Mittwoch bis Samstag 19-0 Uhr
Coda
Friedelstraße 47
12047 Berlin-Neukölln
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Das Coda in der Friedelstraße in Neukölln wurde vom mehrfach ausgezeichneten Sternekoch René Frank und seinem Geschäftspartner Oliver Bischoff einst als Dessertbar eröffnet. Zehn Jahre ist das her. An Sternegastronomie haben damals beide nicht gedacht. Der hatte Frank gerade den Rücken gekehrt und wollte mit seiner langjährigen Erfahrung als Chefpatissier eines 3-Sterne-Restaurants etwas Neues probieren. Heute ist aus der Bar ein Restaurant mit zwei Michelin-Sternen geworden, das zu den besten Fine-Dining-Adressen der Welt zählt.
Das Coda ist schwer in Worte zu fassen. Es ist ein Restaurant. Wie bereits erwähnt mit zwei Michelin-Sternen. Die Teller sind perfekt. Das Team arbeitet auf allerhöchstem Niveau. Die Atmosphäre könnte nicht schöner sein. Und doch ist dieser Ort so viel mehr. Und zugleich weniger. Weniger von allem, was stört. – Ruhe. Ruhe ist vielleicht das Wort, das unsere Erinnerung an diesen Abend am besten zusammenfasst. Trotz offener Küche. Trotz der vielen Servicekräfte. Und obwohl das Restaurant nicht groß ist. Gespräche bleiben am Tisch. Niemand wird hektisch.
Das Interieur könnte nicht zeitgemäßer sein, obgleich es bereits seit zehn Jahren nahezu unverändert geblieben ist. Die Farben, die natürlichen Materialien – alles strahlt im Coda Ruhe aus. Alles nimmt sich zurück. Jedes noch so kleine Detail ist durchdacht und wirkt in seiner Vollkommenheit doch ganz selbstverständlich und zurückgenommen. Zarte Leinenvorhänge halten alles Laute draußen. Es ist ein bisschen wie in einem Film von Wim Wenders – bedächtig, sinnlich, vollkommen. Die perfekte Bühne für die einzigartigen Menüs von René Frank und seinem Team.
13 Gänge hat das organisch wechselnde Menü. Dazu gibt es eine exklusive Weinbegleitung oder alternativ ein hervorragendes alkoholfreies Pairing, optional ein Zero Fligh. Die Küche nimmt die Inspiration aus der Patisserie, Süße jedoch spielt wenig bis gar keine Rolle. Stattdessen Schokolade, Salzigkeit, Umami und Käsegänge. Dezent gesüßt wird lediglich durch die Reduzierung von Obst und Gemüse. Die kleinen Snacks und die Gerichte des Menüs stehen alle für sich und bauen nicht aufeinander auf. Nichts im Coda lässt sich in eine Schublade stecken.
Jeder Gang ist überraschend, wahnsinnig ästhetisch und geschmacklich vollkommen. Vom „Gummibärchen“ aus gelber Bete, die durch Kochen in Weißweinessig und Traube und dem anschließenden Trocknen die typische gummiartige Konsistenz erhält über den „Beefcake“ aus Süßkartoffel und Mandelmehl, der an Stelle von Butter mit Knochenmark gebacken wird, bis zum luftig aus Reismehl gebackenen Brioche, gefüllt mit sechs Monate gereiftem Goudakäse und verfeinert mit einem Karamell aus Steckrübe, sind die ersten Gerichte alle ein Fest.
Wir begeistern uns in Folge für konfierte „Aubergine“ auf Pekanuss-Bisquit, getoppt mit Pekannuss-Eiscreme, Apfel-Balsamico-Gel, einer getrockneten und mit Pekanüssen gefüllten Auberginenscheibe, vollendet mit ein wenig gehobeltem Lakritzeis ebenso wie für die „Tomate“, die als Tomateneis auf einem Mandelcracker sowie konfierter und karamellisierter Tomate durch die hauchdünne Scheibe einer mallorquinischen Paprikawurst und Macadamiamilch zu einem der vielen Highlights wird.
Kreativ der „Kopfsalat“, der in Ahornsirup kandiert und zu hauchzarten, filigranen Schälchen dehydriert wird, um anschließend mit einem Klecks Kopfsalat-Frischkäse und einem Puder von der Salzgurke gefüllt zu werden. Unwiderstehlich die luftig aus Maismehl gebackene Waffel, gefüllt mit Schweizer Raclettekäse, die mit einem Klecks Kombujoghurt und geriebenem Popcorn serviert wird.
Ein genialer Signature Dish ist auch der „Kaviar Popsicle“ mit einem Kern aus Pekanuss-Ganach am Holzstiel, umhüllt von Topinambur-Vanille-Eiscreme, Schokolade und 12 g Kaviar, der abschließend mit Pekanuss-Schokolade besprüht wurde. Die knusprig gebackene Dulsealge kommt auf einem Biskuit mit Zwetschgen und karamellisierten Walnüssen, bestrichen mit Miso-Buttercreme und knusprigen Zwetschgenchips.
Der „Gegrillte Apfel“ mit knuspriger Hühnerhaut auf Schalotteneis aus fermentiertem Hafer wird mit Schalottencrunch perfektioniert. Die „Deichkäsetarte“ entpuppt sich als Erdnusstarte, gefüllt mit Käse auf confierter Feige und getoppt mit italienischer Olive. Dazu gibt es noch am Tisch eine Nocke Erdnussmus, abgeschmeckt mit Miso und Knochenmark. So lange es auch weitergeht, jeder Gang ist ein Ereignis ohne nachlassende Faszination.
Mit „Karotte und Grün“ nähern wir uns langsam dem Ende. Die geeiste Karottenkuppe, gefüllt mit geschäumtem Joghurt, Ingwer-Fingerlimetten-Confit und gerösteter Haselnuss ist mit einer Karottenreduktion und einer gehobelten Schokolade vom grünen Teil der Karotte veredelt. Der Wagyufudge – ein Weichkaramell umhüllt von Quarkschokolade, für das Wagyu-Fett statt Butter verwendet wurde – wird auf Birkenholz geräuchert und gemeinsam mit gefüllten Chocolate-Sticks aus aufwendig selbst hergestellter Schokolade als obligatorische Pralinen serviert.
So gut all das klingen mag, geschmacklich ist es doch nicht vorstellbar. Unmöglich auch noch das alkoholfreie Pairing zu beschreiben. Nur so viel: Es ist ebenso fantastisch wie das Menü selbst. Überhaupt hat uns das Coda in jeder nur erdenklichen Form begeistert. Es ist professionell und doch persönlich. Perfekt und zugleich unangestrengt. Ruhig und dennoch sensationell. Einfach pure Begeisterung!