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Berliner Lieblingsortevon Schauspieler Timo Jacobs

Mittwoch, 23. August 2017
Timo Jacobs Berliner Lieblingsorte 2017
Die Orte im Überblick
Karte (10)

Timo Jacobs fährt, wie es sich für einen ehemaligen professionellen BMXer gehört, mit dem Fahrrad vor. Das Rad wurde mittlerweile zwar gegen ein Hollandrad eingetauscht, doch das tut seiner Lässigkeit keinen Abbruch. Wir treffen uns in Friedrichshain, im Café Lykke und grüßen uns als gebürtige Schleswig-Holsteiner mit einem vertrauten "Moin!".

Und damit ist der Bann auch bereits gebrochen. Er aus Itzehoe, ich aus Kiel. Wir entdecken gemeinsame Bekannte, mit denen ich die Schulbank gedrückt habe und die, ebenso wie er damals, stets mit dem Skateboard unterm Arm unterwegs waren. Cool. Humorvoll. Nie ein unnötiges Wort. Vor allem aber das Herz am rechten Fleck.

Und natürlich auch nicht frei von einer gewissen Melancholie. „Nordisch by Nature“ eben. Für mich ist es wie ein Ausflug in alte Zeiten. Die verbrachte Timo Jacobs, wie bereits erwähnt, vornehmlich auf Rädern. Mit 9 Jahren erhielt er sein erstes BMX Rad, nachdem er eines in dem Film „E.T.“ entdeckt hatte und sich nichts mehr sehnlichster wünschte.

Die BMX Bahn wurde sein Zuhause, aber auch Cross-Rennen begann er zu fahren. Mit 13 stieg er vorübergehend aufs Skateboard um. "War einfach praktischer.", meint er. Doch das Rad ließ ihn nicht los. Freestyle wurde seine Passion. Auch professionell. Marken wie Vans und Metal Bikes wurden seine Sponsoren.

Nebenbei ging die Schule zu Ende und er begann eine Ausbildung zum Lebensmittel-Techniker. Dennoch sei seine Entscheidung keinen Zucker zu essen eher neueren Datums. "Tut dem Körper nicht gut.", meint er so schlicht wie richtig. Ansonsten esse er gerne viel Gemüse. In Kokosmilch. Oder als Suppe. Fleisch nur wenn es ihm vorgesetzt wird.

Der Lebensmitteltechniker war es am Ende aber nicht und er begann als Fahrradkurier zu arbeiten. Gut sechs Jahre machte er das. "Ich liebte es in Bewegung zu sein.", so Jacobs. Nebenbei gründete er einen Fahrrad-Vertrieb für BMX Räder aus Amerika und entwickelte mit Freunden eine äußerst erfolgreiche Motto-Party-Serie an wechselnden Locations in Hamburg.

Über People und eine Modelagentur bekam er im Übrigen irgendwann zahlreiche, gut bezahlte Rollen in Werbefilmen. "Meist hab ich mich treiben lassen." meint er. "Alles hat sich von ganz alleine ergeben." Auch ans Schauspielern dachte er zu diesem Zeitpunkt noch immer nicht. Er hatte zwar schon hier und da kleine Sportclips gefilmt, aber für den Weg zum Film bedurfte es erst noch eines weiteren Zufalls.

Der kam dann in Form des Regisseurs Klaus Lemke, der zum Drehen einer Filmsequenz in dem Club auftauchte, in dem Jacobs gerade als DJ auflegte. Lemke bat ihn die Musik abzustellen, damit er drehen könne. Jacobs lehnte galant ab.  Doch schon am nächsten Morgen traf er Lemke wieder. Skurril wie seine Filme, in der Wohnung von Jacobs damaliger Freundin, in der sich das Filmteam eingemietet hatte.

Die Crew war bereits am Drehen während er nichts ahnend erwachte. Der Kameramann fing die Situation ein und Lemke integrierte sie später in seinen Film "Drei Minuten Heroes". Fünf Filme drehten er und Jacobs später miteinander. Für Jacobs war es der Anfang seiner Schauspielerkarriere, der er nun eine Schauspielausbildung folgen ließ.

Später drehte er mit Mario Adorf in dem Film "Gegengerade", mit Spike Lee im Kriegsfilm "Miracle at St. Anna" und agierte in Giorgio Dirittis Kriegsepos "The Man Who Will Come", wofür er beim Rome International Film Festival mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet wurde. Daneben gab es weitere kleine und große Rollen in Spielfilmen, Serien und am Theater, für die Jacobs immer wieder Preise erhielt.

