Was eint das Land an Hitzetagen? Was gibt es in München, Stuttgart, Frankfurt, Berlin an jeder Ecke? In Goslar, Bamberg oder Kassel inmitten der Stadt und natürlich in jedem Supermarktregal, an jeder Tankstelle? EIS! Als Kugel oder abgepackt, mit Soße oder Streuseln, ummantelt mit Schokolade oder Matcha, zum löffeln oder am Stiel. Hauptsache EIS!
Einen Affogato nach dem Frühstück, eine Kugel zum Nachtisch, ein Sorbet als nachmittäglichen Apéro und natürlich eine Kugel feinster Zubereitung auch am Abend für den Sonnenuntergang. Ein Sommer ohne Eis ist heutzutage so wenig denkbar wie ein Tag ohne Kaffee.
Wie wenig selbstverständlich diese Allverfügbarkeit von Speiseeis ist, weiß der Gastrosoph Peter Peter in seinem Buch "Gelato. Italienische Eiszeiten" zu berichten. Was zynischen Zungen vielleicht als sommerliche Geldmacherei des Buchmarktes erscheinen mag ("Was lässt sich aus so etwas Profanem wie einer Kugel Eis schon texten?!"), erscheint schon nach wenigen Seiten als höchst appetitanregende Genusstour durch die Geschichte des Eises, durch die Spuren in den Künsten und schließlich zu den Gourmetmanufakturen der Gegenwart.
Erfunden wurde das Speiseeis vor mehr als eintausend Jahren auf Sizilien. Die deutsche Fokussierung auf italienisches Eis als wirklich originäres Eis hat also durchaus seine Berechtigung. Auch wenn die Kulturtechnik des Schneesammelns zur Erfrischung über einen weit größeren Raum verbreitet war, auch auf der Seidenstraße, in Persien und schließlich Griechenland gelebt wurde.
Peter Peters Anekdoten greifen weit aus, eröffnen interessante historische Horizonte und Verbindungen, verdeutlichen die Schwierigkeiten, die mit dem Eis und der Kühlung verbunden waren. Denn in der Renaissance, als Gourmets begannen, dem Adel eine Mischung aus Salz, Zucker, Milch, Früchten und Schnee zu servieren, stellte sich die Frage der Haltbarmachung und des Transports weit dringlicher als in heutiger Tiefkühlgewohnheit.
"Das Eis, höchste Kultur!" rief Friedrich Nietzsche 1888 und dieser Begeisterung folgt Peter Peter. Sein Interesse folgt nicht nur dem Produkt an sich, sondern auch der damit verbundenen Kultur. "Die italienische Eisdiele ist ein unverzichtbares Element deutschen Soziallebens geworen." Überhaupt dieser Name: Eisdiele ist keine Gewohnheit gewordene Eindeutschung des Dealers, sondern kommt aus den improvisierten Podesten, die vor die Verkaufsfenster gestellt wurden, damit auch kleinere Menschen an das Fenster heranreichen.
Es gäbe zahllose Anekdoten aus diesem Wandelgang durch die Geschichte des Eises herauszupicken. Diese Gelato-Monographie ist voll von Einsichten, Rezepten, Bildern und auch Songtexten zur Lobpreisung des Eises. Lesen und sich dabei ein Eis gönnen – es wird kaum herrlichere Arten geben diesen Sommer zu zelebrieren.