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Gastronom Vitali Müller über den Dehoga Warum es sich immer lohnt, sich zusammenzutun

Montag, 08. August 2022
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Die Orte im Überblick

Karte (6)

Kontakt

vitali.mueller​@​dehoga-berlin.de
030 31804818
.www.dehoga-berlin.de
www.dehoga-berlin.de

Es war purer Zufall – wie so häufig im Leben. Um seinen Weg in die Gastronomie zu erklären, holt Vitali ein wenig aus: Vom klassischen Tourismus und eigenen Reisebüros in NRW kommt Vitali Müller, der inzwischen mit seinem Partner Tim zusammen erfolgreich das 12seasons in Charlottenburg führt, zu Secret Escapes. Das war vor neun Jahren. Damals zieht er nach Berlin, weil er „die Schnauze voll hat“ von den kleinen Orten seiner Heimat.

Zwei Jahre hält es ihn in seiner eigenen Sales-Abteilung. Parallel dazu lernt er Partner Tim kennen, jener kommt aus der klassischen Luxushotellerie. Als dessen Vertrag ausläuft und Vitali die Lust an seinem Job verliert, eruieren sie gemeinsam, was nun anstehe. Kurz überlegen sie, die Stadt zu verlassen. An einem schönen Sommertag am Müggelsee kommt gemeinsam mit einer Freundin jedoch eine andere Idee auf: Für die Gastronomie ihres Hotels sucht sie einen Nachfolger.

In seiner Sektlaune meldet sich Vitali freiwillig. Wenige Tage später unterzeichnen er und Tim den Mietvertrag und betreiben ab Januar 2017 das Restaurant Neumond. Obwohl unerfahren im Feld der Gastronomie, ist Vitali sofort Feuer und Flamme. Im Laufe des ersten Jahres merkt das Paar schnell, dass beide „auf dieses etwas Gehobenere, etwas Modernere und Schickere stehen.“

Vitali Müller & Tim Hansen, by Roland Justynowicz
Vitali Müller, by Clemens Niedenthal

Zufällig bewirbt sich ein Küchenchef, der die Karte updatet. „Das war ein ganz schöner Schub nach vorn und ein super Zuspruch aus der Nachbarschaft und der Stadt.“ Relativ schnell aber verlässt der ambitionierte Koch das Neumond wieder. Erneut steht die Frage im Raum, wie es weitergeht. „Wir haben uns fast entschieden, das Kapitel Gastronomie für uns zu schließen“ Dann bewirbt sich Kamel Haddad – der jetzige Küchenchef im 12seasons.

Vor allem seien es die Menschen, die Vitali in der Gastronomie faszinierten. „Es wird nie langweilig“, betont er „es passiert immer etwas und das brauche ich einfach.“ Als echter Workaholic könne er schlecht entspannen. Wir lachen – da ist Gastronomie offenbar genau das Richtige. Wenn aber die Gäste glücklich rausgingen, sei das das Schönste für Vitali, „dann weiß man auch, warum man das tut.“

Als Kind schon habe sich Vitali eine Bar gewünscht. Im 12seasons gibt es an jener ausgewählte Monats-Cocktails, die regelmäßig ein anderer bekannter Berliner Bartender beisteuert – Vitali und Tim sind in Berlin gut vernetzt. Vitali hält es für wichtig, sich unter Gastronomen nicht zu bekriegen, sondern miteinander zu arbeiten. Es klinge zwar abgedroschen, sei aber Fakt: Man könne gemeinsam einfach viel mehr erreichen. Deshalb wundere Vitali sich auch, weshalb so wenige Gastronom*innen sich im Dehoga zusammenschließen.

Berlin sei einfach keine Vereinsstadt. „Wenn man nach Bayern oder NRW geht, ticken die Menschen ganz anders. Die sind alle im Verband, wollen alle das Gemeinsame vorantreiben.“ Vitali leitet inzwischen die Abteilung für Vertrieb und Mitgliederbetreuung beim Dehoga-Verband. Auch das ist Zufall, das Einzige wofür Vitali Corona dankbar sei. Denn der Verein stand der Gastronomie in dieser Zeit eisern zur Seite.

Vitali spricht aus Erfahrung: Zwischen den Lockdowns musste auch das 12seasons sehr lang auf die Überbrückungshilfen für die Gastronomie warten. „Wir haben Wochen und Monate, und noch mal Monate gewartet. Es drückte einfach. Ich habe dann eine hilferufende E-Mail an die Dehoga Berlin geschrieben. Zehn Minuten später hatte ich eine Antwort von Herrn Lengfelder, dem Geschäftsführer. Er hätte es wahrgenommen und an die entsprechende Stelle weitergeleitet; er mache momentan ohnehin nichts anderes. Das 12seasons war noch nicht einmal Mitglied. Eine Woche später war das Geld da!“ Daraufhin sei das 12seasons direkt beigetreten.

