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Kinojahr 2021 Die 10 Lieblinge der Creme Guides Redaktion

Mittwoch, 22. Dezember 2021
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Zum Jahresende sind die Tage kalt und dunkel, ob die Familie zusammenkommt oder nicht, ob man Urlaub hat oder sich einfach auf den Feierabend freut, es ist die Zeit, in der man drinnen bleibt – und damit perfekt für ausgedehntes Heimkino. Wer jetzt nicht zu den üblichen Verdächtigen an Weihnachtsfilmen greifen möchte und es in diesem Jahr auch nicht so oft ins Kino geschafft hat, all jenen legen wir diese Liste ans Herz. Wir haben unsere Kinohighlights 2021 gesammelt, ideal, um die schönsten Filme des Jahres über die Feiertage nachzuholen. 

Nähere Details zu den einzelnen Orten finden Sie über das Anklicken der orange markierten Namen!

The Father

Man kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass Sir Anthony Hopkins in The Father die Rolle seins Lebens spielt – nicht umsonst gewann er dafür bei der diesjährigen Oscar Verleihung den Preis als bester Hauptdarsteller. Das Kammerspiel findet in der Wohnung und im Geist eines an Demenz erkrankten, wohlhabenden Londoners statt, in der er von seiner Tochter, gespielt von Olivia Coleman, gepflegt wird. Oder doch nicht?

Was ist die Wirklichkeit, wer sind die Menschen in der Wohnung und was sind ihre Absichten – noch kein Film hat sich so erschreckend lebensnah in den Geist eines Demenzkranken versetzt und die Zuschauer:innen Verwirrung und Leid so echt nachvollziehen und nachfühlen lassen.

The Green Knight

Vorweg sei gesagt: Ich liebe die Artussage. Etwas an der Geschichte des legendären englischen Königs und seiner Ritter hat schon immer einen starken Reiz auf mich ausgeübt. Jedoch fehlte es bislang an wirklich befriedigenden Verfilmungen einer der klassischsten Sagen des Westens. Das hat sich in diesem Jahr mit The Green Knight geändert. Der Film widmet sich zwar nur einem Fragment der Sage, dem mittelalterlichen Gedicht Sir Gawain and the Green Knight, zeigt aber, dass der Stoff eben doch kunstvoll und atmosphärisch interpretiert werden kann.

Erzählt wird die Heldenreise des jungen Sir Gawain (Dev Patel), der, um sich am Hofe von Camelot zu beweisen, der Herausforderung des mysteriösen grünen Ritters folgt und sich auf die Suche nach der grünen Kapelle begibt, in der dieser auf ihn wartet. Bildgewaltig und düster inszeniert, gleicht die Reise einem Traum, voller Visionen und übernatürlicher Ereignisse. So ernst und beeindruckend wurde die Artussage noch nicht verfilmt. Lohnt sich nicht nur für Fantasy Fans. 

Der Rausch

Wie entflieht man der Langeweile des Lehreralltags? Die Schüler:innen hören nicht zu, in der Familie läuft es auch nicht so rund wie früher, die Midlife Crisis droht. Vier Lehrer aus Kopenhagen wollen ein Experiment wagen. Basierend auf einer (pseudo?)wissenschaftlichen Theorie streben sie an, einen permanenten Grundalkoholpegel zu halten, um sich dynamischer ihrem Alltag zu widmen.

Das Experiment gelingt - zunächst - denn der neu gewonnene Elan beeindruckt die Menschen im Umfeld der sonst eher drögen Gymnasiallehrer. Jedoch überrascht es wenig, wenn ein solches Experiment aus dem Ruder läuft. Thomas Vinterbergs Der Rausch erzählt, mit Mads Mikkelsen in der Hauptrolle, eine Geschichte, die nicht genau erkennen lässt, ob sie kritisiert, zelebriert oder motiviert. Was sicher ist: Sie unterhält.

Minari - Wo wir Wurzeln schlagen

Was ist der Amerikanische Traum? Für den koreanischen Einwanderer Jacob Yi (Steven Yeun) ist es, eine eigene Farm zu besitzen um auf amerikanischem Boden koreanisches Gemüse zu züchten. Mühsam abgespart kauft er ein Stück Land sowie einen Trailer mitten in Arkansas, eine Umstellung, die von der ans Stadtleben gewöhnten Familie mit wenig Begeisterung angenommen wird.

