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Der Magier im Kreml von Giuliano da Empoli

Mittwoch, 22. März 2023
Advertorial
Der Magier im Kreml
von Giuliano da Empoli
C.H. Beck
.
25 €

Dieser Roman ist von beängstigender Aktualität. Aktuell, weil er den andauernden Ukrainekrieg bereits mitformuliert. Beängstigend, weil die Bedeutungstiefe des Konflikts aufscheint.

Giuliano da Empoli nimmt uns mit ins politische Herz Russlands, in den Kreml. Anhand eines fiktiven, einflussreichen Beraters von Wladimir Putin, der im Buch stets als „Zar“ angesprochen wird, schildert da Empoli die Genese und Funktionsweise des russischen Machtapparats.

Zugegeben, die Rahmenhandlung ist äußerst konventionell: Der Erzähler wird von dem ominösen ehemaligen Berater Wadim Baranow eingeladen, über dessen Verbleib seit seinem Ausscheiden aus dem Kreml nur noch Gerüchte kursieren. In einer langen Redenacht offenbart dieser Baranow dem Erzähler nun sein Wissen, er beichtet ohne Aussicht auf Absolution.

Der Roman besticht durch die Qualität der Inneneinsichten in den Moskauer Machtapparat. Durch den Blick Baranows können wir von Putins Machtergreifung bis hin zum Ukrainekrieg der Genese einer Ideologie beiwohnen. Wir werden Zeuge einer Macht, die sich an ihrer absoluten Ausübung berauscht, die grenzenlos wuchert und deren Spielregeln zunehmend einen einzigen Zweck kennen: Hauptsache der Zar glänzt.

„Der Magier im Kreml“ ist ein irgendwie paradoxes Buch. Einerseits zieht es uns aus dem drängenden Geschehen des Kriegs- und Konfliktalltags heraus. Andererseits aber bereichert der Roman eben jenes Geschehen, indem er einen Horizont anbietet, in den der Krieg einzuordnen ist. Das alles nicht als Mahnung oder gar Schuldzuweisung konzipiert, sondern als Verständnis der grundlegenden Differenzen was Freiheit, Bürgerlichkeit oder Staatlichkeit angeht.

Ein Buch das einen tiefen Schrecken auslöst, das aber umso wichtiger ist, weil es Licht in die Dunkelheit des Moskauer Machtzentrums wirft. Nils Minkmar beschrieb es kürzlich in der Süddeutschen Zeitung ganz treffend: Dieser Roman ist „nichts weniger als das entscheidende Puzzleteil, um unsere Gegenwart zu verstehen“. Diesem Lob ist nichts hinzuzufügen.

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