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Sommer, Hitze, Eiszeit

Tradition pur Unsere Top Wiener Kaffeehäuser

Sonntag, 16. Dezember 2018
Café Central mit Sisi und Franz

Wien ist trotz seines kulturellen Erbes auch eine Stadt der Gegensätze – und das manifestiert sich nirgends so sehr, wie in seiner ausgiebig zelebrierten Kaffeehauskultur. Denn nebst Klassikern wie der Wiener Melange, dem Einspänner oder einem Verlängerten hat Wien in Sachen Kaffee unlängst mehr zu bieten.

Auch wenn die Unesco die Wiener Kaffeehäuser mit ihren klassischen Marmortischen, diversen Kaffeespezialitäten, dem umfangreichen Zeitungsangebot und den traditionellen Wiener Speisen zum schützenswerten Kulturgut erklärt hat, keimt auch hier die Third-Wave-Coffee Bewegung und verbindet Alt mit Neu. Abseits der klassischen Wiener Cafés zelebrieren immer öfter moderne Pendants innovative Arten der Kaffeezubereitung.

Wer heute nach Wien kommt, sollte sich beide Welten nicht entgehen lassen. Zwei Welten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten und die am Ende doch auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen sind – des Wieners Liebe für süße Mehlspeisen, Kaffee und Gemütlichkeit.

Café Central im Palais Ferstel. Das wohl bekannteste Wiener Kaffeehaus – das Café Central im Palais Ferstel in der Herrengasse – erfreut sich seit über 130 Jahren größter Beliebtheit, von der bis heute lange Schlangen vor dem Eingang zeugen. Wer hier einen Platz ergattern möchte, muss Zeit mitbringen. Das Warten wird beim Betreten der majestätischen Räumlichkeiten aber belohnt – mit Wiener Kaffeehauskultur par excellence, für die sich selbst die Einheimischen geduldig die Beine in den Bauch stehen.

Café Korb. Bereits seit 1904 begrüßt das nahe des Stephansplatz’ gelegene Café Korb seine Gäste in typischem Wiener Ambiente. Dem setzt die berühmte Artlounge einen modernen Twist entgegen, ebenso wie die vielen Bilder aus dem Leben der Besitzerin, der Schauspielerin und Performance Künstlerin Susanne Widl. Die lassen sich am besten bei einem ausgiebigen Frühstück – das hier übrigens ganztägig angeboten wird – oder einem Wiener Schnitzel genießen.

Café Schwarzenberg. Als Wiens ältestes und beinahe letztes Ringstraßencafé, das 1980 beinahe einem Autohaus hätte weichen müssen, ist das Café Schwarzenberg seit jeher einer der beliebtesten Treffpunkte unter den Wiener Kaffeehäusern. Neben den vielen Touristen, die hierherkommen, tummeln sich unter den Gästen tatsächlich auch echte Wiener, die das etwas verstaubte, aber doch prunkvolle Ambiente schätzen.

Café Jelinek. Das Café Jelinek ist ein echtes Wiener Urgestein – zumindest lässt seine Optik daran keinen Zweifel. In die Jahre gekommenes Mobiliar und Wände, die längst einen neuen Anstrich hätten vertragen können – und doch ist es die morbide Gemütlichkeit, die die Gäste hier schätzen. Und wo sonst würde ein Butterbrot mit Schnittlauch oder Omas Gugelhupf besser schmecken als in so authentischem Ambiente? Davon mal ganz abgesehen ist der Kaffee einfach großartig.

Balthasar Café. Das Balthasar Café von Tiroler Gastronom Otto Bayer ist angeblich eines der besten Orte, um Kaffee zu trinken. Die Bohnen, die in der Rösterei Wild geröstet werden, sind herausragend und werden frisch gemahlen in kultigen Marzocco-Espressomaschinen gebrüht. Ein heißer Tipp also für echte Kaffee-Connaisseure.

Café Goldegg. Das etwas abseits gelegene Jugendstil-Café wurde 1910 von der Wiener Kaffeehausfamilie Dobner gegründet. Viel Holz, ein heller Parkettboden, schwarze Marmortische, dunkelgrüne Plüschbezüge, Messing-Luster und die neuesten Tageszeitungen sorgen gemeinsam mit den für Wien obligatorischen grantigen Obern für authentisches Kaffeehaus-Ambiente.

