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Berliner Lieblingsortevon Aromensucher Theo Ligthart

Dienstag, 29. Mai 2018
Berliner Lieblingsorte von Künstler Theo Lighthart
Die Orte im Überblick
Karte (10)

Durch unsere Portraits über Europas größtes Craft Spirits Festival Destille Berlin und das daraus hervorgegangenen Freimeisterkollektiv – einem Zusammenschluss unabhängiger Kleinbrenner und führender Bartender – war ich auf den heutigen Veranstalter und idealistischen Unternehmer Theo Ligthart aufmerksam geworden.

Vor zwei Wochen habe ich ihn zum Interview getroffen und einen völlig anderen Menschen kennen gelernt, als ich erwartet hatte. Denn Theo Ligthart ist nicht etwa von Hause aus Brenner oder Bartender, sondern bildender Künstler. Lediglich über die künstlerische Annährung für eines seiner Kunstprojekte ist er in die Welt hochwertiger Spirituosen gelangt.

2008 brachte der in den Niederlanden geborene und ab seinem zehnten Lebensjahr in Wien aufgewachsene Ligthart einen Korn auf den Markt, den er unter dem Namen "Das Korn" zugleich als künstlerisch aufgeladene Marke für den Handel als auch als Marke innerhalb des Kunstmarktes platzierte.

In Anbetracht des damals völlig überhitzen Kunstmarkts wollte Ligthart damit den kommerziellen Aspekt von Kunst demonstrieren. Schon zuvor hatten viele seiner Projekte, die er vornehmlich in der renommierten Galerie Thomas Schulte zeigte, mit Kunst und Ökonomie zu tun gehabt. Diese Aktion wurde jedoch zu seiner bislang erfolgreichsten.

Den Inbegriff einer Billigspirituose hochwertig produzieren zu lassen und ihm obendrein eine luxuriöse Werbekampagne, ähnlich der für Parfums, zu verpassen, kam an. Und so wurde das Projekt zunächst bei Schulte, später sogar international, beispielsweise auf der The Armory Show in New York, präsentiert.

Auch im Handel erwies sich "Das Korn" überaschenderweise als großer Erfolg. Und spätestens als die edlen Flaschen in den Regalen der Galeria Kaufhof angekommen waren, war der Grundgedanke des vermeintlichen Kunstprojekts "Von der Galerie ins Kaufhaus" tatsächlich aufgegangen. Noch heute ist Ligtharts Korn als exklusive Spirituose auch im KaDeWe zu finden.

Einen künstlerischen Blick hatte Theo Ligthart schon immer. Bereits während seiner Schulzeit hatte er viel fotografiert und dem Schulabschluss zunächst eine Ausbildung zum Kameramann folgen lassen. Er filmte an internationalen Drehorten von Polen über die Schweiz bis in die USA und kam viel herum.

Mit Mitte zwanzig begann er mit ersten Experimetalfilmen, studierte nebenbei Philosophie in Wien und finanzierte sich das Studium mit Werbefilmen. Zunehmend widmete er sich zeitgleich der Medienkunst. Bald schon wurden seine Filme in Galerien und Ausstellungshallen wie der Kunsthalle Wien oder Luzern gezeigt.

Als er Ende der 90er Jahre sein Studium beendet hatte, ging er nach Berlin. "Ich hatte die Schnauze voll von Wien!" erinnert er sich. Schon vor seinem Umzug war er viel hier gewesen und hatte die Stadt stets als sehr spannend empfunden. Bis heute hat er seinen Umzug nie bereut. Hier angekommen begann er, ausschließlich als bildender Künstler zu arbeiten. Thomas Schulte zeigte regelmäßig seine Arbeiten.

Durch das Korn-Projekt geriet Theo Ligthart jedoch immer tiefer in die Spirituosen-Szene. Dabei sei er noch nicht einmal ein großer Trinker. Er entwickelte einen weiteren Korn mit dem Namen "Steinreich", benannt nach dem Ort in dem er aus bestem Weizen von umliegenden Feldern gebrannt wird.

Aus zunehmender Begeisterung heraus, organisierte er 2012 die erste Destille Berlin und schuf damit eine Plattform für kleine Produzenten außergewöhnlich guter Spirituosen. Ganz klein ging es damals in der Markthalle Neun los. Heute ist die Messe die größte ihrer Art in Europa. Schon seit dem zweiten Jahr stemmt er sie gemeinsam mit Thomas Kochan.

Um hochwertigen Spirituosen kleiner Brenner einen angemessenen Auftritt zu ermöglichen und zugleich deren Vermarktung zu erleichtern, gründete Theo Ligthart vor einiger Zeit auch noch das Freimeisterkollektiv. Gemeinsam mit Manfred Ritter, dem ehemaligen Geschäftsführer des Versandhandels Manufaktum.

Gerade entwickle man in enger Zusammenarbeit mit den Freimeistern einen Mezcal, der in Mexiko produziert werden wird. Die angebotenen Brände bezeichnet Ligthart dabei mehr als "Aromen", für die der Alkohol lediglich als Trägermaterial dient. Es gebe aber auch schon erste nicht alkoholische "Shrubs", essiggesäuerte Fruchtsirups, zum Mixen.

