EnglishThis content is
not available in
english
Menü

Ein Bild und seine Geschichte von Thomas Struth

Dienstag, 10. März 2026
Advertorial

Gespräch mit Thomas Struth in der Knesebeck 11 am Mittwoch 25. März um 19 Uhr. Zur Anmeldung geht es am Ende des Textes!

Ein Bild und seine Geschichte
von Thomas Struth
Schirmer /Mosel Verlag
...
24,80 €

Ein weitverbreiteter Irrtum über Fotografie ist ja, dass ein Foto einen bestimmten Moment einfängt, einen Augenblick kürzer als ein Blinzeln. Der Fotograf Thomas Struth zeigt uns mit seinem Bild "Queen Elizabeth II und Prinz Philip, Duke of Edinburgh" wie viel zu kurz diese Momentauffassung des Fotografierens reicht. Sicherlich bezeugt diese Fotografie die Anwesenheit der Queen und Prinz Philips in einem bestimmten Augenblick in Windsor Castle. Doch darüber hinaus ist weit mehr Zeit zu sehen.

Zuallererst die Zeit in den Gesichtern, die man beim Betrachten quasi instinktiv abgleicht mit den zuvor unzählbar häufig gesehenen Porträts und Schnappschüssen. Weiterhin sehen wir eine Zeit, die unter Repräsentation und Status golden ornamentale Ausschmückung verstand. Über diesen das Paar umgebenden Raum als Stellvertreter sehen wir auch die Geschichte Großbritanniens und der Monarchie, als wäre dieser kleine Raum mit geöffneter Tür das kleinste Element in einem verschachtelten System von Macht und Herrschaft.

Hat man eine solche Empfindsamkeit für die sprechenden Details in diesem Bild einmal entwickelt, gerät die Betrachtung zu einem Synapsenfeuerwerk: Wie fein temperiert ist der grüne Samt von Mobiliar und Wänden mit der Kleidung des Paars; was eine Überraschung ist die Korrespondenz der Farbe des Teppichs mit der des Lippenstifts der Queen!; was für eine Einladung zur Reflektion ist das mit Hilfe von geöffneter Tür und Spiegel im Raum dargestellte Spiel von Offenheit und geschlossener Vertäfelung. Was für eine sublime eine Einladung zum Weiterdenken ist das, ob sich diese Dialektik des Raums auch in den Menschen niederschlägt. Thomas Struth erlaubt sich in diesem Kontext eine riskante Frage: Wer ist zu sehen, wer ist eigentlich zu sehen?

Diese Reihe des Verlags Schirmer/Mosel ist ein Geschenk des Schauens. Ein Bild und seine Geschichte versucht der inflationären Entwertung von Bildern entgegen zu wirken. Wenn es, wie in diesem Beispiel, der Fotograf selbst ist, der die Geschichte des Bildes erzählt, ist das mehr als ein Augenöffnen und eine Fokussierung auf Details, es ist ein tiefer Einblick in die Denk- und Arbeitsweise eines Bildkünstlers.

Struth gibt naheliegende Einblicke in Entstehungsbedingungen, Vorbereitungen, Fragen der Ausrüstung und Durchführung der Porträtsitzung. Aber er zeigt auch, wie weit seine Gedanken gehen bevor etwas ins Bild gesetzt wird, er thematisiert sein Verhältnis zu Großbritannien, zu Ruhm, zum Wesen des Porträts. Neben allen bildkünstlerischen Fähigkeiten zeigt Thomas Struth sich hier als eleganter Essayist.

Hinweis. Gespräch mit Thomas Struth in der Knesebeck 11 am Mittwoch 25. März um 19 Uhr. Zur Anmeldung geht es hier >>

Weitere interessante Artikel
Creme Guides
Karte
Reset Map