Café Museum. In keinem anderen Wiener Café waren so viele Genies zu Gast wie im Café Museum. Die Maler Gustav Klimt, Egon Schiele und Oskar Kokoschka verkehrten hier ebenso gerne und regelmäßig wie die Architekten Otto Wagner und Adolf Loos – Prominente, die das Wiener Kulturerbe entscheidend geprägt haben. Das überschaubare Frühstücksangebot und die traditionelle Wiener Küche machen das Konzept bis heute komplett.

Supersense Café. Trotz des modernen Concepts – einem Mix aus Café und Store – setzt Innenarchitekt Robin Molenaar beim Interieur auf Vergangenes: zwei prominent platzierte Hermann Czech-Luster aus der ehemaligen Länderbankzentrale im Café-Bereich sorgen für einen echten Hingucker, alte Papierpaletten wurden zu Tischen und Sesseln umgebaut, am Eingang spuckt ein ausrangierter, umfunktionierter Zigarettenautomat für fünf Euro kleine Kunstwerke aus. Und auch die hier servierten Kaffeespezialitäten stehen dem Überraschungsfaktor des Interieurs in nichts nach.

Kleines Café. Abseits der üblichen Touristenpfade befindet sich das Kleine Café am idyllischen Franziskanerplatz im 1. Bezirk. Verhältnismäßig jung erinnert es mit seinen ledernen Sitzbänken in Chesterfield-Optik und den kleinen Bistrotischen noch immer an die Bohème der 70er Jahre. Wie auch schon im Kultfilm "Before Sunrise" kommen sich Besucher hier schnell näher, denn das Kleine Café macht seinem Namen größentechnisch alle Ehre. In allen anderen Belangen ist falsche Bescheidenheit allerdings fehl am Platz, da ist dieser kleine Geheimtipp nämlich ganz groß. Definitiv mein Lieblingscafé in Wien!

Café Hawelka. Manche Dinge ändern sich nie – das gilt auch für das Café Hawelka. Die Buchten sind seit jeher legendär und auch der ursprüngliche Charme hat sich erhalten. Die angestaubte, ja fast morbide und doch liebenswerte Atmosphäre hier muss man einfach mögen. Ebenso wie die vielen Anekdoten um das berühmte, mittlerweile verstorbene Ehepaar Josefine und Leopold Hawelka. Künstler, Schriftsteller und Intellektuelle wie Arnulf Rainer, Hundertwasser und Hrdlicka kamen hierher. Wenn sie kein Geld hatten, bezahlten sie ihren Kaffee mit Bildern und Skizzen, die noch heute die Wände zieren.

Café Ritter Ottakring. Das Café Ritter in Ottakring ist so etwas wie die Schnittstelle zwischen Alt und Neu. Hier hat man die Wahl zwischen zwei unterschiedlichen Kaffeesorten – Meinl Premium und handgeröstetem Madar Kaffee aus Melk. Die Frühstückskarte ist klassisch – punktet aber mit toller Qualität, was in Wiener Kaffeehäusern fast eine Seltenheit ist. Eier, Butter und Milch kommen aus regionaler, biologischer Landwirtschaft, Fleisch und Schinken aus der Nachbarschaft und die wirklich ansprechende Kuchen- und Tortenauswahl von der Traditionskonditorei Putz. Der kleine Abstecher in den 16. Bezirk lohnt sich also!

Figar. Das moderne Multi-Gastro-Konzept sieht sich selbst nicht als klassisches Kaffeehaus und doch erinnert das Figar hier und da an des Wieners zweites Wohnzimmer. Und was braucht es dafür? Zuallererst einmal Kaffee – die Wiener selbst bezeichnen diesen hier als einen der besten der Stadt – dann natürlich das richtige Ambiente und süße wie pikante Speisen, die einen ausgedehnten Aufenthalt so richtig angenehm machen. Alles da, im Figar im 7. Bezirk!

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