In diesem Moment fragt sich Vitali das erste Mal, weshalb er nicht vorher schon Mitglied beim Dehoga gewesen sei. Denn genau für solche Probleme und Lösungen sei der gemeinnützige Verband da. Während eine Mitgliedschaft in der Hotellerie prestigeträchtig und geradezu ein „Must“ sei, sei das in der Gastronomie anders. Auch weil die Hotellerie zahlreiche Leistungen und geldwerte Vorteile erwarte. Seit Januar kümmert Vitali sich beim Dehoga nun vor allem um die Gastronomie. 

Dazu baue er das gastronomische Angebot mit auf, es bringe ihm viel Spaß und sei ein guter Ausgleich zum Handwerk der Gastronomie. Dass Vitali selbst Gastronom ist, sei für ihn ein großer Vorteil für seine Aufgabe bei der Dehoga, weil er selbst weiß, was er spart bzw. wofür er den Verband nutzt. „Nutzen, das klingt immer so ausnutzerisch, aber dafür ist der Verband einfach da, dass er genutzt wird!“

Wenn man bewusst drüber nachdenke, gebe es kaum Gründe, die dagegensprechen, in den Verband einzutreten, befindet Vitali. „Ich verstehe nicht, warum Leute sich nicht zusammenschließen wollen.“ Ein weiterer nützlicher Vorteile einer Mitgliedschaft: Die Rechtsabteilung der Dehoga steht jedem Mitglied rechtlich bis zur zweiten Instanz bei. Hauptsächlich sei sie spezialisiert auf Arbeitsrecht, Miet- und Pachtrecht – eine Rechtsschutzversicherung ist als Degoha-Mitglied also nicht mehr nötig.

Neben dem Einsatz für die Branche gegenüber der Politik bringe eine Mitgliedschaft jede Menge weiterer Vorteile mit sich: etwa dank der Partnerschaften und damit verbundener Extrakonditionen für Mitglieder*innen. Mit über 20 Partnern kooperiert der Dehoga. Darunter etwa Open Table, Datev oder ganz aktuell ein neues Startup, dank deren Erfindung sich die Heizung kontrollieren und damit Heizkosten sparen lässt. Pro Betrieb könne man so 20 bis 30% des Verbrauchs einsparen. Vattenfall dagegen sei bereits seit Jahren ein Partner des Dehoga, inklusive Strom-Sondertarifen für Mitglieder.

Vitali lasse derzeit zahlreiche Partnerschaften wieder aufleben. Mit PayOne etwa, die Dehoga-Mitglieder*innen ebenfalls Sonderkonditionen gewähren. Vitali hat das fürs 12seasons durchgerechnet: „Wenn wir PayOne im Dehoga-Tarif nutzen, sparen wir 600 Euro im Monat!“ Der Jahresbeitrag des Dehoga beträgt 396 Euro – eine einfache Kosten-Nutzen-Rechnung.

Die Gema gewähre Dehoga-Mitglieder*innen ebenfalls 20% Rabatt; und für noch etwas habe der Verband sich eingesetzt: „Gäbe es den Dehoga nicht, hätten wir während der Lockdowns trotzdem schön weiter Gema zahlen müssen.“ Ebenso half der Verband hinsichtlich der Nachverhandlungen bei Überbrückungshilfen, erklärt Vitali: „Wir hätten vermutlich nicht 100.000 Euro an Überbrückungshilfen bekommen, sondern nur 80. Der Verband hat uns super durch die Pandemie gebracht – und er hat dafür keinen Cent bekommen.“

Derzeit behandle Vitali alle Mitglieder individuell. Natürlich mache er keinen Energieberater oder Unternehmensberatung, er repräsentiere ja einen ehrenamtlichen Verband; im Prinzip aber sei es genau das: „Wenn dieser Verband dir als Gastronom hilft, Geld einzusparen – lass es mindestens 2000 Euro im Jahr sein – davon kannst du schon schön in den Urlaub fahren.“

Die ganze Branche gegenüber der Politik zu repräsentieren und einen gewissen Druck auszuüben, das sei aber noch immer die Hauptaufgabe des Dehoga-Verbands. Da er eine Non-Profit-Organisation ist, besteht er nur dank der Mitgliederbeiträge und wirtschafte nicht Profitorientiert. „Das heißt, wenn keine Mitgliederbeiträge fließen, kann kein Hauptamt ausgeübt werden, der die ganze verwalterische Tätigkeit fürs Präsidium übernimmt, und dann kann auch keine Verhandlung mit der Politik und keine Lobbyarbeit stattfinden“, erklärt Vitali.

Er unterstreicht einen weiteren Erfolg der Verhandlungen: Dank dem Dehoga zahlten Gastronomen heute 7% Steuern statt 19%. „Das soll sich jeder mal anhand seines Umsatzes im Monat ausrechnen und dann erklären, warum man nicht Mitglied beim Dehoga ist.“ Vitali lacht zwar, meint das aber sehr ernst. „Das sind schon ein paar Euro mehr als der Mitgliedsbeitrag von rund 400 Euro.“

Lohnsteuersenkungen, Kurzarbeit-Nachbesserungen, Überbrückungshilfe, steuerfreie Trinkgelder, Zusatzflächen für Außengastronomie sind nur einige Errungenschaften, die es ohne den Verband in den letzten zwei Jahren nicht gegeben hätte. „Wenn das Gastronomen nicht klar ist, was für Vorteile man hat, dann verstehe ich das nicht!“ Einiges mag in Vitalis Leben durch Zufall entstanden sein, seine tiefe Überzeugung vom Dehoga ist es sichtlich nicht.