Sich ins amerikanische Dorf zu integrieren ist schwer und besonders dem kleinen Sohn gefällt das neue Zuhause nicht. Als Großmutter Soon-ja aus Korea zu ihnen zieht, um die Familie zu unterstützen, scheinen die Dinge endlich bergauf zu gehen. Ein ruhiger, aber doch bewegend inszenierter Film einer wenig porträtierten Gesellschaftsschicht der USA und eines der Kinohighlights 2021. 

Nomadland

Wenig überraschen dürfte dieser Titel in der Reihe, denn nach der Oscarverleihung waren seine Hauptdarstellerin Frances McDormand und seine Regisseurin Chloé Zhao in aller Munde. Die drei größten Preise des Abends, Bester Film, Beste Regie und Beste Hauptdarstellerin gingen dabei an Nomadland – und das zu Recht.

Der bewegende Roadmovie folgt der Witwe Fern auf der Suche nach Freiheit und einem Entkommen aus gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zwängen. Auf ihrer Reise begegnet sie anderen modernen Nomaden, die die Weiten Amerikas in Vans durchstreifen und sich gegenseitig unterstützen. Dieser Film zeigt nicht nur Schönheit und Hindernisse des Lebens im Van, sondern porträtiert eine durch gesellschaftliche Raster gefallene Gruppe amerikanischer Freigeister, die verschiedensten Umständen geschuldet, im Alter an der Armutsgrenze leben. Nomaland ist ebenso schön wie berührend und eins der absoluten Must-Sees des Jahres. 

The Power of the Dog

Auch spät im Jahr kann noch ein Hit kommen. Umso überraschender, dass The Power of the Dog auch noch von Netflix stammt. Anfang des 20. Jahrhunderts. Zwei Brüder leiten gemeinsam eine erfolgreiche Rinderfarm, könnten jedoch verschiedener nicht sein. Der intelligente aber raue Cowboy Phil (Benedict Cumberbatch) wünscht sich dass die Farm auf ewig in Männerhand bleibt, nur die Brüder und die Natur. Der ruhige George (Jesse Plemons) jedoch sehnt sich nach einer Familie.

Als dieser die Witwe Rose (Kirsten Dunst) heiratet und diese auch noch ihren träumerischen und sanften Sohn auf die Farm mitbringt, ist Phils Welt auf mehr als eine Weise gestört. Der langsame und doch in der Tiefe beunruhigende Western taucht seicht in die Welt des queeren Films ein und schafft es trotz seiner äußerst ruhigen Erzählweise eine subtile Spannung aufrechtzuhalten, die Zuschauer:innen an die Leinwand fesselt. 

Dune

Dune - Ein Roman an dem sich viele die Zähne ausgebissen haben. Frank Herberts Monumentalwerk hat nur wenige Verfilmungen hervorgebracht und diese sind umstritten. David Lynch's Dune ist das einzige Werk, von dem der Autorenfilmer sich distanziert hat. Ein Mammutprojekt von Alejandro Jodorowski wurde nie fertiggestellt und die Fernsehfilmreihe hat ebenfalls keine große Fanbase hervorgebracht.

Umso besser dass Denis Villeneuve, der sich bereits mit Arrival und Blade Runner: 2049, zwei fantastischen Filmen, im Science-Fiction Genre etabliert hat, es auf sich genommen hat Dune erneut auf die große Leinwand zu bringen. Die Handlung ist zu lang und komplex, um sie effektiv zusammenzufassen. In aller Kürze: Im galaktischen Imperium der Menschheit bietet der Planet Arrakis die einzige Quelle für Spice, eine bewusstseinserweiternde Substanz, die das Reisen im All ermöglicht.

Als die Verwaltung des Planeten ans Haus Atreides übergeben wird, entbrennt zwischen ihnen und dem grausamen Haus Harkonnen ein Kampf um die Macht über das Spice, bei dem die mysteriösen Ureinwohner Arrakis, die Fremen, eine entscheidende Rolle spielen- und Prinz Paul Atreides zu seinem Schicksal finden könnte. Bildgewaltig, starbesetzt und mitreißend ist Dune der Blockbuster des Jahres und ein zweiter Teil, dem Imperator sei Dank, schon bestätigt. 

