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Collagen der Gesellschaft Unter den Linden Deutsche Staatsoper und der PalaisPopulaire

Dienstag, 18. Januar 2022
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Die Orte im Überblick

Karte (1)

Adresse

Staatsoper unter den Linden
Unter den Linden 7
10117 Berlin-Mitte
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Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber jede zwischenmenschliche Begegnung in Kombination mit Kunst und Kultur hat für mich in den letzten zwei Jahren nicht nur in der unmittelbaren Wirkung auf mich zugenommen. Auch die ganz bewusste Wahrnehmung, mit anderen Menschen gleichzeitig in einem Raum zu sein, hat eine andere Relevanz bekommen.

Wir freuen uns über gemeinsames Erleben! Während ich früher so schnell wie möglich von A nach B “musste“, überlege ich heute, was ich noch alles drum herum mit einbauen kann. Wenn schon Kunst und Kultur, dann bitte gleich mit extra cherry on the pie!

So neulich geschehen beim Spaziergang Unter den Linden. Durch die Pandemie ist die Wiedereröffnung der Deutschen Staatsoper etwas untergegangen und wer sich heute das Programm ansieht, wird einiges finden, das in die nächste Saison verschoben oder Pandemiebedingt ganz abgesagt wurde. Nichtsdestotrotz gibt es nach wie vor genügend Auswahl für alle – generationsübergreifend.

Wie wäre es zum Beispiel mit Tosca in der Familienausstellung als ersten Opernbesuch für den Nachwuchs (Puccini geht eigentlich immer!)? Oder der “Workshop 60+ – die Sache Makropulos“ für die reiferen Semester, in dem sich erfahrene Opernfans und mutige Operneinsteiger:innen an mehreren Terminen mit einem Stück und der jeweiligen Inszenierung intensiv auseinandersetzen.

Spielfreude und lebhafte Auseinandersetzungen ausdrücklich erwünscht? Man sieht, es lohnt sich immer wieder mal in die Spielpläne zu gucken, denn wie heißt es so schön: #Kulturfindetstatt!

Nähere Details zu den einzelnen Orten finden Sie über das Anklicken der orange markierten Namen!

Maxwell Alexandre, Forbes Under 30, (08), 2020

PalaisPopulaire

Ein Besuch gleich nebenan lohnt sich im PalaisPopulaire eigentlich immer (ein Interview mit der Kuratorin finden Sie hier >> ). Zurzeit aber gleich aus drei Gründen, denn das hausinterne „Künstler des Jahres“-Programm jährt sich zum zehnten Mal. Um dieses Jubiläum zu feiern, werden noch bis Mitte März bei freiem Eintritt drei sehr unterschiedliche, junge, zeitgenössische Künstler:innen und deren spannende Positionen in den großzügigen Räumen präsentiert und damit ausgezeichnet.

Was die drei Künstler:innen abhebt ist eine Gemeinsamkeit, die vor allem in diesem privat-institutionellen Rahmen erfrischend ist: sie alle sind über ungewöhnliche Wege zur zeitgenössischen Kunst gekommen und bringen dadurch sehr spezifische Lebenserfahrungen und kulturelle Einflüsse mit.

Das 17-teilige Werk „Forbes Under 30“ des brasilianischen Künstlers Maxwell Alexandre setzt sich mit brasilianischen Medienbildern auseinander. Alexandre wurde in Rocinha geboren, der größten Favela Rio de Janeiros, in der er bis heute lebt und arbeitet – parallel dazu wurde der Künstler im Jahr 2019 vom Forbes Magazin zu einem der 90 erfolgreichsten Brasilianer unter 30 eingestuft.

In seinen Gemälden und Installationen geht es meist um Gemeinschaft, Gewalt, HipHop und Spiritualität. Themen die sich vor dem Hintergrund seiner Lebensrealität durch eine für Europäer:innen nicht nachvollziehbare Brisanz und Relevanz abheben. In seiner „Forbes Under 30“-Reihe lässt Alexandre durch die verschiedenen Schattierungen der Protagonist:innen eine serielle Meditation über systemischen Rassismus der brasilianischen Elite und Klassen vor den Augen der Betrachter:innen entstehen. Lebensrealitäten, die bis heute die brasilianische Gesellschaft prägen und bestimmen.

Die Berliner Künstlerin Conny Maier hingegen ist die allererste deutsche Künstlerin, die die Auszeichnung „Artist of the year“ erhalten hat. Maier zieht ihre Inspiration von den Ideen und Geschichten, die sie auf ihren Reisen erlebt. Spontane Skizzen und Erzählungen von Begegnungen, die sich dann später auf ihren großformatigen Leinwänden neu zusammengefügt wiederfinden. Collagen der Gesellschaft eben. Maier selbst über ihren Prozess:

„Naive Malerei klingt falsch. Reduzierte Lackierung würde mehr passen. Reduzieren und auf den Kern der Sache kommen. Abseits der Realität... Bilden. Gestaltung. Verbinden.“

Im PalaisPopulaire weiß man vor allem die verschiedenen Einflüsse ihrer „figurativen, farbig leuchtenden Gemälde zu schätzen, greifen diese doch ganz unterschiedliche Einflüsse wie den Expressionismus der 'Brücke', Picasso und Gauguin oder die aktuellen Malereidiskurse seit der 'neuen Figuration' der 1980er Jahre auf.“

Palais Populaire | 
Unter den Linden 5 | 10117 Berlin-Mitte

Zhang Xu Zhan, Animal Story Series – A flowing piece of Shard

Zhang Xu Zhan

Bei Zhang Xu Zhan geht es um eine universelle „In-between“-Kunst und die Frage, was in sich in den Räumen abspielt, die zwischen Tradition, Kultur und Technologie liegen. Sein Interesse für Spiritualität, Folklore und Anthropologie wird durch seine Übertragung des traditionellen Kunsthandwerks seiner Familie in die globale Kunstwelt des 21. Jahrhunderts deutlich. Seit über einem Jahrhundert stellt diese traditionelle Papierfiguren (gefertigt aus Pappmaché) her, die in Taiwan bei religiösen Zeremonien und Bestattungsritualen verwendet und überaus kunstvoll verziert werden.

In seinen raumübergreifenden Installationen und Stop-Motion Filmen entführt uns Zhang Xu in das Reich der Naturgeister und Dämonen. Auch hier geht es unter anderem wieder um Gemeinschaft beziehungsweise die Suche danach. Und so kreiert der kulturelle und künstlerische Raum immer wieder neue Szenarien, in der wir uns all der Facetten unserer Menschlichkeit gewahr werden. Allein und in der Gemeinschaft. Das ist die besondere und transformative Kraft der Kunst.

Palais Populaire | 
Unter den Linden 5 | 10117 Berlin-Mitte

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