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Berliner Lieblingsortevon Schauspieler Oliver Mommsen

Mittwoch, 18. April 2018
Schauspieler Oliver Mommsen im Interview mit Creme Guides
Die Orte im Überblick|
Karte (9)

Oliver Mommsen ist die Sorte Mensch, an die man andocken möchte, wann immer man eine Dosis positiver Energie benötigt. Lebensfroh. Aktiv. Und derart unkompliziert, dass ich während unseres Interviews vergangene Woche schon nach wenigen Minuten das Gefühl habe, wir würden uns bereits ewig kennen. Keine Allüren. Keine Show. Einfach Kreuzberg, Sonne und gute Laune.

Vor der Marheineke Markthalle sitzend sind wir dann auch gleich mittendrin, denn Mommsen machte sein Abitur am Internat Louisenlund bei Kiel. Meiner Heimatstadt. Und der gleiche Jahrgang sind wir auch beinahe, stellen wir fest. "Kannst Du Dich noch ans LiLaLü erinnern?" frage ich. "Klar, da gab’s immer die Sauren. Da habe ich mir mehr als einmal die Lichter ausgeschossen", lacht er. Wir durchforsten das Kieler Nachtleben. Das Eis ist gebrochen.

Oliver Mommsen hat keine Berührungsängste. Ganz im Gegensatz zu Marc Deville, dem Protagonisten, den er in dem Kinofilm "Die Haut der anderen" verkörpert. Die deutsche Produktion feiert gerade ihre Premiere. Oliver Mommsen spielt darin einen pornosüchtigen Mann, der nahe Beziehungen meidet und keinen Körperkontakt erträgt. Als er einer Frau begegnet, die ihrerseits Extreme sucht, um sich zu spüren und beide sich ineinander verlieben, ist nicht nur er gefordert, alte Muster hinter sich zu lassen.

Die Story "pornosüchtiger Mann" mag dabei im ersten Moment effekthascherisch anmuten, aber der Film geht so ruhig und besonnen, so liebevoll und nachsichtig mit seinen Figuren um, dass deren individuelle Süchte und Obsessionen beinahe in den Hintergrund treten. Es geht um die Angst vor echter Nähe und die bisweilen sonderbaren Strategien, die wir Menschen entwickeln, um die daraus resultierende Vereinsamung ertragen zu können.

Ein Problem, das Oliver Mommsen im wahren Leben nicht zu kennen scheint. Seit seinem 15. Lebensjahr geht er in Beziehungen zu anderen auf. Sei es in Gruppen, wie zu Internatszeiten in Louisenlund und Schloss Salem oder heute bei Dreharbeiten. Dass er früher der Klassenclown war, glaubt man dem heutigen Tatort-Kommissar sofort. Sein Lachen ist ansteckend, sein Charme unwiderstehlich, so echt ist beides.

Verheiratet ist der Schauspieler mit seiner Frau Nicola Mommsen. Ihre beiden Kinder sind in Berlin groß geworden und waschechte Kreuzberger. Sohn Oskar hätten sie gerade noch davon abhalten können, sich den Namen des Stadtteils auf den Unterarm tätowieren zu lassen, erzählt Mommsen lachend.  

Gleich drei beste Freude begleiten ihn seit Jahrzehnten durchs Leben. Zugleich lernt er permanent und leidenschaftlich gern neue Leute kennen. Das sei ein echtes Privileg in seinem Job. Auch, dass er oft auf der Straße erkannt und angesprochen werde, sei für ihn als Schauspieler eine tolle Dreingabe und niemals lästig. 

Im Harry-Potter Ambiente des Schloss Salem versuchte er sich einst erstmalig am Schultheater als Schauspieler. Lampenfieber habe er damals noch nicht groß gehabt. Das kam erst auf der Schauspielschule, die er nach dem Zivildienst in einer Düsseldorfer Psychiatrie, bei Maria Körner in Berlin absolvierte. Heute habe er ein "gutes Lampenfieber", das ihn auf „Betriebstemperatur“ bringe.

Nach der Schauspielschule habe er zunächst hinter den Kulissen beim Film gearbeitet, 1995 dann das erste Mal an der Komödie am Kurfürstendamm auf der Bühne gestanden. Als die ersten Rollen beim Film kamen, verlor er den Kontakt zum Theater. Doch seit dem Bühnenstück „Gut gegen Nordwind“ sei er mit der Komödie wieder eng verbandelt.

Eine Inszenierung steht dort jedes Jahr mit ihm auf dem Spielplan. Meist als Bühnen-Traumpaar mit Kollegin Tanja Wedhorn. Aktuell ist es das Stück "Die Tanzstunde". Mit den Stücken geht er auch auf Tour. Dann ist Mommsen so richtig in seinem Element: "Ich liebe diese Zirkusleben“, erzählt er begeistert.

Auch für "Die Haut der Anderen" sei das Team viel unterwegs gewesen. Da der Regisseur Thomas Stiller den Film selbst produziert hat, habe man den Film in Etappen drehen müssen. Wie ein großes Abenteuer sei das "ohne den ganzen Apparat hintendran" gewesen. "Wie ein Studentenfilm mit Profis." Stiller habe das Set dabei stets so entspannt gestaltet, dass er selbst den Nacktszenen "die Wucht" genommen habe.

Wenn Oliver Mommsen nach langen Drehs wieder nach Hause kommt, ist er die erste Zeit meist völlig von der Rolle. Der Alltag in der Familie erde ihn dann gut. Und seine Freunde natürlich. Nicht zu vergessen, die Menschen in seinem Kiez, die sich ebenfalls freuen, ihn wiederzusehen. Wo er seine Freizeit dann am liebsten verbringt, hat mir der Sport- und Bewegungsfanatiker dann natürlich auch noch verraten...

