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Berliner Lieblingsortevon der kulinarischen Botschafterin Sabine Hueck

Montag, 26. Juni 2017
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Lieblingsorte von Sabine Hueck vom Atelier Culinário_
Die Orte im Überblick
Karte (10)

Vor und in Sabine Huecks Atelier Culinário in Schöneberg geht es zu wie im Bienenstock. Sommer. Sonne. Fröhliches Stimmengewirr. Ausgelassenheit bis in den letzten Winkel. Die gebürtige Brasilianerin zieht besondere Menschen an. Literaten. Regisseure. Kreative. Aber auch ganz gewöhnlich Menschen, die sowohl Küche als auch Aura der leidenschaftlichen Bäckerin, Köchin und Gestalterin lieben.

Sie alle bringt sie zusammen, vereint sie an ihren Tischen. Macht diesen mit jenem und jenen mit diesem bekannt. Die Kulisse: eine kunterbunte Wohnküche, die man im Grunde nie mehr verlassen möchte. Wie ein Spielzimmer für Erwachsene, mit fröhlichem Kunsthandwerk aus allen Ecken Südamerikas. Wie ein Gemälde von Frida Kahlo, an die Sabine Hueck mit ihrem kunstvoll gewickelten Tuch um den Kopf sogar ein wenig erinnert.

Ich bin überwältigt. Beglückt. Zufrieden. "So soll es sein!" denke ich. Hier fehlt es an nichts! Und da sich das Auge nicht satt sehen kann, warten auf dem massiven Tresen der Küche auch noch von Sabine Hueck gebackene Kuchen und herzhafte südamerikanisch inspirierte Spezialitäten, um die kulinarischen Gelüste der zahlreichen Gäste zu befrieden.

Auch deshalb bin ich dankbar, dass unser Interview nicht gleich beginnt und ich noch ein wenig von dem Oktopus mit himmlisch gewürztem Kartoffelpüree, den brasilianischen Tapiokabällchen "Pão de queijo" mit Käse und dem saftigen Mohnkuchen kosten kann. Dazu gibt es frischen Maracujasaft, sanfte 60er Jahre Bossa Nova-Klänge und spanische Gesprächsfetzen vom Nachbartisch.

Mit 19, direkt nach dem Abitur an einer deutschen Schule, war Sabine Hueck das erste Mal von São Paulo nach Berlin, der Heimat ihrer Großeltern, gekommen. Ihr Großvater war Friedrich Simon Archenhold gewesen, in dessen von ihm begründeter Treptower Sternwarte sein Freund Albert Einstein 1915 seinen ersten öffentlichen Berliner Vortrag zur Relativitätstheorie hielt.

Sein Schwiegersohn Kurt Hueck fertigte Jahre später die erste Vegetationskarte Südamerikas an. Über ihn entdeckte Sabine Hueck ihre Begeisterung für Nutzpflanzen und das, was man aus ihnen zubereiten kann. Kräuter und Gemüse, das war früh ihre Welt gewesen. Darüber kam sie zum Kochen. Brasilianisch natürlich.

In Berlin wollte sie die deutsche Küche kennenlernen und insbesondere ihre Kenntnisse der deutschen Backkunst, die sie von ihrer Berliner Oma in Brasilien gelernt hatte, erweitern. Die Konditorei Buchwald und die Bäckerei Weichardt vermittelten ihr hierfür Wissen, das sie später zunächst in einer äußerst erfolgreichen Konditorei in Brasilien zum Einsatz brachte . 

Doch nach vier Jahren, sie hatte mittlerweile geheiratet und zwei Kinder bekommen, zog es sie zurück nach Berlin. Sie begann für Orte wie das Literaturcafé zu backen und machte sich einen Namen bis die Konditoren-Innung ihr die Arbeit untersagte, weil sie keinen Meisterbrief besaß.

Es war also die deutsche Bürokratie, die sie am Ende zum Kochen brachte. Denn, dass sie weiter mit Lebensmitteln arbeiten wollte, war klar. Sie begann Kochbücher zu schreiben, realisierte Caterings und bot Kochkurse an. Vor zwei Jahren mietete sie den Laden, im dem sich seither das Atelier Culinário befindet.

Ein Ort der Eventlocation, Kochschule und samstags öffentliches Café zugleich ist. Fotografen und Regisseure lieben es hier zu shooten und gerade erst hat Perola Filmes für das Traditionshaus Rosenthal mit und bei ihr Sequenzen eines zauberhaften Films zu der neuen Geschirrserie "Junto" im Atelier gedreht. Und das ist nur eine von vielen weiteren Kooperationen, die Sabine Hueck zu immer neuen Projekten bringen.

Ihre Kreativität scheint keine Grenzen zu kennen. Fürs Kochen und Backen übers Schreiben und Gestalten bis hin zu ganzen Interior Design Projekten wird sie angefragt. Während meines Besuchs bei ihr lerne ich nicht nur sie, sondern auch zahllose andere spannende Menschen kennen, die unser Gespräch unterbrechen. Irgendwann hatten wir ihre zehn Lieblingsorte dann aber leider dennoch beisammen. Ich hätte noch ewig bleiben können...

