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Berliner Lieblingsorte Modedesignerin und Queen of Black Esther Perbandt

Mittwoch, 15. Juni 2022
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Die Orte im Überblick

Karte (3)

Schwarz behütet sitzt Esther Perbandt in ihrem Berliner Atelier. Auch der Rest ihres Outfits: schwarz. Wie sollte es auch anders sein, uns gegenüber im Videocall spricht immerhin die Queen of Black der deutschen Modewelt: Esther Perbandt. 

Wir sprechen kurz nach der Berliner Fashion Week 2022. Seit langem hat Perbandt dort mal wieder eine große Show bei der offiziellen Mercedes Benz Fashion Week im Berliner Kraftwerk gemacht. Die letzte davor war 2017 in der Volksbühne. Seitdem ist bei der gebürtigen West-Berlinerin und ihrem Modelabel viel passiert. 

Allem voran ihre Teilnahme an der ersten Staffel Making the Cut, in der sie den zweiten Platz ergatterte. Die Serie mit Heidi Klum verhalf der bereits in Deutschland bereits erfolgreichen Designerin zum internationalen Durchbruch. Dabei war Perbandt sich anfangs noch unsicher, ob eine Teilnahme überhaupt das Richtige für sie sei. „Ich habe die Fahne immer sehr hochgehalten für Kunst. Das mach ich ja heute nicht weniger. Vielleicht habe ich die Fahne hochgehalten für alles, was nicht kommerziell ist... Mir war natürlich klar, das ist super kommerziell. Eigentlich alles, wo ich immer gesagt habe…“ Statt eines Wortes, bedient Perbandt sich einer Geste, hebt abwehrend die Hände. Ihr üppig gelayerter Goldschmuck klimpert, während sie mit den Fingern ein abweisendes Kreuz vor sich andeutet.

Mach doch mal Farbe! Du schneidest dir einen Riesenteil deines Geschäfts ab

Wider Erwarten war die Teilnahme aber genau das richtige – für sie und ihre Marke. Die Dreharbeiten waren anstrengend. Immer nur zwei Tage für eine neue Aufgabe, da komme alles zusammen: Zeitdruck, Konkurrenzkampf, Leistungsdruck, bei jedem Schritt gefilmt zu werden. Diese Stressphasen hätten bei Perbandt auch die Passion wieder geweckt: „Ich brauchte diese Erfahrung, um wieder eine Liebe für die Mode zu entwickeln.“ Sich selbst unter diesem Druck kennenzulernen, sich ständig präsentieren zu müssen, habe Perbandt gestärkt, ihr viel Selbstbewusstsein verliehen.  

Immer wieder musste Perbandt sich vor der Jury für ihre limitierte Farbpalette verteidigen. „Ich hab dann immer gesagt: Nein!“, betont sie, „Das ist keine Verneinung der Farbe generell. Ich bin mir sicher, irgendwann im Leben wird dieser Moment kommen und dann gibt es plötzlich eine farbige Modenschau von Esther Perbandt. Aber ich wollte, dass es aus mir selber herauskommt und nicht, weil mir eine Jury sagt, jetzt mach mal Farbe!“ 

„Mit Schwarz zu arbeiten bedeutet für mich mit Licht zu arbeiten“

Die Nicht-Farbe übe auf sie eine Faszination aus. Schwarz sei eine Herausforderung, weil sie viel mehr ins Detail gehen müsse: Durch die Limitierung der Farbpalette auf der einen Seite, biete es ihr eine Bühne für Details. Jedes schwarz habe in sich eine ganz eigene Strahlkraft, jeder Stoff sei anders und reagiere verschieden mit Licht. Schwarz komme noch davor. „Das ist mein Startpunkt, davon gehe ich aus. Schwarz. Und dann geht’s weiter. Dann kommt Licht dazu, dann kommt Form dazu, dann kommt Struktur, Dreidimensionalität. Es fühlt sich einfach so richtig an für mich. Und deswegen mach ich's." Den Spitznamen Queen of Black trägt Perbandt daher ein bisschen mit Stolz: „Wie ein kleiner Orden, den ich gerne angenommen habe.“ 

„Kollektionen machen ist wie Tagebuch schreiben“

Schon mit zwölf habe sie entschieden, Designerin zu werden. In West-Berlin ohne Fernseher aufgewachsen, faszinieren das Mädchen unterschiedliche Kleidung und Kostüme – und zu merken, wie man durch Kleidung in andere Identitäten schlüpfen kann. Mit etwa acht Jahren verkleidet sie sich mit zwei Freundinnen als Türkinnen, was keineswegs böse von den Mädchen gemeint gewesen war, „Der Anteil der türkischen Mitbewohner:innen war sehr groß, das war Teil unseres Alltags. Es war einfach ein Spiel, zu gucken, wie fühlt man sich, wenn man in eine andere Kultur einsteigt.“

