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Holz war immer da Jetzt darf es auch so aussehen!

Montag, 27. Juli 2026
Muuto Renorm Table Hellblau

Über den Autor

Nikolas Feireiss ist Journalist mit Fokus auf Interior, Fashion und Gardening. Mit Antje Gohlke gründete er Acca Collective, das Beratung und Expertise für authentisches, zeitgemäßes Wohnen bietet. Für Creme Guides schreibt er in seiner Interior-Kolumne über internationale Strömungen und deren Übersetzung in individuelle Konzepte.

Chrom, Marmor, Holz: Materialien bestimmen die Atmosphäre eines Interiors mit ganz unterschiedlichem Charakter, je nach Epoche. Chrom etwa wurde von den Bauhaus-Designerinnen und -Designern wegen seiner Funktionalität und der industriellen Fertigung geschätzt – klare Linien, kühle Präzision. In den 80er-Jahren stand glänzender Chrom dann für: Glamour und Luxus. Gleiches Material, gegensätzliche Bedeutung. Jetzt feiert Holz ein Comeback. Das hat Gründe.

Als spätes Boomer-Kind gehöre ich einer Generation an, deren Eltern alte Holzmöbel ohne Bedenken lackiert haben, gerne hochglänzend. Etwa die bedrückend dunklen und schwer ornamentierten Gründerzeit-Ungetüme von Opa und Oma mussten dran glauben. Später als Student waren für die erste Einrichtung Orangenkisten als Sitz- und Staugelegenheit angesagt, aus Paletten aus dem Supermarkt wurde ein Bettgestell.

Holz war also immer da – nur beanspruchte es in den letzten Jahren keine besondere Aufmerksamkeit. Helle Hölzer wie Eiche oder Buche verbreiteten unauffällig, zurückgenommen skandinavisch-hyggeliges Flair. Geöltes oder versiegeltes Fischgrätparkett verlieh Wohnungen und Villen eine großbürgerliche Anmutung. In seiner ursprünglichen, rauen und gemaserten Art war Holz nicht gefragt. Astlöcher und sichtbare Maserungen galten nicht als trendy, sondern als Makel. Das ändert sich gerade.

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Muuto Renorm Table in Walnuss
Holzschrank ©Nikolas Feireiss
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Muuto Renorm Table hellblau und Oak Chair

Es gibt, nicht nur im Interior Design, sondern auch in der Mode, eine Sehnsucht nach Handwerklichkeit und echten Materialien, die für Beständigkeit stehen. Das zählt in einer Zeit, die von Umbrüchen verunsichert ist und uns ununterbrochen mit „News" versorgt. Dazu kommt: Jede Maserung, jede Imperfektion im Holz macht es zum Unikat. Und wann wurde dem Beweis von Individualität so viel Bedeutung und Anerkennung zugemessen wie heute?

Ganz besonders im Trend liegt dunkles Holz, das deutliche Akzente im Raum setzt – natürlich nicht so dunkel, drückend und überdimensioniert wie die Gründerzeit-Ungetüme von Opa und Oma. Besonders beliebt ist der warme, rötlich-braune Ton von Nussbaum. Die Maserung ist fein und wirkt edel, das Holz eignet sich ideal für Couchtische und Sideboards und bildet einen schönen Kontrast in hellen Räumen.

Wer einen Kompromiss zwischen hell und dunkel sucht, entscheidet sich für Räuchereiche: Durch ein spezielles Verfahren verwandelt sich der helle Eichenton in rauchige Grautöne, ohne die Struktur des Hartholzes zu verlieren. Kostbar und opulent wirkt der satte Rot-Braunton von Mahagoni – auch wenn dabei die Gefahr besteht, dass es an die Einrichtung bei den Schwiegereltern erinnert. Das alles bedeutet natürlich nicht, dass helle Holztöne verschwinden – im Gegenteil, sie lassen sich gut mit dunklem Holz kombinieren.

Beim Einrichten lässt Holz in Kombination mit Wohnaccessoires aus Leinen, Wolle, Leder, Keramik oder farbigem Glas Räume entstehen, die harmonisch, aber nie langweilig wirken – besonders beliebt sind warmen Farben wie Schokoladenbraun, Cognac, Burgunder, Salbei, Oliv oder Cremeschattierungen.

Den Zeitgeist trifft, wer auf dem Sideboard aus Nussbaum eine Lampe aus glänzendem Chrom platziert – oder sich für einen großen Esstisch aus geräucherter Eiche entscheidet, der auf edlen Marmorfüßen steht. Die neue Liebe zum Holz zeigt sich auch nicht in komplett neuen Einrichtungen, sondern in gezielten Veränderungen. Ein Vintage-Sideboard, ein Beistelltisch oder ein restauriertes Regal reichen oft aus, um einem Raum die gewünschte Persönlichkeit oder eben Individualität zu verleihen.

Secondhand-Möbel passen überhaupt perfekt zu diesem Zeitgeist, denn ihre sichtbare Geschichte verleiht ihnen Authentizität. In einer Zeit mit rasanten technischen Entwicklungen und globalen Verwerfungen, die manchmal fast unwirklich scheint, steht Holz, das sich warm anfühlt und mit Patina noch schöner wird, wieder ganz oben auf der Liste der Lieblingsmaterialien.

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