Wo Vitali sich gern aufhält, wenn er mal nicht arbeitet, hat er uns übrigens auch verraten!

Nähere Details zu den einzelnen Orten finden Sie über das Anklicken der orange markierten Namen!

Michelberger

Das Michelberger sei einer der liebsten Hangout-Spots für Vitali und seinen Partner Tim, allein schon weil sie dort in der Ecke wohnen. Gerade im Sommer seien sie dort ziemlich oft. „Wir mögen das Essen, die Weinkarte ist super, die haben tollen Service, einen geilen Hof – das ist einfach ein Wohlfühlort“, befindet er.

Michelberger Hotel | 
Warschauer Straße 39-40 | 10243 Berlin-Friedrichshain

Valla Vino

Das Valla Vino in der Markthalle Pfefferberg mache eine Bekannte von Vitali mit ihrem ehemaligen Kollegen. Beide waren vorher in der Modebranche tätig, hätten aber „keinen Bock mehr auf das Fashion-Gedöns“ gehabt, also haben sie den kleinen Natur- und Orangeweinladen im Prenzlauer Berg gegründet. Dort gibt es Sekt, Bioweine und Co., aber auch kleine Snacks zum Vino wie Sardinen. Zusätzlich kann man vor Ort Käse von Blomeyers nicht nur zum Aperitivo kosten, sondern auch eine kleine Auswahl vor Ort kaufen. 

Die Stulle

Vitali schätzt nicht nur den Laden Die Stulle, sondern auch die Inhaberinnen: „Ich mag die Mädels sehr, die sind hier ab und zu, wir sind dort ab und zu. Ich mag, was die machen!“

Die Stulle | 
Carmerstrasse 10 | 10623 Berlin-Charlottenburg

Ständige Vertretung

Mit den Betreibern der Berliner StäV seien Vitali und Tim noch von früher bekannt, zudem ist einer der Betreiber, Jörn, auch im Dehoga-Präsidium. Vor allem aber findet Vitali, dass die Terrasse eine der schönsten der Stadt sei: „Sobald die ersten Sonnenstrahlen herauskommen oder auch die letzen, muss man einfach dorthin!“

Ständige Vertretung | 
Schiffbauerdamm 8 | 10117 Berlin-Mitte

Die Havellchaussee

„Das klingt vielleicht spießig“, setzt Vitali lachend an, „aber wenn die ersten Sonnenstrahlen kommen, nehme ich mir ein DriveNow Cabrio oder so und fahre dann mit 20 km/h die Havelchaussee hoch und runter." Die Straße beginnt am Strandbad Wannsee und führt dann bis zur Heerstraße immer am Wasser entlang. Es sei zwar eigentlich eine Fahrradstrecke und nur eine schmale Straße, dabei aber fast die ganze Zeit am und ein wenig oberhalb des Wassers entlang. Vitali fahre dort ganz genüsslich hin und her: „Ich gucke mir dann die Umgebung an und genieße diese Gegend, weil das so geil ist. Immer wenn ich da bin habe ich das Gefühl, dass ich irgendwo in den Alpen bin.“

Tempelhofer Feld

Obwohl viele das Tempfelhofer Feld als Lieblungsort nennen würden, müsse Vitali es dennoch auch nennen. „Für mich hat das auch etwas mit diesem Weitblick zu tun.“ Obwohl er eine Zeit lang am Mehringdamm gewohnt habe, ziehe er den Eingang an der Herrfurthstraße vor, wo man ein paar Stufen runterlaufen muss: „Ich mach das nicht oft, aber ich gucke dort wie aufs Meer. Dann stehe ich an diesem Eingang und guck auf diese irre Weite und denke, ich war kurz am Strand. Das Tempelhofer Feld ist mein persönliches Meer in dieser Stadt.“ 

Tempelhofer Feld | 
Tempelhofer Damm 90 | 12101 Berlin-Tempelhof

Jubel Patisserie

Erst am Tag unseres Interviews sei Vitali wieder einmal dort gewesen und habe sich zwei Törtchen gegönnt. „Es ist so lecker und die Mädels sind auch total süß und ich freue mich so für die, dass es so gut läuft! Gerade zur Hochzeitssaison herrsche in der Jubel Patisserie ein großes Kommen und Gehen. „Dann habe ich mir zwei Teilchen reingezogen. Mein Lieblingsküchlein ist der Cheesecake, ich finde der schmeckt außergewöhnlich gut und das Ziegenkäse-Törtchen“, schwärmt der Gastronom.

Jubel Patisserie | 
Hufelandstraße 10 | 10407 Berlin-Prenzlauer Berg

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