EnglishThis content is
not available in
english
Menü

Nelka von Svenja Leiber

Dienstag, 07. April 2026
Advertorial
Nelka von Svenja Leiber

Am 29.4. liest Svenja Leiber aus ihrem Roman "Nelka" in der Buchhandlung Knesebeck Elf.

Nelka
von Svenja Leiber
Suhrkamp Verlag
...
24 €

"Seit ein oder zwei Jahren treffen in der Gegend diese Briefe ein. Spät wehen sie in den Herbst der Leute, niemand hatte noch damit gerechnet." – Der von Christa Wolf vor 50 Jahren geschriebene Beginn ihres Romans Kindheitsmuster ist immer noch Programm: "Das Vergangene ist nicht tot; es ist nicht einmal vergangen. Wir trennen es von uns ab und stellen uns fremd."

So sehr sich manche ein Passé auch wünschen würden, so bemüht sie um einen Schlussstrich ringen, wenn diese Geschichten wieder erzählt werden, merkt man erst, wie langlebig die Folgen von Verschleppung, Zwangsarbeit, Ausbeutung sind. Vielleicht sind manche Leser fähig bei den Stichpunkten dieser Geschichte mit den Schultern zu zucken und gleichgültig und desinteressiert etwas anderes zu suchen, etwas schöneres, unterhaltenderes.

Svenja Leiber erzählt von Nelka, die 1941 aus Lemberg verschleppt und zur Arbeit auf einem norddeutschen Gutshof gezwungen wird. Dank des von ihrem Vater stammenden Wissens im Apfelanbau gelingt es ihr zunächst, sich gegen Erniedrigung und Brutalität zu stemmen. Und nun, Jahrzehnte später, hat auch sie einen Brief geschrieben um zurückzukehren.

Es liegen weit entfernte Zeiten und Welten zwischen den Handlungsebenen.

So ein Brief raut eine Wunde wieder auf, genauso wie es Svenja Leiber mit diesem Roman gelingt. Doch die heraufbeschworene Vergangenheit kehrt nicht im gleichen Antlitz zurück, wie die Erinnerung es vorstellt. Die Frau, die den Brief schrieb und ein paar Tage später vor der Tür steht, ist auch durch die Jahre gegangen, hat dennoch gelebt.

Aus einer solchen zwischenzeitlichen Veränderung rührt auch der Mut von Svenja Leiber, diesen Roman schön zu gestalten, die Geschichte von Zwangsarbeit und Erniedrigung in vollendeter sprachlicher Schönheit zu erzählen. Denn hier ist alles fein. Die Geräusche der Dinge sind ein zartes lauschen. Kleine Preziosen und Erscheinungen werden empfindsam wahrgenommen und in präziser Sprache beschrieben. Gesten wird eine Aufmerksamkeit geschenkt, dass selbst die kleinste, alltäglichste Verrichtung einer gepflegten Eleganz gleicht.

Und wenn es erst um die Äpfel geht! Dann wird einfühlsam kostbar, was heutzutage selbstverständlich ist, als gleiche der Apfelanbau einer mondänen Kultiviertheit. Die Sorten, die Schnitte, die Praktiken des Anbaus - ich bin sogleich zu meinen Nachbarn in der Fruchtinsel gelaufen, habe mir einen Apfel gekauft und ihn mit allen sensibilisierten, gesteigerten Sinnen genossen, habe gerochen, gehört und naturgemäß auch geschmeckt. Und natürlich weitergelesen.

Tipp. Am 29. April 2026 liest Svenja Leiber aus ihrem Roman "Nelka" in der Buchhandlung Knesebeck Elf >>

Weitere interessante Artikel
Creme Guides
Karte
Reset Map