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Berliner Lieblingsortevon Regisseurin Emily Atef

Mittwoch, 23. Mai 2018
Regisseurin Emily Atef_
Die Orte im Überblick
Karte (10)

Seit meiner frühesten Jugend hatte ich die Schauspielerin Romy Schneider bewundert. Zunächst naiv als Sissi, später für die offene Art, mit der sie über ihre Gefühle sprach. Ich glaubte mich, wie manch andere Frau vermutlich auch, in ihr wieder zu erkennen. Der geringe Selbstwert. Die Flucht in Extreme. Die Hoffnungslosigkeit. Das alles kam mir lange Zeit sehr vertraut vor.

Nun ist mit dem Spielfilm "3 Tage in Quiberon" eine wichtige Sequenz aus Romy Schneiders Leben mit der wunderbaren Marie Bäumer in der Hauptrolle verfilmt worden. Von einer Regisseurin und Drehbuchautorin, die so völlig anders zu sein scheint, als die Protagonistin ihres bisher wohl erfolgreichsten Films. Emily Atef verkörpert das Ideal einer modernen Frau.

Ihr Selbstwert scheint so angenehm selbstverständlich, als könne es gar nicht anders sein. Ungeschminkt und zart sitzt sie mir während unseres Interviews im Barcomi’s Deli gegenüber. Zugleich klar und präsent. Herzlich und offen. Stark und weich. Kopf und Emotionen friedlich vereint. Emanzipation scheint kein Thema für Emily Atef zu sein, sie geht einfach ihren Weg. Behutsam und zielstrebig. Im Einklang mit sich und der Welt.

Nun werden Sie vielleicht denken: "Das kann man doch nach einem so kurzen Interview gar nicht beurteilen." Und vielleicht haben Sie recht. Trotzdem hat es sich genau so angefühlt. Diese eine Stunde lang. Eine Momentaufnahme, die ein so klares Gefühl von: "Genau so soll es sein!" hinterließ, wie ich es selten einmal erlebt habe.

Während diese inspirierende Botschaft in mich einsickert, erzählt Emily Atef aus ihrem Leben... Sie ist die Tochter einer Französin und eines Iraners. 1963 lernten sich die beiden am Goethe-Institut in Berlin kennen. Während der Vater als Ingenieur arbeitet, eröffnet die Mutter einen Beauty Salon in der Fasanenstraße. Als Emily sieben Jahre alt ist, zieht die Familie nach L.A.

Hier eröffnet die Mutter ein erfolgreiches Crêpes-Catering. Der Vater arbeitet weiterhin als Ingenieur. Emily und Ihr Bruder gehen in L.A. zur Schule. Insbesondere die Mutter hält jedoch nicht viel vom amerikanischen Umfeld und schickt ihre Tochter mit 13 Jahren nach Frankreich, wo sie fortan in der Nähe von Dijon zur Schule geht.

Vier Wochen verbringt Emily Atef jeden Sommer in Berlin, um sich das Taschengeld für die übrigen vier Wochen der Schulferien zu verdienen. Mal arbeitet sie im Bücherbogen am Savignyplatz, mal im Hotel von Freunden. Nach dem Baccalauréat besucht sie die Schauspielschule in Paris und arbeitet eine Zeitlang in London, wo sie mit dem Verfassen erster Drehbücher beginnt und sich eine Kamera zulegt.

Sie geht zurück nach Berlin und bewirbt sich an der Deutschen Film- und Fernsehakademie. Unter zahllosen Bewerbern erhält sie als eine von zwölf Mitstreitern eines der begehrten Stipendien für die renommierte Schule. Inspirierende Dozenten und die inbegriffenen Finanzierungen ermöglichen ihr die Realisierung erster Filmprojekte.

Während der Dreharbeiten für ihren ersten Langfilm Molly’s Way, für den sie auf dem Filmfest München mit dem Förderpreis Deutscher Film ausgezeichnet wird, lernt sie in Polen ihren heutigen Mann kennen. Auch die folgenden Filme „Das fremde in mir“ und „Töte mich“ finden große Beachtung und erhalten mehrere Preise.

2010 kommt Emily Atefs Tochter zur Welt. Die filmfreie Zeit nutzt sie, um am Drehbuch für „3 Tage in Quibron“ zu schreiben. Der französischer Produzent Denis Poncet hatte den Stein ins Rollen gebracht. „Ich selbst mochte Romy Schneiders späte Filme, aber ich wäre von allein nicht auf das Thema gekommen“, gesteht die Regisseurin.

Nachdem Marie Bäumer immer abgelehnt hatte, Romy Schneider zu spielen, sagte sie bei dem Drehbuch von Emily Atef zu, weil sich der Film nicht mit ihrem ganzen Leben, sondern vielmehr mit einer tragischen Momentaufnahme ein Jahr vor ihrem Tod beschäftigt. Die Außenaufnahmen entstehen am Originalschauplatz, vor dem Hotel Sofitel Quiberon in der Bretagne.

Der Film hat während der Berlinale 2017 Prämiere und wird ein Riesenerfolg. Er erhält bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises sieben Auszeichnungen, darunter in der Kategorie Film, Regie und für die Darsteller Marie Bäumer, Birgit Minichmayr und Robert Gwisdek.

Seither ist Emily Atef nur noch unterwegs. Cannes. Paris. Und nebenbei neue Projekte: eine französische Kino-Produktion, ein Tatort und die Verfilmung des Romans "Irgendwann werden wir uns alles erzählen". – Mit drei Sprachen ist die Regisseurin großgeworden, das ermöglicht ein internationales Arbeiten.

