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Wiener Lieblingsortevon ORF-Redakteurin Aimée Klein

Freitag, 14. Oktober 2016
Film camera chalkboard and roll

Aimée Klein ist hinter den Kulissen der beliebten ORF-Kochreihe "Frisch gekocht" als verantwortliche Redakteurin tätig. Wie sie Regieanweisungen aus dem Off erteilt, auf Augenhöhe mit den Fernsehköchen debattiert und die Fäden sicher in der Hand hält, durfte ich bei den Aufzeichnungen im Fernsehstudio bereits selbst erleben. Faszinierend, wie sie hier alles im Griff hat. Von der Idee bis zur Umsetzung.

Dass sie von den Köchen akzeptiert wird, liegt sicher an ihrem profunden Fachwissen. Doch das hat sie sich nicht etwa durch eine Ausbildung als Profi-Köchin erworben. Aus rein persönlichem Interesse hat sie Küchentrainings in Frankreich absolviert und bildet sich ständig weiter. Wenn sie vom Kochen oder Zutaten spricht, spürt man, dass sie sich auf sicherem Terrain bewegt. Manchmal gebe sie sogar Kochkurse in ganz kleinem Rahmen, meint sie bescheiden.

Regie und Produktion hat sie studiert; also nur natürlich, dass sie beim Fernsehen gelandet ist. Seit gut zehn Jahren ist sie jetzt bei "Frisch gekocht" im österreichischen öffentlich-rechtlichen Fernsehen dabei. Die tägliche Kochsendung sei übrigens das älteste europäische Kochformat, das bis heute noch auf Sendung ist, erzählt sie. Natürlich werde immer ein bisschen hier und da geändert, um es abwechslungsreich zu gestalten.

Und bunt gemischt sind auch ihre Empfehlungen, die – wen überrascht es – natürlich vor allem kulinarischer Art sind. Wir dürfen uns also auf echte Expertentipps freuen.

Zur Herknerin lautet ihre erste Empfehlung, weil das Restaurant so herrlich unkonventionell ist. In diesem ehemaligen Installateurgeschäft entsteht das klassische Bild der Hausfrau hinterm Herd aus den Fünfzigerjahren im Kopf. Das Essen schmeckt wie zu Hause, ist preiswert und bodenständig. Und die unkomplizierte Wirtin verleiht dem urigen Wirtshaus noch einmal eine Portion extra Würze in Form von echtem Lokalkolorit.

Guerilla Bakery heißt Aimées zweiter Tipp, und sie strahlt dabei. Diese Erfolgsgeschichte fasziniere sie. Dass Backen voll im Trend liegt, ist der Food-Expertin selbstverständlich bewusst. Dass man sich aber eine Stunde im strömenden Regen auf der Straße für die hausgemachten Backwaren anstellt, will schon etwas heißen. Zum Glück ist aus den Pop-Up Shops, von denen man erst am Vortag erfuhr, nun ein ernsthaftes Café mit Backshop geworden. Ganz besonders gefällt Aimée der Garten, da gerät sie richtig ins Schwärmen.

Petz im Gußhaus ist ihr Stammlokal. Dass hier ein Koch am Herd steht, der es immerhin schon auf vier Gault-Millau-Hauben und einen Michelin-Stern gebracht hat, merke man. Sie mag das Wirtshaus, weil es gemütlich und dank der vielen Stammgäste auch zugleich sehr familiär sei. Die Küche ist ehrlich, fein und mit internationalen Einflüssen auch immer überraschend. Obwohl gerade einmal gut ein Jahr alt, müsse man unbedingt reservieren.

Vestibül im Burgtheater lautet die feine Adresse des Gourmettempels, in dem Christian Domschitz kocht. Natürlich ist auch schon er in der Sendung "Frisch gekocht" aufgetreten, sogar als erster überhaupt. Sein Szegediner Hummerkrautfleisch sei legendär und die wohl ausgefallenste Art, Hummer zuzubereiten. Außerdem habe er ein sehr lustiges Kochbuch herausgegeben: alle Rezepte auf Postkarten, praktisch und originell!

Unger und Klein muss wegen seiner köstlichen Croissants mit auf die Liste. Obwohl es so winzig ist, gibt es für die Handtaschen der Damen einen extra Platz – wunderbar! Der Kaffee schmeckt richtig gut, und es kommen illustre Leute hierher. Das Hochhaus Herrengasse gilt noch immer als hochkarätige Adresse. Wer nicht erkannt werden will, ist hier am Vormittag auf jeden Fall falsch.

Minoritenstüberl ist der erste Name, den ich mit Verwunderung quittiere. Nie gehört. Kein Wunder, denn Kantinen gehören normaler Weise nicht in mein Beuteschema. Dieses hier sei die beste Kantine der Stadt und befinde sich im Unterrichtsministerium. Ein paar Stufen führen in den Keller hinab, die Fenster sind auf Straßenniveau.

Gut beraten sei, wer sich um 11.28 Uhr schon hier einfindet, denn um 11.40 Uhr stehen die Leute schon bis auf die Straße und die ersten Gerichte sind aus. Und das obwohl bis zu sechzehn zur Auswahl stehen: traditionelle Wiener Küche genauso wie vegetarische, gluten- und laktosefreie Speisen. Natürlich Selbstbedienung. Und der Chef persönlich gibt das Essen aus.

Weil die Beamten des Ministeriums aufgrund des Riesenandrangs keinen Platz mehr fanden, habe man für sie jetzt eigens einen Bereich abgeteilt. Aimée fallen immer mehr Anekdoten zu diesem wohl ausgefallensten Restauranttipp ein, nicht zuletzt, weil sie Andi Wojta natürlich sehr gut kennt. Schon seit Jahren steht er mit Witz und Charme für "Frisch gekocht" vor der Kamera. Jedenfalls streicht er Gericht für Gericht von der Tafel, sobald es aus ist. Und geschlossen wird um 13.30 Uhr.

Estancia Santa Cruz an der Prater Hauptallee ist unser nächstes Gesprächsthema. Der Sohn vom vormaligen "Butterfasserl" habe eine Mexikanerin geheiratet und deren Stempel trage nun die Küche. Gekocht wird also echt mexikanisch. Besonders lustig sei der Besuch mit Kindern. Ein Stück Mexiko mitten in Wien.

Chalet Moeller Schottenhof im vierzehnten Bezirk besteche durch sein zauberhaftes Ambiente. Seit 2015 kocht hier Roman Moeller, ein Schüler von Lisl Wagner-Bacher aus dem renommierten Landhaus Bacher. Gemeinsam mit seiner Familie hat er dem alten Stift inmitten des Wiener Walds zu neuem Glanz verholfen. Das Restaurant sei schön hergerichtet und sehr elegant.

Dorotheum, und zwar das Original in der Dorotheergasse, ist jeden Samstag Aimées Ziel. Da schaut sie sich an, was demnächst versteigert wird. Es sehe aus wie im Museum: tolle Kunstwerke könne man sich hier anschauen, herrliche Blumenarrangements wechselten wöchentlich. Man könne alles probieren und lerne sehr viel über Kunst und Juwelen.

Ristorante Al Borgo lautet Aimées Tip für Essen wie in Italien. Hier gehe es so schön gemütlich und authentisch italienisch zu. Die Gerichte schmecken fabelhaft und passen sich saisonal den Jahreszeiten an. Frisches Brot und feines Olivenöl gehören ohnehin dazu. Und ein äußerst liebenswerter, nahbarer Gastgeber, der sich oft persönlich um das Wohl seiner Gäste kümmert.

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