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Alicja Kwade, Ferdinand Hodler & Igor Vidor Zeit der Herbsttagundnachtgleiche in der Berlinischen Galerie

Mittwoch, 22. September 2021
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Karte

Öffnungszeiten

Mittwoch bis Montag 10-18 Uhr
Dienstag geschlossen

Adresse

Berlinische Galerie
Alte Jakobstraße 124-128
10969 Berlin
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Kontakt


+49 30 789 026 00
.berlinischegalerie.de

Der Sommer ist vorbei, die Tage werden kürzer, die Nächte länger, das Jahr 2021 neigt sich langsam seinem Ende zu. Es ist die Zeit der Herbsttagundnachtgleiche, eine Zeit des Übergangs, aber auch der Reflektion in Bezug auf die “Ernte“, die wir eingebracht haben. Physisch und psychisch gleichermaßen.

Nähere Details zu den einzelnen Orten finden Sie über das Anklicken der orange markierten Namen!

Alicja-Kwade_Principium_2020_Berlinische-Galerie

Alicja Kwade – In Abwesenheit

Der Übergang zur Frage, wie sich ein Mensch und seine physische Präsenz im Raum beschreiben lässt, fügt sich sehr stimmig in diese Zeit und Atmosphäre und steht im Mittelpunkt von Alicja Kwade‘s aktuellen Ausstellung “In Abwesenheit“ in der Berlinischen Galerie. Spannend und nah oder unnahbar – dies liegt wie immer in der Wahrnehmung des Betrachters – ist dabei, dass sich die gezeigten Arbeiten um Kwade selbst drehen, ja als Selbstportraits betrachtet werden können. Besonders fesselnd: ihre massiven, grün-bronze schimmernden geschwungenen DNA-Strukturen und die Skulptureninstallation “Clout-Count“ die an ein frei liegendes Herz erinnert, dessen Adern sich in Form von Kabeln von der Decke herab durch den Raum ergießen, wobei die vermeintliche Profanität des Materials Offenheit, geordnetes Chaos und Verletzlichkeit kommunizieren.

Igor-Vidor_Praga-Film-Still_2018_Berlinische-Galerie

Death made in Germany, Igor Vidor im IBB-Videoraum

Kontext ist wichtig, wenn es um das Schaffen des brasilianischen Künstlers Igor Vidor geht, der noch bis zum 4. Oktober mit drei Videoarbeiten im IBB-Videoraum der Berlinischen Galerie zu sehen ist. Vor allem seine neueste Arbeit “A Praga (Die Plage)“ ist dabei besonders relevant und beklemmend. Auf den ersten Blick gibt es keinerlei Bezug oder Verbindung zu einem schwerbewaffneten Polizeieinsatz in einer Favela in Rio de Janeiro und Aufnahmen aus Oberndorf am Neckar in Baden-Württemberg, die der Künstler bei einem Besuch selbst aufgenommen hat.

Denn die wenigsten wissen, dass Oberndorf der Sitz der Waffenfirma Heckler & Koch ist und damit im direkten und fatalen Zusammenhang steht mit dem für uns unmöglich nachvollziehbaren Leid, den diese Waffen Tag für Tag systematisch vor allem in marginalisierten Bevölkerungs-Gruppen anrichten. Die Kleinstadt und ihre dort ansässige Waffenindustrie exportiert durch deutsche Waffen seit über hundert Jahren Gewalt ins Ausland.

Vidor analysiert den Einfluss und die Verantwortung der USA sowie europäischer Länder an der Verbreitung von Gewalt in Brasilien und Lateinamerika durch die Produktion und den Handel dieser Waffen. Der Film ist auch virtuell abrufbar!

Ferdinand-Hodler_Nacht_1889-1890_Berlinische-Galerie (1)

Ferdinand Hodler, Aufbruch in die Moderne

Wir beenden unseren Besuch mit der im September angelaufenen Ausstellung des Schweizer Malers Ferdinand Hodler, dessen Portraits, Landschafen und Figurenbilder zurecht zu den Ikonen der Moderne zählen und ihm bis heute posthum ununterbrochene, internationaleAnerkennung beschert. Der Anfang seines Weges lag tatsächlich in Berlin, da er von 1898 bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs quasi jährlich hier ausstellte.

„Die Ausstellung 'Ferdinand Hodler und die Berliner Moderne' zeigt rund 50 Gemälde des Künstlers. Zeitgenoss:innen sahen in Hodler vor allem den „Menschendarsteller, der durch den Körper die Seele zu gestalten weiß“, so der Künstler Paul Klee 1911. Hodler setzte mit seiner Kunst auf Vereinfachung und Größe. Die zeitlos eleganten Haltungen und zarten Gesichter seiner Tänzerinnen und Jünglinge fesseln bis heute. Sie wirken archaisch, oft ernst und doch auch beseelt, voller Leichtigkeit und Leben. Hodler schöpfte für seine Kunst aus der Natur, als deren Teil er den Menschen verstand. Die Luft, die seine Figuren atmen und seine Berge umweht, ist kalt und klar. Der Künstler, schrieb Hodler selbst in einem seiner Texte, „zeigt uns eine vergrößerte, eine vereinfachte Natur, befreit von allen Details“.

Mit diesem Zitat und in Gedanken an Alicja Kwades freistehende DNA-Skulpturen schließt sich unser Ausstellungs-Kreis in der Berlinischen Galerie und wir streben hinaus in den Wirbel und das frühherbstliche Grau Berlins.

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