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Winterschlaf von Mario Petuzzis

Montag, 19. Oktober 2026
Advertorial
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Am 10. November 2026 wird Mario Petuzzi seinen Roman in der Buchhandlung Knesebeck Elf vorstellen!

Winterschlaf
von Mario Petuzzis
Diogenes
...
25 €

Eingeweihte flüstern sich seit einigen Wochen von einer Besonderheit zu; vom Winterschlaf-Fieber Angesteckte suchen ihr Leseerlebnis zu teilen, weiterzutragen, zu missionieren; einzig die selbsternannten Experten geben sich ignorant und wissen gar nicht, welche literarische Exzellenz sie ungesehen liegen lassen.

Hier hat ein Debütant einen Roman geschrieben, den man schon gar nicht mehr für möglich gehalten hat in unserer rationalen Gegenwart. Einen Roman ohne pädagogischen Nutzen, ohne Belehrungseifer und auch ohne fingerabspreizenden Ästhetizismus – und dennoch formvollendet schön, die Freude an mystischen Unbestimmtheiten feiernd.

Wem es noch eines Beweises bedurfte, dass Literatur leuchten kann, dass uns Vorstellungskraft noch zu bewegen vermag, der lese und staune über dieses sinnliche, kraftvolle Buch!

Nach einem langen und langweiligen Winter in einem abgelegenen Alpental erlaubt der Apo endlich, dass die Zwillinge ihre Mutter wecken gehen, die im Keller den titelgebenden Winterschlaf hält. Petuzzi hält sich an der Erklärung dieser naturgemäß irrationalen Tatsache nicht lange auf (er überhöht sie dankenswerterweise auch nicht zu einer dystopisch-politischen Parabel), sondern setzt diesen Winterschlaf nunmehr als Selbstverständlichkeit, die in der Wirklichkeit dieser Welt eben zu akzeptieren ist:

"Erst im Frühling dürfen wir in den Keller. Unsere Schritte schmatzen über den Boden. Wir waten durch Plastik und Essensreste, an denen Schimmel nagt. Der Gestank kratzt in unseren Kehlen. Fruchtfliegen stieben hoch, verdickt zu einem faustgroßen Schwarm, den wir mit den Lampen aufscheuchen und wieder verjagen. Wir halten uns die Hände vor den Mund, schlucken gegen den Brechreiz an. Im Halblicht machen wir das Bett aus, tasten uns am Laken entlang und versuchen, auf dem müllübersäten Untergrund das Gleichgewicht zu halten.
Inmitten des Abfalls schläft unsere Mutter. Um ihr Bett stehen Kerzen wie Gitterstäbe."

Sind auch Sie mitten drin in diesem Keller, spüren auch sie die Beklemmung, die stehende Luft, die zwischen Sehnsucht und Abscheu changierende Atmosphäre nach der Mutter?

Petuzzis Sprache hat Bild, hat Melodie und stets das richtige Tempo. Er besitzt die seltene Fähigkeit, mit wenigen treffenden Worten zu beschreiben, uns eine Szene in all ihren Nuancen zu vermitteln. Sein Erzählen ist aufmerksam der Welt und den Figuren gegenüber, er ist im richtigen Moment verspielt und dann wiederum auch ernsthaft und manchmal gar bitter.

Die Geschichte ist schwebend ausbalanciert zwischen einer Vielzahl an Bedeutungsebenen und Leitmotiven, sie biegt nie in die Richtung einer Eindeutigkeit ein, das gilt es uns beim lesen zu genießen. Von der Handlung hier mehr zu verraten, würde zu vielen wunderbaren Einfällen Petuzzis vorweggreifen. Erinnern wir nochmal an das Flüstern der Eingeweihten: "Hier, lies das, unbedingt" - und vertrauen ihnen.

Was im Vergleich zur engagierten Gegenwartsliteratur als wundersamer, unzeitgemäßer Ton erscheinen mag, den man wirklich heute sonst nirgends zu lesen bekommt, wird im Kontext von literarischen Verwandten wie Agota Kristof, Tarjei Vesaas oder Anton Čechov zu literarischer Souveränität. Mario Petuzzis Winterschlaf hält den Vergleichen mit literarischen Klassikern stand. Wer sich diesen Text entgehen lässt, ist selbst schuld.

Hinweis: Am 10. November 2026 wird Mario Petuzzi seinen Roman in der Buchhandlung Knesebeck Elf vorstellen!

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