Wäre diese Empfehlung von nur annähernder sprachlicher Meisterschaft wie das Schreiben dieser großen Autorin, würden die Bedeutungsverschiebungen, die mit einem Buchstabentausch im Wort "wendig" einhergingen, in einem nächsten federleichten, dennoch kondensierten Satz gefasst werden. Denn Sigrid Nunez erzählt nicht nur wendig, sondern auch wenig. Wieviele Jahre, Kontexte, Perspektiven überspringt und verschiebt und wechselt sie in dem, was wir gemeinhin einen Absatz nennen! Diese Lücke zwischen den Textblöcken ist hier mit höchsten Achtungszeichen versehen, hier heißt es für uns Leser aufzupassen, so verdichtet sind diese Texte.
Und dennoch nicht schwer und wie ein Rätsel zu knacken, sondern in der erzählerischen Wendigkeit auch sehr durchlüftet, windig. Denn Sigrid Nunez ist eine Spielerin. Sie jongliert stets mit den doppelten und dreifachen Bedeutungen eines Wortes – ein Hoch an dieser Stelle auf die Übersetzerin Anette Grube, die diesen spielerischen Ton auch im Deutschen so realisiert hat, dass dessen Lässigkeit erhalten bleibt. In jeder scheinbar hingeworfenen Nebenbemerkung lauert eine Geschichte, ein neues Motiv der Erzählung. Die springende Intelligenz der Sigrid Nunez ist einfach berauschend!
So wie bei diesem Beispiel: "An den Wochenenden kellnerte ich abends im Phebe's in der Bowery. Zufall: Ich heiße Phoebe, und ich ließ sofort das O weg, da die andere Schreibweise natürlich cooler war. (Während der Jurastudiums fügte ich es wieder ein.)" – Welch immenser Zeitraum und Lebensveränderung der Erzählerin steckt hier allein in dem kleinen Einschub in Klammern!
Viele der Stories führen uns Protagonisten vor, die mit allen ironischen Drehs sich und ihr Leben zu verstehen versuchen. Da ist ein Ehemann, der akribisch über Wochen die Ermordung seiner Frau plant – um am Ende als Verlassener dazustehen. Da ist der Hormonrausch einer 14-Jährigen, die der Mutter die Party und ihr Ansehen ruiniert, weil sie sich vom Bartender massiv angezogen fühlt. Oder da ist eine ältere Dame, die umstellt ist von sich widersprechenden Erinnerungen – die Unübersichtlichkeit der Personage wird hier zur performativen thematischen Durchdringung.
"Wenn es wichtig ist" versammelt Stories einer Meisterin, die ihr Handwerk nicht nur bis ins kleinste Detail beherrscht, sondern auch so weit geht, es wieder aufs Spiel zu setzen – das wäre dann die höchste Kunst.