Ammonite

Manchmal schreibt das Leben die zärtlichsten Liebesgeschichten. Ammonite ist ein Biopic über die im 19. Jahrhundert im viktorianischen England lebende Mary Anning (Kate Winslet), einer in bescheidenen Verhältnissen an der Küste lebenden Fossiliensammlerin, die ihre Funde für wenig Geld und Anerkennung an Touristen und Forscher verkaufen muss, um sich und ihre kranke Mutter zu ernähren.

Als ein junger Forscher vor Beginn seiner eigenen Reise Mary besucht, um von ihr zu lernen, lässt er seine gesundheitlich und psychisch angeschlagene Frau Charlotte (Saorise Ronan) in Marys Obhut. Diese nimmt missmutig an, kann sie doch das Geld gut gebrauchen. Doch entwickelt sich zwischen der ruppigen, armen Forscherin und der zarten, wohlhabenden Frau bald mehr. Wie ein Farbtupfer im Grau der winterlichen englischen Küste, erzählt diese einfühlsame Geschichte von einer ungleichen Liebe zweier Frauen im 19. Jahrhundert, die zeitgleich realistisch und effektiv die patriarchalische Gesellschaft kritisiert. 

Helden der Wahrscheinlichkeit

Da man in einer Film Liste nie genug Mads Mikkelsen haben kann, kommt hier noch Helden der Wahrscheinlichkeit. Der sich im dauernden Auslandseinsatz befindende Soldat Markus muss abrupt Heim reisen, als seine Frau bei einem tragischen Zugunglück ums Leben kommt. Plötzlich mit seiner entfremdeten Teenie-Tochter allein, weiß der harte, schweigsame Mann weder ihr in ihrer Trauer zu helfen, noch sich selbst.

Bis Mathematiker Otto an seiner Tür klingelt, der ebenfalls beim Zugunglück war und überzeugt ist, dass es kein Zufall gewesen sein kann, sondern der Anschlag einer Rockerbande. Diese klassisch-skandinavisch-schwarze Komödie von Adams Äpfel Regisseur Anders Thomas Jensen ist so bissig und unterhaltsam wie ihre Vorgänger. 

Fabian oder Der Gang vor die Hunde

In Zeiten von Corona ist es leicht, der Melancholie anheim zu fallen. Man sehnt sich nach besseren Zeiten, ohne drohendes Virus, jedoch ebenso ohne drohende Spinner, die als Teil einer immer brauner werdenden Suppe fürs vermeintliche Allgemeinwohl demonstrieren. Wer sich hier nach mehr Menschlichkeit, Mitgefühl und Moral sehnt, der wird sich vielleicht in Fabian oder der Gang vor die Hunde wiederfinden.

Denn die braune Suppe kocht nicht zum ersten Mal. Im Berlin Anfang der 30er Jahre erlebt Werbetexter Fabian (klassisch-träumerisch gespielt von Tom Schilling) den graduellen Niedergang der Weimarer Republik - in vielerlei Hinsicht. Im Berliner Nachtleben treibt sich der Intellektuelle zusammen mit seinem Freund Labude (Albrecht Schuch) in Bars, Clubs und Bordellen herum, wo diese versuchen im bunten Treiben einen Sinn zu finden. Als Fabian die angehende Schauspielerin Cornelia (Saskia Rosendahl) kennenlernt, scheint ein neuer Sinn gewonnen, doch dem Strudel von wirtschaftlicher und politischer Krise, Exzess und Opportunismus sind die drei kaum gewachsen. 

Dominik Grafs Verfilmung von Erich Kästners Fabian ist ein Werk, auf das man sich einlassen muss, sowohl von der teils etwas wirren Machart, als auch von seiner Länge her. Tut man es jedoch, zieht es einen in seinen Bann. Kaum jemand spielt den verlorenen Sohn in der Melancholie des Berliner Trubels besser als Tom Schilling und der inzwischen (zu Recht) unvermeidliche Albrecht Schuch zeigt sich auch hier mit seiner Wandelbarkeit als der neue große Stern der deutschen Filmlandschaft.

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