Denn Kleidung verleihe Identität. Perbandt habe immer vor allem für sich selbst entworfen, was sie gerade brauchte. Als junge Frau vor allem eine Art Schutzkleidung, „vielleicht um in dieser Welt zu überleben, um mich als Frau zu behaupten, nicht angegriffen zu werden, um Stark zu sein.“ So entsteht die DNA der Marke: Sie selbst habe vornehmlich schwarz getragen, sich damit stark und geschützt gefühlt. Heute sei sie da sehr viel weicher geworden „weil ich die Schutzbekleidung selber nicht mehr brauche.“

„Ich hab mich vom kleinen, androgynen Zinnsoldaten zu 'ner stolzen Frau entwickelt“

Nicht nur Perbandt selbst habe sich sehr verändert. Viel femininer ist die Marke geworden, weicher, erwachsener und zugänglicher – vielleicht auch mehr sexy. Deswegen auch die Fashion Week Show in diesem Jahr. „Ich glaube, dass das Bild außen, das man so hat, von der Marke ein bisschen veraltet ist.“ Auch von der androgynen Kleidung hat sie sich verabschiedet, ihre Schnitte verändert, das Thema Unisex-Mode ad acta gelegt. Stattdessen mache es ihr heute große Freude, dezidiert für Frauen zu entwerfen – und die bräuchten eben meistens einen Brustabnäher. 

Der kreative Schaffensprozess sei dabei noch immer das größte Glück auf Erden für die Berlinerin. Inspiration für ihre aktuelle Kollektion „L’Atelier Dream Machine“ lieferte eine alte, zufällig gefundene Kladde. „Ich hab das in einer Schublade gehütet wie einen Schatz.“ Inspiration warte überall. Zumal in einer Stadt wie Berlin. Perbandt schätze zwar die Natur, auf's Land zu ziehen aber, komme für sie nicht in Frage.

 „Ich brauch diese Stadt und ich brauch das Pulsieren, das ganz Viele und Dichte und Enge und vielleicht auch ein bisschen das Dreckige und Rotzige.“

Berlins Pulsieren sei ihr Antrieb um jeden Morgen das Bett zu verlassen. Wenngleich Perbandt sich vorstellen könnte, für ein Jahr nach New York zu ziehen, sei Berlin einfach ihr Zuhause. Hier schätze sie ganz besonders das unglaublich große Angebot an kulturellen Veranstaltungen, „obwohl ich fast null Prozent davon wahrnehme“, lacht die Designerin, aber ich wüsste, ich wäre total unglücklich, wenn ich das Angebot nicht vor der Tür hätte.“ Ihre Lieblingsorte in Berlin hat Esther Perbandt und dann auch noch verraten:

Nähere Details zu den einzelnen Orten finden Sie über das Anklicken der orange markierten Namen!

Der Teufelsberg

Die West-Berlinerin liebe den Teufelsberg und dort spazieren zu gehen. „Es ist natürlich auch ein Ort meiner Kindheit, ich war viel da zum Drachensteigenlassen.“ Man könne außerdem so schön auf die Stadt gucken und sich den Wind um die Ohren pusten lassen.

 

Volkspark Friedrichshain

Wenn sie gerade eine Phase habe, in der sie einmal die Woche laufen gehe, bevorzuge sie den Volkspark Friedrichshain. Auch weil er nicht weit weg von ihrer Wohnung liege. 

Volkspark Friedrichshain | 
Am Friedrichshain 1 | 10407 Berlin-Friedrichshain

Prinzipal Kreuzberg

Die kleine Bar in der Oranienstraße sei sehr liebevoll gemacht, die Drinks super, man könne Absinth trinken und dabei tolle kleine Burlesque-Shows anschauen. Diese besonderen und bezaubernden kleinen Orte, liebe Esther Perbandt ganz besonders an Berlin, „dass es noch diese Orte gibt, wo sowas machbar ist. Es ist sehr intim und klein, sie haben tolle Tänzerinnen aus dem Friedrichstadtpalast, die dann wirklich neben dir aufm Stuhl ihre kleine Show zeigen.“ 

Prinzipal Burlesque Bar | 
Oranienstraße 178 | 10999 Berlin-Kreuzberg

Giessmann Plissee

Die kleine traditionsreiche Plisseemanufaktur in Charlottenburg sei zwar kein Ort, wo andere Leute unbedingt hinkommen, aber als Designerin findet Esther diesen Ort trotzdem erwähnenswert: Bei Giessmann Plissee werden wirklich noch Plissees gebrannt. Die Falten müssen in einem Ofen in den Stoff gebrannt werden. „Ich glaube, das ist einfach meine Liebe zu diesem Handwerk und der Mode. Dass es sowas noch gibt, in Berlin in so einem kleinen  Keller.“ Hier werde viel für Theater und Opern produziert, aber auch Perbandt habe dort schon Plissees brennen lassen. "Da kommt auch wieder so eine Liebe für das Berlin der 20er Jahre hoch.“

