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Casual Dining im Frauenknast Sophia Rudolph kocht wieder – im neuen Lovis

Montag, 21. März 2022
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Adresse

Lovis
Kantstraße 79,
10627
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Kontakt


.lovisrestaurant.com
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Anfangs war es schlichtweg Freude. Darüber, dass in der wenn auch kongenialen Männerwelt endlich mal wieder eine Frau eine Poleposition am Herd übernommen hat. An einem coolen Ort, im damals neueröffneten Panama in einem wunderschön restaurierten an der gastronomisch aufblühenden Potsdamer Straße. Mit einer sehr coolen Sophia Rudolph.

Das war vor sechs Jahren. Inzwischen hat sie das Casual-Dining-Restaurant in einer besonnenen „Ich bin dann mal weg“-Manier verlassen. Um jetzt endlich wieder da zu sein. An einem noch spannenderen Ort, im Lovis in einem ehemaligen Frauengefängnis, erbaut Ende des 19. Jahrhunderts.

Wieder ein Hof, vielmehr zwei Höfe. Üppiges Grün, Backsteinmauern, ein märchenhaft verwunschener Ort, den man nicht ansatzweise erahnt, wenn man die erste Pforte an der vielbefahrenen Charlottenburger Kantstraße öffnet. Ein zweites Tor, man muss klingeln und eben dann betritt man diese Oase inmitten der Großstadt. Noch eine Tür, die zu einem weiteren Hof führt. Der als solcher jedoch nicht mehr zu erkennen ist, wurde er doch überdacht.

Lovis Sophia Rudolph I Foto Robert Rieger
Lovis I Melanie Greim (3)
Wilmina I Foto Robert Rieger  (1)
Lovis I Melanie Greim (2)
Wilmina I Foto Robert Rieger
Wilmina I Foto Robert Rieger  (2)
Lovis Restaurant I Wilemina (2)
Lovis I Ava

Die einstigen Außenmauern sind nun die Innenwände des hohen Gastraums. Bodentiefe Fenster geben den Blick auf wuchernde Grünpflanzen frei. Zahllose Bocci-Leuchten hängen von der Decke herab. Quasi ein Sternenhimmel, der sich im Fenster spiegelt und für eine Dämmerungsstimmung sorgt. Ansonsten ein Architektur-Minimalismus, der zur Produkt-fokussierten Casual-Dining-Küche von Sophia Rudolph passt.

Die Berlinerin, die zeitweilig in Frankreich aufgewachsen ist, das Paul-Bocuse-Institut in Lyon besucht hat und viereinhalb Jahre Sous-Chefin von Marco Müller in der Weinbar Rutz war, bietet, neben A-la-Carte-Gerichten ein vier- beziehungsweise sechsgängiges Menü an, selbstverständlich auch als vegetarisches Gaumenerlebnis, mit oder ohne Weinbegleitung.

Als Amuse-Bouche ein niedliches Tartelette mit Rotkrautsalat und Blauschimmelkäse sowie Mango, Chili und Knoblauch als dezent paniertes Kügelchen. Den Schimmelkäse bindet sie auch ins Menü ein, als Begleiter eines Bunte-Bete-Carpaccios mit Haselnuss. Zumindest ins bisherige, denn sie startet mit einem neuen Menü in den Frühling.

Wir bekommen an diesem Abend einen Auszug aus der neuen Karte und der liefert einen ebenfalls Käse liebenden Favoriten. Eine mit Gruyère-Schaum gefüllte halbe Roscoff-Zwiebel, die wie eine Insel in einer geschmeidigen Beurre Blanc liegt. Die Zwiebel süß, der Schaum als Gegenpart kräftig, ein gelungenes Aromenspiel.

Dazu ein Morillon vom Opok 2018, ein nach Apfel duftender Chardonnay vom Weingut Werlitsch in der Steiermark. Übrigens ein Naturwein, nicht weil gerade im Trend, sondern weil dieser biodynamische Wein einfach eine sehr stimmige Wahl zu dieser Vorspeise ist.

Ein rubinroter Barbera d’Alba Trevigne 2019 vom Weingut Vietti aus dem Piemont begleitet das geschmorte Onglet, auch bekannt als Nierenzapfen. Dieses Stück Rind aus dem Stützmuskel des Zwerchfells ist ein Cut für Kenner, hier und da in Berlin mag man es schon gegessen haben.

Rosa geschmort muss man dennoch mehr kauen als bei einem Filet. Das macht den Reiz aus, ist aber nicht jedermanns Sache. Dazu ein Klecks Topimambur-Püree und mini-gewürfelter grüner Apfel, irgendwie klassisch und für uns ein Teller, der nicht so recht ins Frühjahr passt.

Anders als das Finale: wunderbar cremiges und intensives Blaubeereis, Pekanuss, Ahornsirup und Speckchips. Letztere könnte man auch gut als Amouse Bouche vorziehen, sind sie doch Ausdruck der Weiterentwicklung von Desserts als nicht nur süßer Abschluss.

Das Lovis ist ein Ort, an dem man den Sommer nicht erwarten kann. Denn es gibt eine wunderbare, meditativ ruhige Terrasse, ein Secret Place, die mit zu den schönsten der Stadt zählen wird. Und die man auch morgens – wenn auch das Frühstück anderswo serviert wird – genießen kann. Denn das Restaurant ist Teil des über zehn Jahre von einem Architekten-Ehepaar umgebauten und in ein Hotel umgewandelten Frauenknastes. Warum also dort nicht gleich in einem der 44 Zimmer des Wilminas übernachten? Aus reiner Freude über diesen neuen wunderbaren Ort.

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