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Le Canard Hochgenuss auf das Wesentliche reduziert

Mittwoch, 19. August 2020
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Karte

Öffnungszeiten

Diens­tag bis Samstag 18.30-22 Uhr

Adresse

Le Canard
Elbchaussee 139
22763 Hamburg-Altona
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Kontakt


+49 40 88 12 95-31
www.lecanard-hamburg.de

Schon ein paar Wochen ist es her, dass wir das Le Canard besuchen durften und von den Veränderungen an der Elbchaussee erfuhren. Nun ist es offiziell: Sternekoch Norman Etzold hat das Gourmet-Restaurant verlassen. Nicht die einzige Veränderung, die Inhaber Meinhard von Gerkan und Restaurantleiter Henning Lütchens anstreben: man möchte sich auf das Wesentliche reduzieren, denn "Einfachheit ist kein Widerspruch zu Genuss und Exzellenz."

Wir stimmen zu – und freuen uns, von einem gelungenen Juli-Abend im Le Canard zu erzählen. Es beginnt bereits spektakulär, denn wenige Restaurants in Deutschland verfügen wohl über einen ikonischeren Zugang; der Nichts für Höhenangst-Geplagte ist. Eine Bootsbrücke führt zunächst erhaben in Richtung Elbe, bevor der Steg eine scharfe Kurve macht. Unweigerlich bleibt man stehen, um den grandiosen Ausblick auf Övelgönne, Köhlbrandbrücke und Hafenkräne tief in sich aufzunehmen.

Doch dazu haben wir später noch ausreichend Zeit. Zunächst einmal werden wir äußerst warm im Le Canard empfangen. Herzlich geht es hier zu, ohne es dabei an Professionalität mangeln zu lassen. Wir sitzen an der großen Fensterfront, denn leider ist es an diesem Abend zu kühl für die malerische Terrasse. Macht aber nichts, der Ausblick ist auch von drinnen atemberaubend.

Testaurant Le Canard Hamburg-3
Testaurant Le Canard Hamburg
Testaurant Le Canard Hamburg-4

Die halbrunde Form des Gebäudes spiegelt sich in den runden Formen wider, die den Gastraum dominieren. Auch dessen Ausstattung ist ein Statement bezüglich der Veränderungen an der Elbchaussee. Reduktion auf das Wesentliche – puristisch, zurückhalten, modern. Anfang März war die Freude über den Michelin-Stern noch groß, doch was folgte, wissen wir alle.

Auch das frischgebackene Sternerestaurant an der Elbe wurde von den Auswirkungen der Pandemie und dem Lockdown getroffen. Eine Entscheidung rein finanzieller Art sei es gewesen, dass Sternekoch Norman Etzold und Eigentümer Meinhard von Gerkan sich trennten. Nun stellt man sich im Le Canard neu auf. Jünger soll es werden, eine schlankere Karte und Dinner à la Carte sollen eine größere Zielgruppe erreichen, erklärt Restaurantleiter und Sommelier des Le Canard Henning Lütchens.

Sein wunderbares Händchen für die Weinauswahl dürfen wir wenig später genießen. Das soll das Gourmetrestaurant auch wirtschaftlicher werden lassen. Natürlich bei Beibehaltung von Qualität und Top-Niveau. Das Menü des jungen Chefkochs Felix Becker empfinden wir als geradlinig in Verbindung mit klassischen französischen Techniken.

Dabei immer wieder versehen mit durchdachten Details, die klare Bezüge zu Hamburg herstellen und es damit schaffen, Gaumen und Seele anzusprechen. Und das findet sich direkt auf spielerische Weise im Amuse Bouche wieder: Essbare Steine, gefüllt mit cremiger Burrata, dargereicht auf Kieseln. Zartes Matjestartar mit grünen Apfelaromen ist ein herrlich ambivalentes Spiel aus knusprig und zart und gleich zu Anfang ein Bezug auf das Maritime, das hier am Hafen auf der Hand liegt.

Überraschend geht es weiter: Das starke Gurkenaroma lässt sich bereits wahrnehmen, noch bevor die Teller eingesetzt sind. Die grüne Gazpacho mit Gurkeneis und gebeiztem Lachs ist eine Augenweide und vielleicht sogar eine Reminiszenz an Fatih Akins Kultfilm "Soulkitchen", der einst in diesen Räumen gedreht wurde. 

Zum Garnelen-Dumpling mit Shittake bringt Lütchens einen spritzigen Veltliner, der sowohl den tiefen Umami-Geschmack, als auch den Tom Ka Schaum fein ergänzt, schmackhafte Thaiaromen; Hamburg, das Tor zur Welt eben. Der dritte Gang nun, deutet Sommer an. Hier werden verschiedene Teile der Sonnenblume mit Perlhuhn und Pfifferlingen kombiniert. Gerade die Verbindung des hervorragend ausgesuchten Grand Cru Rieslings von der Domaine Weinbach mit den eher zurückhaltenden Aromen der Sonnenblume findet bei uns großen Anklang. 

Im vierten Gang wird es wieder klassisch Hamburgisch. In Variation gekonnter französischer Küchentechniken versteht sich. Das beinah naturbelassene Schollenfilet ist ebenso zart und buttrig, wie das französische Kartoffelpüree. Dazu gibt es – klassisch hanseatisch – fein gewürfelten Speck. Fein marinierter Kopfsalat und die süß-säuerliche Kopfsalatjus bildet dazu eine willkommene frische Komponente.

Zu einem zarten Kalbsfilet mit Steinpilzen, Erbsen und Kaiserschoten bekommen wir den einzigen Rotwein des Abends gereicht. Dieses äußerst sommerliche Menü verlangt einfach nach Weißwein-Frische. Das in einem herrlich frischen Kirschdessert mit Kirschsorbet, Haferknusper und Schmandeis einen wunderbar frischen Abschluss findet.

Nach einer Tasse Kaffee und dem wohl kleinsten Franzbrötchen Hamburgs – well played – verlassen wir satt und beseelt diesen einmaligen Ort. Natürlich nicht, ohne uns noch einmal nach den blinkenden Lichtern des Hafens umzublicken. Manche Dinge ändern sich eben doch nicht.

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