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Marheineke Markthalle. Seit Jahren ist die fußläufig von seinem Zuhause gelegene Markthalle kulinarischer Dreh- und Angelpunkt für ihn und seine Familie. Hier wird alles an Lebensmitteln eingekauft. Die Händler kennen seine Kinder schon von klein auf und wenn er von langen Drehs nach Hause kommt, wird er hier stets mit jeder Menge "Kiezpalaver" wieder willkommen geheißen. Im Sommer vor der Halle zu sitzen, fühle sich fast wie in Süd-Frankreich an. "Nur das Meer fehlt", lächelt er.

Komödie am Kurfürstendamm. Das Boulevard-Theater ist Mommsens zweites Zuhause und wenn er eine Zeitlang nicht dort war, komme ihm stets ein Lied von Hildegard Knef in denSinn: "Ich hab´ so Heimweh nach dem Kurfürstendamm..." Ein Stück altes West-Berlin für gehobene Großstadtunterhaltung. Er selbst habe nie den Anspruch gehabt, die Welt zu verändern, er wolle sein Publikum einfach gut unterhalten. "Hier fühle ich mich pudelwohl", schwärmt er und meint damit auch sein Publikum.

Mommsen-Spaziergang. Zum Lernen von Texten muss Oliver Mommsen in Bewegung sein. Einer seiner liebsten Wege führt ihn dabei durchs Grüne: vom Viktoria Park am Kreuzberg geht’s am Wasserfall vorbei Richtung Monumentenbrücke. Vorbei an den roten Häusern des Quartiers "Am Lokdepot" und weiter zum Park am Gleisdreick. Von hier marschiert er über den Potsdamer Platz, durch den Tiergarten, bis runter zum Kurfürstendamm. "Bis ich am Theater bin, bin ich gedanklich einmal durch das Stück durch.“

Club der Visionaere. Die Bar am Spree-Ufer in Treptow gehöre einem seiner drei besten Freunde. "Mein zweites Zuhause ist das", so Mommsen. Auch nach 20 Jahren sei die Location noch immer ein magischer Ort. Wenn er dort im oberen Bereich eine Pizza esse und über den Kanal schaue, sei das echtes Berlin-Feeling. Hier würde er wieder zum Jungen, der auch mal den Besen schwingt oder den Müll rausbringt. Ansonsten treffe man hier vor allem Menschen aus der ganzen Welt. Jede Menge toller Begegnungen habe er hier schon gehabt.

Kino International. Gelegen an der "beklopptesten Straße von Berlin", ist das Kino an der Karl-Marx-Allee sein eindeutiges Lieblingskino. Die "imposante Meile", von der er selbst mal geglaubt habe, dass sie eine zweite Champs-Elysee würde, trage dabei durchaus ihren Teil dazu bei. Großartig sei auch das weitläufige Foyer mit seinem einmaligen Blick. Ebenso wie die Filmauswahl. "Wäre nicht schlecht, wenn mein neuer Film dort gezeigt würde", merkt er zögerlich an.

Diener Tattersall. Hier in der Grolmannstraße wisse man einfach, wie man mit Leuten umgeht. Erst kürzlich sei er in der ehemaligen "inoffiziellen Kantine des Schillertheaters" mal wieder mit 15 Leuten eingefallen. "Sensationell war’s!" Zum Bier gibt’s echte Berliner Hausmannskost wie Boulette mit Kartoffelsalat oder Blut- und Leberwurst mit Sauerkraut und Kartoffeln.

Cocolo Rahmen. Er gehe gerne und oft am Paul-Linke-Ufer spazieren. Regelmäßig gehe er dann auch zu Cocolo Rahmen und schaue den Jungs hinterm Tresen während des Essens beim Suppemachen zu. "Ein super Laden!" Überhaupt bringe es der Betreiber Duc mit seinen gastronomischen Konzepten immer auf den Punkt.

Ankerklause. Nach gefühlten 30 Jahren habe er die Kreuzberger Institution gerade wieder für sich entdeckt. Nach der Generalprobe und zugleich am Tag vor der offiziellen Premiere von "Die Tanzstunde" an der Komödie, habe er hier mit seiner Bühnenpartnerin Tanja Wedhorn gefeiert wie in alten Zeiten. "Der Ort ist sich echt treu geblieben", schwärmt Mommsen. "Hier kann man noch immer spontan abtanzen und sich mit Fremden in den Armen liegen." – Die Premiere lief dann auch „Bombe“, strahlt er.

Autorenbuchhandlung. Die beiden Inhaber Joachim Fürst und Marc Iven seien super Netzwerker und liebten ihre Bücher aufrichtig. "Unkompliziert und leidenschaftlich sind die", so Mommsen. Im vergangen Jahr habe er hier mit Eva Sichelschmidt aus ihrem Buch "Die Ruhe weg" gelesen. Lesungen machten ihm grundsätzlich einen riesen Spaß. Regelmäßig sei er als Vorleser mit dem Krimi-Autor Jo Nesbø unterwegs. "Schön, dass dieses einfache Prinzip – einer liest vor, die anderen hören zu – noch immer funktioniert."

NOR – Not only Riesling. Die Weinhandlung mit Weinbar am Marheineke Platz sei auch so eine Art ausgelagertes Wohnzimmer für ihn und seine Frau. Gerade habe er dort den Rosé für sich wieder entdeckt, mit dem er während seiner Ferien in Süd-Frankreich im Grunde schon groß geworden ist. Die Auswahl sei super und nicht selten hole er hier zu fortgeschrittener Stunde noch Wein-Nachschub für seine Gäste zuhause.

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