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Auf zu neuen Ufern Chert Lüdde und die Blüten von Berlin

Mittwoch, 30. März 2022
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Karte

Öffnungszeiten

Montag geschlossen
Dienstag bis Samstag 12-18 Uhr
Sonntag geschlossen

Adresse

ChertLüdde
Hauptstraße 18,
10827 Berlin-Schöneberg
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Die Uhren sind umgestellt auf Sommerzeit und die Berliner*innen versammeln sich dankbar unter der Sonne in Parks, Cafés und vor Spätis, wie es unsere Art ist hier in der Hauptstadt.

Wo Dinge enden, gibt es auch immer die Möglichkeit für Neues. Das gilt auch für den legendären und heiß geliebten Laden Deko Behrendt der nach fast 70 Jahren Covid-19-bedingt schließen musste. Umso tröstlicher ist es, dass nun die Galerie Chert Lüdde in das Ladengeschäft eingezogen ist. Ganz ohne Klingel, wie in den Räumen davor in Kreuzberg, und inklusive des großzügigen Schaufensters des ehemaligen Deko-Geschäfts.

Diese einladende Offenheit tut gut in diesem ehemaligen Berliner Kultort, in dieser noch rauen Ecke in Schöneberg. Von Feinkost bis Tabledance, hier ist Berlin noch „real“ und nicht komplett glatt durchgentrifiziert.

Beim Betreten der Ausstellung gibt es erstmal ein Déjà-vu, denn eine der überlebensgroßen Blüten, die weiße, die am Ende des Raumes an der Decke hängt, kommt uns bekannt vor. Die haben wir doch schon mal gesehen, in einem ganz anderen Kontext – wo war das nochmal?

David Horvitz, becoming a unicorn using a banana as a horn, Installation view at ChertLüdde, Berlin, 2022, Photo by Andrea Rossetti
Petrit Halilaj & Alvaro Urbano with Annette Frick, Die Blüten von Berlin, Installation view at ChertLüdde, 2022, Photo by Andrea Rossetti
Petrit Halilaj & Alvaro Urbano with Annette Frick, Die Blüten von Berlin, Installation view at ChertLüdde, 2022, Photo by Andrea Rossetti (2)

Picture this: Tanzfläche Panorama Bar, das Künstler-Paar Petrit Halilaj und Álvaro Urbano trifft und küsst sich zum ersten Mal.… fast Forward in das erste Pandemie Jahr 2020. Tanzen tut hier niemand mehr, dafür hängt eine überlebensgroße Blüte im Rahmen der Studio Berlin Ausstellung in der Panorama Bar des Berghains. Gedacht war sie eigentlich für den Crystal Palace in Madrid, dem Ort wo die beiden heiraten wollten (ging pandemiebedingt natürlich auch nicht).

Umso schöner ist es, diese Blüte neben ihren blauen Vergissmeinnicht-Schwestern und den Schwarz-Weiß-Fotografien von Annette Frick bei Chert Lüdde wiederzutreffen. Sie stehen in diesem Kontext auch für das Lied der verstorbenen Drag Queen Ovo Maltine (geb. 1966, Rech – gest. 2005, Berlin) „Die Blüten (Transvestiten) von Berlin“ und passen einfach wunderbar an diesen Ort.

Fricks Porträts der Berliner Queer-Community verschmelzen zu nostalgischen Impressionen neben dem riesigen Vergissmeinnicht: „Fricks Fotografien, die hauptsächlich in den 90er Jahren bis zur Jahrhundertwende aufgenommen wurden, sind sowohl in Bezug auf das Thema als auch auf den Stil marginal und experimentell. Inspiriert von anderen Fotografen wie Lisette Model, dokumentiert Frick queere und punkige Subkulturen in Berlin, um Momente karnevalesker Freude und Freiheit im Leben der Menschen zu zeigen, die außerhalb der heteronormativen Ordnungen der Stadtgesellschaft leben. Auf der linken Seite der Galerie befindet sich neben einer Reihe anderer Porträts ein Foto von Ovo Maltine, der eine Narzisse hält und einen nach unten fallendem Kopfschmuck trägt. Ovo Maltine war, wie viele der von Frick fotografierten Personen, ein enger Freund des Künstlers.“

Eine weitere Verneigung vor der Geschichte des ehemaligen Kostüm- und Dekorationsgeschäft Deko Behrendt sind die zwei Arbeiten von Halilaj und Urbano „I never seen Blue You (dark Purple)“ und „I never seen Blue You (Gold)“, die beide aus diesem Jahr stammen und Teil einer Reihe zweidimensionaler Arbeiten sind. Sie wurden aus Tapeten geformt, die bei der Renovierung der neuen Galerieräume gefunden wurden.

Der Zustand des Verfalls, in dem die samtigen violetten und goldbronzenen Festtagstapeten gefunden wurden, wird so von den beiden Künstlern aufbewahrt. Aus dem Alten Kern entfalten sich neue Sprieße, eine immer wiederkehrende Berlin Metapher wie es scheint.

Auf nach Schöneberg!

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