leeren Blatt Papier: mit Moodboards, Materialien und Entwürfen, die sich langsam zu einem stimmigen Ganzen verdichten.
Antje Gohlke kommt aus der Mode. Der Wechsel ins Interior Design wirkt auf den ersten Blick wie ein Richtungswechsel, ist aber eher eine Verschiebung des Maßstabs. Es geht weiterhin um Proportionen, Materialien und Komposition, nur dass sich diese nun im Raum statt am Körper entfalten. In der Mode geht es nie nur um Kleidung, sondern immer auch um Haltung, um das, was zwischen Stoff und Körper passiert.
In ihren Räumen ist es ähnlich: Materialien, Texturen und Proportionen stehen nie für sich, sondern immer in Beziehung. Es sind Nuancen, die ein Wohlgefühl auslösen: das Licht am Nachmittag, das auf eine bestimmte Oberfläche trifft. Die Textur eines Stoffes, die man erst bemerkt, wenn man sich setzt. Antje Gohlkes Erfahrung als Set-Designerin und in der Arbeit mit Künstler:innen hat ihren Blick geschärft: für Atmosphären, für Zwischentöne, für das, was nicht sofort sichtbar ist.
„Gute Interiors müssen nicht laut sein“, sagt sie. „Aber sie müssen wirken und etwas über die Menschen erzählen, die sie bewohnen.“ Ergänzt wird diese Perspektive durch Nikolas Feireiss. Als TV- und Print-Journalist hat er sich lange mit den ästhetischen Ausdrucksformen des Alltags beschäftigt – mit Mode, Interieur und Gartenkultur.
„Besonders gerne erinnere ich mich an eine Reihe von TV-Beiträgen, in denen wir Problemzonen, etwa ein ungemütliches Schlafzimmer, neu gestaltet oder auch Dekovorschläge für bestimmte Jahreszeiten oder Anlässe gegeben haben“, erzählt er. Für Nikolas Feireiss ist Stil nichts, was sich verordnen lässt. „Guter Stil ist immer authentisch und passt zur Persönlichkeit“, sagt er. Seine Beratung beginnt daher nicht mit Lösungen, sondern mit Beobachtungen und Fragen: Wie wird ein Raum tatsächlich genutzt? Was bleibt liegen? Was wird gepflegt?
Dank seiner fundierten Expertise, seines Psychologiestudiums und seiner Mediationsausbildung berät er feinfühlig in allen Fragen des persönlichen Stils. „Immer wieder kommt es ja auch vor, dass Paare in einer Wohnung unterschiedliche Vorstellungen haben. Dann gilt es, Lösungen zu finden, mit denen alle gerne leben.“ Als leidenschaftlicher Gastgeber und Gärtner entwickelt er zudem Konzepte für die Tisch- und Raumgestaltung und unterstützt bei der Gestaltung von Garten und Terrasse.
Was Acca Collective auszeichnet, ist die Sensibilität für unterschiedliche Lebensrealitäten sowie ein geschulter Blick für Materialien und Farben. Was dabei entsteht, ist kein Stil im klassischen Sinne, sondern Stimmigkeit und die Inspiration, die eigene Ästhetik weiterzuentwickeln. Oft beginnt alles mit einer einfachen Frage: Was hat dieser Raum noch mit mir zu tun?
Ab Mai wird Nikolas Feireiss in seiner Interior-Kolumne auf Creme Guides Trends, Tipps und Beobachtungen teilen. Los geht’s im Mai mit einem Bericht von den Salone del Mobile, der weltweit wichtigsten Möbelmesse in Mailand. Alle seine Beiträge findne Sie zukünftig hier >>