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Oukan Restaurant Pflanzenbasierte Tempelkost in Mitte

Dienstag, 18. Januar 2022
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Karte

Öffnungszeiten

Dienstag bis Samstag
18-23 Uhr

Adresse

Oukan
Ackerstraße 144
Hinterhof
10115 Berlin-Mitte
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Kontakt


+49 30 547 747 16
.oukan.de

Nein, diese Räumlichkeiten erwartet man wirklich nicht, wenn man sich in den Hinterhof der Ackerstraße 144 begibt. Doch hinter dem unscheinbaren Eingang, der viel mehr nach Geheimtipp aussieht, als das Oukan tatsächlich ist (denn gefühlt spricht bereits die halbe Stadt davon), verbirgt sich ein wahrer Fine-Dining-Tempel.

Dieses Gefühl drängt sich bereits aufgrund der Räumlichkeiten auf: Dunkel gehalten ist das sakral anmutende Raumensemble aus Betonwänden und versteckten Sitzecken, die für Privatsphäre sorgen. Mitten im Hauptsaal dominiert ein großer Bonsai, der glücklicherweise etwas Hall schluckt, denn cleane Betonwände und das ansonsten zurückhaltende Interieur sorgen nicht für die allerbeste Akustik. Ein kleiner Wermutstropfen für das Zen-Gefühl, nach dem sich der:die gemeine Großstädter:in sehnt.

Ansonsten aber haben die vier Gründer Kreativdirektor Tran Mai Huy Thong, Geschäftsführer Trung Le und Tee-Spezialist Erik Spickschen und Küchendirektor Martin Müller mit dem Oukan einen zeitgeistigen Ort geschaffen, der das Berliner Bedürfnis nach Ruhe und Achtsamkeit – gerade hier im trubeligen Berlin Mitte – weckt und zelebriert.

Aapropos Tempel: ja, direkt zu Beginn müssen wir uns erst einmal in Geduld üben: wir warten durchaus ein Weilchen auf unseren Gruß aus der Küche – ein Onigiri mit Wakame und Seidentofu. Es schmeckt dafür aber vorzüglich. Ebenso wie der weiße Tee aus Yunnan – seine Blätter wachsen wild im Wald, er schmeckt zart, fruchtig, einige Kräuternoten lassen sich ausmachen. Da kann man gut und gerne auch auf ein Glas Blubber zu Beginn verzichten.

Restaurant Oukan Berlin  Algen Wakame mit Pilzen
Restaurant Oukan Berlin  Krause Glucke Blumenkohl
Restaurant Oukan Berlin  Misosuppe
Restaurant Oukan Berlin
Restaurant Oukan Berlin Kartoffel Trueffel
Restaurant Oukan Berlin (4)
Restaurant Oukan Berlin (3)
Restaurant Oukan Berlin (2)
Restaurant Oukan Berlin Installation

Wir haben die Teebegleitung gewählt und werden das im Laufe des Abends definitiv nicht bereuen. Tee Sommelière Kwok Ying von Beuningen macht im Oukan Dining einen hervorragenden Job. Dementsprechend umfangreich erweist sich die Teekarte mit Positionen aus Japan, China und anderen asiatischen Ländern. Wenngleich die Barkarte von Barchef Junya Arino mit einer großen Auswahl deutscher Weine und spannender Cocktails ebenfalls äußerst vielversprechend klingt.

Küchendirektor Martin Müller kocht im Oukan eine rein pflanzenbasierte Küche, zu der er sich von der Jahrhunderte alten Shōjin Ryōri Tradition inspirieren lässt. Die Kultur der japanisch buddhistischen Tempelkost stellt Gesundheit und Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt. Martin Müller kombiniert sie mit hochwertigen saisonalen und regionalen Zutaten und verleiht dem Ganzen einen zeitgemäßen Berliner Twist. Recht schnell vergisst man dabei, dass hier vegane Küche serviert wird. 

Wie etwa das Edamamepüree mit mariniertem Kohlrabi und Grünkernrisotto, das nicht nur mit einer überraschenden Säure überzeugt, sondern in seiner gänzlich anderen Darreichungsform von Edamame. Klar kennt man die grünen Sojabohnen, als Püree jedoch noch nicht. Schön.

Überhaupt wird der Satz "das Auge isst mit" im Oukan äußerst ernst genommen. Die confierte und frittierte Kartoffel mit (veganer) Trüffelmayo, eingelegter Zwiebel und Buchenpilzen auf denen zarte purpurne Kresse thront, ist ebenso hübsch anzusehen, wie die angebratenen und marinierten Shiitakepilze mit fermentiertem Knoblauch. Deftig und smokey erweist sich dazu der geröstete Grüntee Hōjicha mit einer leichten Mineralität und Holznote.

Wir sind von Gang zu Gang mehr begeistert. Optisches wie geschmackliches Highlight des Menüs im Oukan ist ohne Frage die Krause Glucke mit Blumenkohl. Der Speisepilz, den man an Baumwurzeln findet, thront hier auf einem Moosbeet unter einer Glasglocke. Jene wird bei Tisch angehoben, sodass feine Nebelschwaden sich verteilen. Assoziationen von nebligen Wäldern sind offenbar kein Zufall – ein wahres Sinnesfest.

Hebt man moosigen Stein an, verbirgt sich darunter ein Kürbispürre, das Eigelb imitiert – stimmt ja, pflanzenbasierte Küche! – gerösteter und eingelegter Blumenkohl ergänzen das Gericht. Sehr gefällt uns auch die in Öl gegarte und gedämpfte Schwarzwurzel mit Paprikasauce und Pak Choi. Togarashi, eine japanische Gewürzmischung, verleiht dem Gericht eine erstaunlich durchdringende Schärfe, die der Sencha Coldbrew angenehm auszubalancieren weiß. 

Zuletzt dürfen wir uns erneut davon überzeugen, dass vegane Desserts sich schon längst nicht mehr hinter herkömmlichen zu verstecken brauchen: ein herrlich cremiges Cheesecake-Törtchen auf Kokosbasis mit Quittenragout und eine bildschöne Kugel aus luftiger Schokomousse mit Sanddorn wissen nicht nur geschmacklich zu überzeugen. Beinah ein Sakrileg, dieses Dessert mit dem Löffel zu zerstören. Aber nur beinah. 

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