Gießmann Plissee | 
Altenburger Allee 19 | 14050 Berlin-Charlottenburg

Barra Berlin

Perbandt sei erst kürzlich im Barra Berlin gewesen und neben der tollen Küche auch vom Service sehr angetan. „So gehe ich gern aus und essen“, sagt sie, „man isst nicht nur einfach, sondern bestellt viele und teilt dann miteinander – das fand ich toll.“

Barra Berlin | 
Okerstraße 2 | 12049 Berlin-Neukölln

Lietzenseepark

Den Lietzenseepark in Charlottenburg liebe Perbandt sehr. Der Ort sei ebenfalls eng mit ihrer Kindheit verbunden. Sie erinnert sich etwa gut ans Schlittschuhfahren auf dem See im Winter. Generell schätzt Perbandt Berlin für die vielen Parks und Grünflächen.

Lietzensee | 
14057 Berlin-Charlottenburg

Geistesblüten

Die Designerin lese sehr gern. Sie bevorzuge Bücher lesen dem Filme schauen, weil man viel mehr gefordert sei und sein eigenes Tempo anlegen könne. Die Geistesblüten am Walter-Benjamin-Platz ist Perbandt liebster Buchladen. Die Inhaber sind Freunde: „Ich liebe es einfach da zu sein. Meistens wird dann eine Flasche aufgemacht und wir reden über Bücher. Mit ihnen über das geschrieben Wort zu reden macht Spaß..“ Dank der tollen Empfehlungen verlasse Perbandt den Laden nie, ohne ein Buch zu kaufen. 

Geistesblüten | 
Walter-Benjamin-Platz 2 | 10629 Berlin-Charlottenburg

Das ICC

Das ICC bedeute der ästhetikbegeisterten Berlinerin sehr viel: „Es ist eines der most iconic Bauwerke in Berlin! Ich hoffe wirklich, dass sie es nicht irgendwann abreißen. Das wäre sehr dramatisch. Es ist so futuremäßig, dieses Ding!“

Gut möglich, dass ihre Entwürfe ebenso brutalistisch ausgefallen wären, wäre sie Architektin geworden – oder eben sehr puristisch-minimalistisch, vermutet sie.

ICC – International Congress Centrum | 
Messedamm 22 | 14055 Berlin-Charlottenburg

Bikini Berlin

Viele der Lieblingsorte der gebürtigen West-Berlinerin hätten mit ihrer Geschichte zu tun: „Ich glaube, deswegen werden sie auch zu Lieblingsorten, weil mit ihnen etwas verbindet.“ Mit dem Bikini Haus sei sie groß geworden, es habe sie schon immer fasziniert.

In der Gegend sei sie groß geworden, habe im Zoo Palast den ersten Film gesehen, später die Disko Linientreu besuchte und an der Gedächtniskirche abgehangen: „Das war die Zeit, als ich mit Springerstiefeln und Irokesenschnitt mit den Punks so pseudomäßig dort auf den Stufen saß. Ich war natürlich eine kleine Pupsnase, aber ich fand's cool da zu demonstrieren und zu sagen, dass ich gegen den Ölkrieg bin“, lacht die Designerin. „Das ist halt einfach Teil meiner Geschichte.“ 

Auch heute schätze sie das Bikini als Gegenentwurf zu Shoppingmalls, die Perbandt vollkommen ablehne. Das Bikini Berlin dagegen finde sie schön gestaltet und kuratiert, es sei eine große Bereicherung für Berlin. Auch aufgrund des riesigen Fensters, wodurch man die Affen beobachten könne. „Deshalb war ich auch gleich dabei, als die Kooperation vorgeschlagen wurde. Da sind einfach zwei Berliner zusammengekommen.“

Bikini Berlin | 
Budapester Straße 38-50 | 10787 Berlin-Charlottenburg

Ihr Bett

„Der letzte Ort zählt vielleicht nicht, aber es ist tatsächlich mein Bett!“, lacht Esther, „Ich liebe mein bBett so und ich brauche es! Das gibt mir die Kraft meinen Workload zu schaffen.“

Sie wohne in einer alten, schönen Ostplatte, habe den Sichtbeton unter der Tapete freigelegt und weiß gestrichen, wodurch die vielen Luftlöcher an einen „Sternenhimmel nur umgekehrt“ erinnern. Wenn sie dann im Bett liege, könne sie auf den Fernsehturm blicken, „als könnte ich die Kugel aus meinem Fenster anfassen! Das liebe ich einfach. Das ist meine Akkuaufladestation.“ 

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