Montag bis Samstag 18-2 Uhr
Diener Tattersall
Grolmanstraße 47
10623 Berlin-Charlottenburg
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info(at)diener-berlin.de
+49 30 8815329
www.diener-berlin.de
Wer in Berlin ein Stück West-Berliner Geschichte erleben möchte, kommt am Diener Tattersall nicht vorbei. Das traditionsreiche Lokal in der Grolmannstraße in Charlottenburg ist seit Jahrzehnten eine feste Institution – und eine der wenigen Künstlerkneipen, die sich ihre unverfälschte Authentizität bis heute bewahrt haben. Dunkle Holztische, schlichte Stühle und rund 500 Fotografien bekannter Persönlichkeiten prägen das Ambiente. Auf der Karte finden sich klassische Berliner Gerichte wie Bouletten, Strammer Max oder Matjesfilet mit Bratkartoffeln.
Seinen Ursprung hat der Name „Tattersall“ im 18. Jahrhundert in England, wo Richard Tattersall eine berühmte Reitschule gründete. In Berlin bezeichnete man ab 1893 ebenfalls einen Reitstall mit Gesellschaftsräumen so. Genau an dieser Stelle, zwischen Uhland- und Grolmannstraße, befand sich einst ein solcher Stall. Der alte Speiseaufzug ist bis heute erhalten – ein stilles Zeugnis einer anderen Zeit. Später zog das Casino in den oberen Stockwerken sogar Kaiser Wilhelm II. an, der hier gelegentlich pausierte.
Als Franz Diener – charmant, herzlich und selbst eine kleine Berühmtheit – das Lokal nach dem Krieg übernahm, verwandelte er es rasch in einen Treffpunkt für Kunstschaffende und Intellektuelle. Seine hausgemachte Leberwurst und sein offenes Wesen machten die „Diener“-Abende legendär. Romy Schneider, Hans Albers oder Harald Juhnke zählten ebenso zu den Gästen wie später Billy Wilder, Helmut Newton oder Rainer Werner Fassbinder.
Bis heute hat sich die Atmosphäre kaum verändert. Die Holzvertäfelungen knarzen, die Bilder an den Wänden erzählen Geschichten, und die Stimmung ist entspannt, ungekünstelt und herzlich. Auch kulinarisch bleibt das Diener Tattersall seinen Wurzeln treu: Königsberger Klopse, Bauernsülze mit Bratkartoffeln, Rinderrouladen oder das berühmte Buletten-Paar – alles hausgemacht, ehrlich, ohne Chichi. Dazu gibt es frisch gezapftes Bier.
So ist das Diener Tattersall kein nostalgisches Relikt, sondern ein Ort, der Vergangenheit und Gegenwart mühelos verbindet. Wer hier einkehrt, erlebt nicht nur eine Mahlzeit, sondern ein Stück Berliner Geschichte – kulinarisch wie kulturell.