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Fast Abend, immer noch hell von Linea Maja Ernst

Montag, 18. Mai 2026
Advertorial
Fast Abend, immer noch hell von Linea Maja Ernst
Fast Abend, immer noch hell
von Linea Maja Ernst
S. Fischer
...
24 €

Es ist Juni, Mittsommer naht, eine Waldhütte ohne Nachbarn, in der Nähe ein See mit klarem Wasser und hellem Sandboden, der Abendhimmel leuchtet aquarellrot, kurz: Es ist magisch. "Ein solcher Ort romantisiert sich selbst" heißt es einmal – und Romantik ist wohl das Deutlichste, was hier assoziiert werden kann. Hygge im Sommer.

Hier trifft sich nun ein alter Freundeskreis aus Geisteswissenschaftlerinnen, Literaten, versponnenen Künstlerseelen und Queers um ihre Freundschaft, ihre Liebe, ihr Dasein zu feiern. Sieben Tage unter sich – ein Versprechen von Renaissance und Rasch.

Die Idee einer Sommergesellschaft auf dem Land, in der monadisch die Seinsbedingungen einer Gesellschaft aufscheint, ist nichts neues. Denken wir an Maxim Gorkis "Sommergäste" oder Virginia Woolfs "Zum Leuchtturm", das die flatterhaft exaltierte Sylvia zum Lesen für die paar Tage mitgenommen hat, man befindet sich hier schließlich in einer kulturell hochgebildeten Gemeinschaft (oder versucht durch das Lesen der richtigen Bücher dieses Bild auszustrahlen).

Linea Maja Ernst ist sich der formellen Vorläufer bewusst und erneuert diese Idee für unsere Zeit, in dem sie die heute brennenden Diskurse um Liebe, Queerness, Selbsterfüllung an den unverzichtbar üppig gedeckten Tafeln kursieren lässt. Das gerät nicht zu einer zornigen Beschimpfungsorgie, wie es der deutschen Streitkultur der Gegenwart mit ihrer Ja/Nein-Polarisierung geschehen würde. Nein, so nicht in Dänemark.

Denn obzwar die Freunde sich durch Jobs, Beziehungen, verschiedene Alltage und Lebensentwürfe inzwischen auch auseinandergelebt haben und obzwar in den Gesprächen beim kochen und Krebse fangen fundamentale Unterschiede offenbar werden, bleibt die Feier der Verbundenheit. Hier soll vor allem ein großes Entfalten herrschen, ein exzentrisches Strahlen mit großzügigen Abenden und prahlendem Licht. Dass das auch leicht überinszeniert ist, wissen alle Beteiligten, und lassen sich dennoch in die zitternde und flirrende Sinnlichkeit dieser sieben gemeinsame Tage fallen.

"Fast Abend, immer noch hell" ist der Sommergesellschaftsroman unserer Zeit. Zitternd vor stechender Sehnsucht und bebender Liebe, hier ist ein Glühen zwischen den Zeilen, argumentativ und emotional. Eine besondere Energie zieht durch dieses Buch, ein Begehren nach Ekstase und Eskalation.

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