Die Welt ruft also. Aber bevor Emily Atef sich wieder auf den Weg macht, verrät auch sie mir wie gewohnt ihre ganz persönlichen Lieblingsorte in Berlin...

Tipp. Zu den Details der einzelnen Orte gelangen Sie über das Anklicken der orange markierten Namen!

Les Patisseries de Sebastien. In der unscheinbaren, kleinen Pâtisserie auf der Invalidenstraße hole die Familie jedes Wochenende die "besten Croissants der Stadt". "Die sind so herrlich buttrig, dass man sie nur einmal in der Woche essen kann", schwärmt Emily Atef. Es gebe aber auch super gute Baguettes, die meist schnell ausverkauft sind. Manchmal sogar aus Buchweizen. Nicht zu vergessen die wunderbaren Kuchen. Wenn Freunde aus Frankreich zu Besuch kommen, seien selbst die regelmäßig begeistert. Kein Wunder: Pâtissier Sébastien Fleck habe früher für den französischen Botschafter gearbeitet, erzählt sie.

Themroc. In dem „coolen französischen Restaurant“ auf der Torstraße gebe es täglich nur ein Menü. – "Mit einer vegetarischen Option!" ergänzt Atef. „Themroc“ sei ein unglaublicher Film mit Michel Piccoli, in dem nicht gesprochen werde, erzählt die Regisseurin. Dabei führe der lange Tresen, an dem sie am liebsten zum Essen sitzt, im Gegenteil dazu, dass man eigentlich immer jemanden kennenlernt. Es sei ein bisschen wie in der Küche von Freunden: unkompliziert und gemütlich. "Ein sehr sympathischer Ort!"

Mrs Robinson. Ein Freund brachte sie während der letzten Berlinale in das Restaurant in Prenzlauer Berg. "So so lecker war das!" erzählt Atef begeistert. Die Küche experimentiere sehr gelungen und serviere „interessante Kombinationen, die super schmecken“. Dabei liebe sie den Sharing-Gedanken, weil sie immer von allem probieren möchte. Überhaupt koche und esse sie leidenschaftlich gerne mit Freunden. Essen sei ja etwas sehr Sinnliches.

Scuderi. Den Schmuckladen in Prenzlauer Berg betrete sie nur, wenn Sie gerade Geld übrig habe. "Ich muss hier immer etwas kaufen!", gesteht sie. Mit Bettina Siegmund, einer der beiden Inhaberinnen, habe Ihr Mann ihren Verlobungsring konzipiert und auch ihre Eheringe stammen von dort. Für die Berlinale habe sie Schmuck geliehen bekommen, von dem sie zumindest einen Ring behalten musste, weil er so schön war.

René Talmon L'Armée. Das Schmuckgeschäft in der Linienstraße wirke mit seinen dunklen Wänden und den außergewöhnlichen Schmuckstücken wie eine mysteriöse Schatzkammer. "Ein Ort zum Eintauchen!" schwärmt Emily Atef. Den Künstler halte sie für wahnsinnig talentiert und er präsentiere seine Arbeiten völlig zurecht wie kleine Kunstwerke.

Robert Morat. Der Inhaber dieser "sehr klaren Galerie" in der Linienstraße stamme aus Hamburg und stelle regelmäßig tolle Fotografie-Künstler aus. Aktuell präsentiere er die neusten Arbeiten ihre Freundin Jessica Backhaus. Die lohnenswerte Ausstellung habe sie sich gerade gemeinsam mit ihrer Tochter angesehen.

Hamburger Bahnhof. In dem Museum für zeitgenössische Kunst entdecke sie immer etwas Neues. "Ein sehr inspirierender Ort." Auch die Weitläufigkeit liebe sie sehr. Besonders gut habe ihr zuletzt die Präsentation der vier jungen, internationalen Gewinnerinnen des Preises der Nationalgalerie gefallen. Jede der Künstlerinnen hatte einen ganzen Raum für ihre jeweilige, medienübergreifende Arbeit. "Sehr spannend war das!"

Bücherbogen. Nicht nur, weil sie in der einzigartigen Buchhandlung am Savignyplatz mit 16 einmal einen Sommer lang gejobbt hat, sei dieser Ort etwas ganz Besonderes. "Das ist der beste Bücherladen Deutschlands", schwärmt Emily Atef. Nirgendwo sonst finde man eine so exklusive Auswahl an Literatur zu Mode, Design, Film und anderen Künsten. "Die machen einen tollen Job!" Schon die Bücher zu riechen, bedeute ihr so viel. Es sei aber auch nicht ganz ungefährlich die Bögen unter der S-Bahn zu betreten, weil man immer etwas kaufen möchte, warnt sie.

Arkona Platz. Mit dem Wochenmarkt auf dem Platz in Prenzlauer Berg beginne freitags für sie das Wochenende. Dort gebe es Steckerlfisch und für ihre Tochter Waffeln. Da der Markt nicht so groß ist, sei hier alles ganz wunderbar entspannt. "Ein wundervoller Start ins Wochenende!"

Weinerei. Die Weinhandlung auf der Veteranenstraße habe das "tollste Weinsortiment". In den Regalen stünden vornehmlich die Weine ganz kleiner Winzer und man werde wahnsinnig gut beraten. Außerdem seien die Weine auch nicht so überteuert. "Ein sehr angenehmer Ort, an dem man am liebsten gleich sitzen bleiben möchte."

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