Tipp. Zu den Details der einzelnen Orte gelangen Sie über das Anklicken der orange markierten Namen!

Winterfeldt Schokoladen. Das Schokoladen-Geschäft am Winterfeldtmarkt habe sie schon gekannt, als es noch eine Apotheke war. Es sei dort ein bisschen wie in ihrem eigenen Atelier. Ein Ort, an dem sie sich wohlfühle. Wie in einem Zuhause werde man dort umsorgt. Ganz besonders liebe sie die "Cacaotine Chocolat" – geröstete Kakaobohnen, karamellisiert, mit Schokolade umhüllt und mit Kakaopulver bestäubt. "Himmlisch!"

Markthalle Neun. Dieser Ort habe die Gastronomie in Berlin, wenn nicht sogar deutschlandweit nachhaltig verändert. Im Juni war sie auf Einladung hin zum ersten Mal selbst mit ihren glutenfreien Tapiokabällchen "Pão de queijo" beim Streetfood Thursday dabei.

Rummelsberg im Ökodorf Brodowin. Auf dem Gelände dieses ersten Öko-Dorfs Deutschlands, habe ihr Opa einst Moorforschung betrieben. Noch heute fänden Forscher dort seine Fußabdrücke und nähmen Kontakt mit ihr auf. Unabhängig davon sei der Ausblick vom Rummelsberg auf die umliegenden Seen einfach traumhaft. Ein besonderer Ort sei das, der ihr sehr viel bedeute.

Konditorei Buchwald. Als sie in Berlin ankam, wollte sie ein Praktikum in einer Konditorei machen, die keinerlei Fertigmischungen oder Geschmacksverstärker verarbeitete. Buchwald war einer dieser wenigen Orte. Buchwald und der Bäckerei Weichhardt verdanke sie einen wichtigen Teil ihres Wissen zum Thema Backen. Bis heute würde sie deren Baumkuchen mit nach Brasilien mitnehmen, wenn sie nach Hause fahre.

Türkenmarkt. Der Markt am Maybachufer sei für sie der schönste Markt Berlins. Der erste Ort, an dem sie gespürt habe, dass Integration funktionieren kann. Sie liebe das Marktgeschrei und fühle sich dort stets in ihre Kindheit versetzt. Da es jedoch nur wenig Bio-Produkte gebe, gehe sie aber vornehmlich der einzigartigen Atmosphäre und der Lebensfreude wegen dorthin. Und um Stoffe einzukaufen, die es dort in einer irren Auswahl gebe!

Jonnycut. Ihren Frisör Jonny habe sie über den Produzenten Jörg Hoppe kennengelernt. Dabei sei Jonny viel mehr als nur ein Frisör. Er sei Künstler, Fotograf und für viele seiner Kunden und Kundinnen auch Therapeut. "Er ist einfach der beste Freund, den man haben kann. Ein toller Mensch!", erzählt sie begeistert. In seinem Salon verkaufe er aber auch seine Bilder und habe immer gute Musik laufen.

Pilates Rosiris Garrido. Die Pilatestrainerin mit wunderschönem Studio in der Meinekestraße habe früher im Cirque du Soleil am Trapez gearbeitet. Nach einem Unfall kam sie zu der ganzheitliche Trainingsmethode von Hubert Pilates. Heute sei sie eine charismatische, einfühlsame Trainerin, die einen fordere und heile.

Dong Xuan Center. "Das muss man erlebt haben!", schwärmt Sabine Hueck mit leuchtenden Augen. Der vietnamesische Großmarkt sei einfach der Wahnsinn. In den Hallen gebe so viel zu entdecken. Sie liebe das Wühlen in den Textilien und dem vielen Schnickschnack. Hier könne sie ihren Trüffelschwein-Instinkt voll ausleben. Auch essen könne man hier ganz hervorragend, beispielsweise Bananenblüten-Salat. Es gebe sämtliche asiatische Kräuter und Gewürze zu kaufen und es könne durchaus passieren, dass einem plötzlich Krabben über den Weg laufen.

Ixthys. Die beiden Inhaberinnen dieses koreanischen Imbiss seien sehr gläubig und hätten die Wände vollflächig mit Bibelsprüchen geschmückt. Sonntags ist immer geschlossen, damit sie zur Kirche gehen könnten. Das Essen aber schmecke großartig. Jedes Gericht werde einzeln in einem Steintopf zubereitet. Fußläufig von ihrem Zuhause gelegen, gehe sie hier oft zum Mittagessen hin.

Fährhaus Caputh. Die Gaststätte an der Havel habe sie während der Zeit entdeckt, als sie ein Ferienhaus in Werder hatte. Auf dem Weg dorthin hätten sie dort stets Station gemacht und Kaffee getrunken. Noch heute fahre sie dort gerne zum Kuchenessen hin. Nebenan verkaufe der Fischhändler Joachim Lechler im Übrigen tollen Räucherfisch aus eigener Fischerei.

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