Mittlerweile führt er auch selbst Regie. 2011 erschien sein erster Film, die Komödie "Klappe Cowboy!" und in diesem Jahr, die absurd schräge und in Anteilen autobiographische Komödie "Mann im Spagat". Er liebe es bei seiner Arbeit philosophische Momente einzuflechten und lasse sich im Kino auch selbst gerne verzaubern. Das Leben sei ja nicht immer leicht, gut, wenn man da mal abtauchen kann, so Jacobs.

Nach vielen Jahren in Hamburg lebt Timo Jacobs nun schon seit zehn Jahren in Berlin und hat uns verraten, wo er in der neuen Heimat sonst noch gerne abtaucht. – Auch, aber nicht nur, rund um seinen Kiez am Schlesischen Tor...

Tipp. Zu den Details der einzelnen Orte gelangen Sie über das Anklicken der orange markierten Namen!

Plänterwald. In 10 Minuten sei er vom "Schlesi" dort. Zum Joggen oder einfach nur zum Runterkommen. Hier gehe er hin, wenn ihm alles zu viel werde: "Hier kommt man wunderbar wieder auf den Boden.", betont er.

Passenger Espresso. Eine nette Location, um einen anständigen Kaffee zu trinken, sei diese Espressobar. Ein interessantes, buntes Publikum komme hierher und nur wenige Touristen würden die Bar entdecken. Hier schaue er regelmäßig gern vorbei.

Clärchens Ballhaus. Hier gerät Timo Jacobs in echte Begeisterung. Die morbiden Räume seien zu schön. "Allein das Lametta. Einfach bezaubernd.", schwärmt er. Hier sei er bis vor kurzem jeden Freitag um 18 Uhr mit seiner Tanzpartnerin tanzen gewesen. Standardtanz. Momentan komme er leider nicht dazu. "Aber ich muss da unbedingt mal wieder hin.", konstatiert er.

Freischwimmer. Im Sommer leihe er sich wahnsinnig gerne ein Kanu am Freischwimmer in Kreuzberg aus. Der Verleih sei ganz hinten an dem Restaurant und den Clubs vorbei. Von dort paddle er dann Richtung Köpenick die Spree hinauf. Wirklich schön sei das, sinniert er.

Buddha’s Kitchen. Im Grunde koche er leidenschaftlich gern und könne dabei sogar hervorragend seine Texte lernen, so sehr entspanne ihn das. Wenn er dennoch mal keine Lust habe zu kochen, gehe er gerne zu diesem einfachen Thailänder in der Falkensteinstraße. Er liebe Suppe. Vor allem mit Kokosmilch und Gemüse. "Die duftet hier fantastisch!"

Z-inema. Das winzige Programmkino befinde sich im hinteren Teil der Z-Bar in Mitte und sei ein echter Geheimtipp. Viel Künstlervolk tummle sich da. Unglaublich charmant sei das Kino schon allein durch seine Größe. Im Übrigen würden alle Filme vor Vorstellungsbeginn noch von den Betreibern persönlich angekündigt und oft seien die Macher der Filme anwesend. Auch sein eigener neuer Film stehe dort im September wieder auf dem Programm.

Stadtbad Neukölln. Ein tolles altes Bad mit römischen Säulen ist sein Lieblingsort zum Schwimmen. Allerdings auch oft überlaufen. Am besten gehe man früh am Morgen dort hin. Das Wasser sei mit seinen 24 Grad allerdings eher was für Warmduscher, schmunzelt er. Dennoch: "Das ist schon sehr schön da.", fasst er nordisch klar zusammen.

Keirin. Der Inhaber dieses Fahrradladens kurz vor der Oberbaumbrücke könne einfach jedes nur erdenkliche Fahrradteil besorgen, so gut sei der vernetzt. Leider musste er sich kürzlich aufgrund der steigenden Mieten verkleinern und ist ein Geschäft weitergezogen. Hier schaue Jacobs auch gerne mal nur auf einen Kaffee vorbei.

Prinzessinengärten. Eine wirklich schöne Oase mit Restaurant und Café sei dieser Ort für "Guerilla Gardening" am Moritzplatz. Hier würden auch besondere Gemüsesorten angebaut, die man normal im Handel gar nicht bekomme. Ein tolles Konzept sei das, selber etwas anzubauen und zu ernten. "Im Sommer gibt es auch ein Freiluftkino.", merkt er noch an.

Bücherfundgrube. Der Inhaber dieses skurrilen Buchladens sehe aus wie der Alm-Öhi. Mit langem Rauschebart sitze er inmitten seiner Bücher. Das Ganze habe etwas Messyhaftes, aber der Inhaber wisse immer ganz genau wo alles liegt. Er berate ganz hervorragend und jedes Buch koste tatsächlich nur 1 Euro. "Der Typ wirkt spleenig, ist aber total abgeklärt.", schwärmt Jacobs.

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