Vor anderthalb Jahren präsentierte seine Wiener Galerie unter der Überschrift "Restposten Berlin" seine vorerst letzte Ausstellung. Seither widmet sich Theo Ligthart voll und ganz dem Thema Spirituosen. Der Großvater wäre vermutlich begeistert, denn der setzte schon vor hundert Jahren seine eigenen Liköre an.

Wo sich der Wahlberliner zwischen seinem Zuhause am Ludwig-Kirch-Platz und seinem Büro auf dem Holzmarkt-Gelände am liebsten aufhält, hat er uns natürlich auch verraten. Mit dabei einige echte kulinarische Geheimtipps...

Tipp. Zu den Details der einzelnen Orte gelangen Sie über das Anklicken der orange markierten Namen!

La Bolognina. Der winzige Italiener in Neukölln habe gerade mal zwölf Sitzplätze, erzählt Theo Ligthart. Täglich gebe es zwei hervorragende Pastagerichte und immer auch einige Antipasti. Die Küche sei winzig, aber die Nudeln würden dennoch täglich frisch von Hand gemacht. Der Besitzer Luca kam einst als DJ nach Berlin, weshalb sein Restaurant auch eine Art Sammelbecken für Kreative jedweder Couleur aus Italien sei.

Tempelhofer Feld. "Einfach ein herausragender Ort!" schwärmt er. Eine Zeitlang habe er in unmittelbarer Nähe gewohnt und das einzigartige Areal fehle ihm noch immer. Vor allem zum Joggen sei er regelmäßig dort gewesen.

Gleisdreieck. An dem weitläufigen Gelände gefalle ihm das Gesamtkonzept. Das Zusammenspiel von idyllischen Schrebergärten und dem Blick auf den Potsdamer Platz oder die "furchtbaren Townhouses". Alles was man in Berlin liebe und hasse finde man hier vereint. "Eine Art transformierte Kiezromantik." Auch die moderne Interpretation eines Biergartens, das Brlo, gefalle ihm dabei sehr.

Herz & Niere. Das klassische "Nose to Tail"-Restaurant habe er erst kürzlich zum ersten Mal besucht und sei sehr begeistert gewesen. Auch vom herzlichen Service. "Das war ein sehr befriedigender Abend", schwärmt Ligthart. Alle seien sehr glücklich nach Hause gegangen. "Ein rundherum gelungener Abend!"

Speisewirtschaft Kumpel & Keule. Noch ein Ort, der sehr bewusst mit Fleisch umgehe. "Down to earth und trotzdem kreativ" werde hier gekocht. Eine tolle Mischung aus hervorragendem Essen und entspanntem Service. Obendrein seien alle Gerichte sehr schön angerichtet. Essen müsse heutzutage ja auch "instagramable" sein, merkt er ironisch an.

Shaniu's House of Noodles. Der unscheinbare Chinese in der Pariser Straße in Wilmersdorf werde von einem chinesischen Ehepaar betrieben. Sie stamme aus einer koreanischen Minderheit in China, weshalb die Küche oft koreanisch angehaucht sei. Als besonderes Highlight öffne die Dame des Hauses samstags und sonntags nebenan ein Frühstückscafé. Dort gebe es dann authentische chinesische Frühstücksspezialitäten wie Schweinerippchen, Eisoufflée, Dumplings oder Dampfnudeln.

Piccola Taormina. Die Pizzeria unweit des Kurfürstendamms sehe noch immer aus, wie in den 80er Jahren. Die Fototapete stamme mindestens aus der Zeit. Aber auch sonst habe sich dort in den letzten Jahrzehnten nichts verändert. Die Pizza werde noch immer am Tresen bestellt und durch ein in die Jahre gekommenes Mikro ausgerufen, wenn sie fertig ist. Der Fernseher läuft immer und auch die Leute seien noch dieselben, wie eh und je. – "Allerdings bin ich noch nie nüchtern dort gewesen!" betont Theo Ligthart lachend.

Wagemut. Der Inhaber dieser brandneuen Bar in der Bergmannstraße interessiere sich seit seiner Jugend für außergewöhnliche Brände und sei ein echt "besessener Spirituosen-Freak". Wie in einem Museum präsentiere Nicolas Kröger dort seine Sammlung – inklusive zahlreicher Raritäten! – und schenke diese natürlich auch aus.

Rhododendronhain im Tiergarten. Wie eine riesige Walze liege das Areal mit den Rhododendren mitten im Tiergarten. "Kleine Wege führen in den Bauch der Walze", beschreibt Ligthart den Hain genauer. "Ein beeindruckender Ort!"

Neue Staatsbibliothek. Ein Ort, an dem er zwar lange nicht mehr war, den er aber nach wie vor "grandios" finde. Er habe dort früher viel vorbereitende Recherche für seine Kunstprojekte betrieben. Auch zum Thema Spirituosen. "Ein tolles Gebäude mit einer wunderbaren Atmosphäre!" schwärmt er.

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