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Tradition purUnsere Top 10 der Wiener Kaffeehäuser

Dienstag, 26. Januar 2016
Cafe Central Morgenstimmung

Wer an Wien denkt, der assoziiert diese Stadt wie wohl keine andere mit dem duftenden Aroma von Kaffee, dem man hier Namen wie Melange, Einspänner, Brauner, Verlängerter und andere verpasst. Und diese Namen sollte man kennen, wenn man in eines der Traditionshäuser einkehrt und keinen Ärger haben will. Sage ich als Deutsche mit einem Schmunzeln, denn bisher blieb ich vom sprichwörtlichen Granteln der Kaffeehausober jedenfalls verschont.

Die Wiener Kaffeehauskultur ist legendär. Fragt man die Wiener, wohin sie am liebsten gehen, kommt man auf keinen gemeinsamen Nenner. Die Stadt birst vor Angebot an bester Kaffeehausatmosphäre, und dem persönlichen Geschmack sind keine Grenzen gesetzt. Ob Tradition oder Moderne, Nostalgie und Bohème: Jeder findet hier seinen Platz und könnte sich den ganzen Tag darin vergnügen. Die Lieblingscafés unserer Wiener Redaktion und solche, die wir einfach nur für bemerkenswert halten, stellen wir Ihnen heute vor.

Café Central im Palais Ferstel. Das wohl bekannteste Wiener Kaffeehaus ist das Café Central im Palais Ferstel in der Herrengasse. Seit über 130 Jahren erfreut es sich größter Beliebtheit, wovon nicht selten lange Schlangen vor dem Eingang zeugen. Kein Wunder, dass die Unesco die Tradition der Wiener Kaffeehäuser als schützenswertes Kulturgut aufgenommen hat. Sie ist einfach etwas Besonderes mit allem, was dazu gehört wie die klassischen Marmortische, diversen Kaffeespezialitäten, das umfangreiche Zeitungsangebot und die traditionellen Wiener Speisen über den ganzen Tag. Das alles findet sich hier par excellence wieder und ist vielen Einheimischen wie Touristen immer wieder einen Besuch wert.

k.u.k. Hofzuckerbäcker Demel. Wer es üppig und opulent mag, kehrt sicher gern in diesem Wiener Kleinod ein. Die Geschichte vom "Demel", wie man hier kurz, bündig und liebevoll sagt, geht bis ins Jahr 1786 zurück, seine Einrichtung glänzt noch immer im originalen Rokoko Stil. Ob heute noch jede Dame beim ersten kalten Tag des Jahres hier zur heißen Schokolade einkehrt, ist uns nicht überliefert. Früher war das aber so. Und noch heute überwältigt der erste Eindruck schier die Besucher und versetzt sie in verzücktes Erstaunen, ebenso wie des Zuckerbäckers feine Konditorwaren.

Kleines Café. Mitten im 1. Bezirk gelegen und dennoch abseits der üblichen Touristenpfade, befindet sich das Kleine Café. Hier, am idyllischen Franziskanerplatz 3, scheint die Zeit stillzustehen. Bereits seit den 1970er Jahren versprüht der Geheimtipp unter den Wiener Kaffeehäusern mit seinen ledernen Sitzbänken in Chesterfield-Optik und kleinen Bistrotischchen wahren Bohème-Charme. Und auch Celine und Jesse aus dem Kultfilm „Before Sunrise“ kamen sich hier näher. Apropos: Das Kleine Café wird seinem Namen mehr als gerecht, aufgrund der Größe rückt man hier gerne zusammen und kommt mit den anderen Gästen leicht ins Gespräch.

Café Frauenhuber. In einem wunderschönen Barockhaus in der Himmelpfortgasse befindet sich das älteste Kaffeehaus Wiens. Auf einer Tafel erfährt man, dass hier im Café Frauenhuber einst Mozart und Beethoven persönlich Musik machten. Heute kann man hier herrliche Stunden verbringen, plaudern, Leute beobachten – oder gratis im Web surfen. Das Essen ist hervorragend, der Service ebenso. Am Ecktisch neben der Bar sitzt immer noch die Besitzerin und hat alles im Blick.

Café Restaurant Bräunerhof. Ich glaube, der Bräunerhof ist einer der wenigen, wenn nicht gar der einzige Ort, über den Thomas Bernhard nicht geschimpft hat. Das 1911 eröffnete Jugendstilcafé sieht immer noch so aus wie anno dazumal und sonntags gibt es live Klaviermusik gespielt. Manchmal gesellt sich eine ältere Dame zum ergrauten Pianisten und singt. Wer ein authentisches Wiener Kaffeehauserlebnis sucht, wird hier definitiv fündig.

Café Prückel. Das Café Prückel wurde zwar schon während dem Bau der Ringstraße eröffnet, gilt aber seit seiner Neugestaltung nach dem 2. Weltkrieg als 1950er-Jahre Juwel. Aufgrund seiner Lage zwischen MAK, der Universität für angewandte Kunst und Galerienviertel, ist das Publikum eine vielfältige Mischung aus Studenten und Senioren, Touristen und „Alteingesessenen“. Im Keller finden immer wieder Theater- und Literaturveranstaltungen statt.

Café Hawelka. Als ich zu meinem ersten Frühstück in Wien ins Café Hawelka eingeladen wurde, stockte mir vor Schreck fast der Atem. So viel morbider Charme am frühen Morgen war mir eigentlich zu viel des Guten. Heute bin ich süchtig nach den Eierspeisen, mag die angestaubte und doch liebenswerte Atmosphäre. Und am Abend müssen es unbedingt die legendären Buchteln sein. Um das Ehepaar Josefine und Leopold Hawelka ranken sich viele Anekdoten. Und eine hat bis heute ihre Spuren hinterlassen. Zur Jahrhundertwende war das Café Treffpunkt von Künstlern, Schriftstellern und Intellektuellen. Da diese meist kein Geld hatten, bezahlten sie ihren Kaffee mit Bildern und Skizzen, die jetzt noch die Wände zieren.

Café Sperl. Das Café Sperl liegt außerhalb des Wiener 1. Bezirks und steht den großen Ringstraßencafés in seiner Authentizität in nichts nach. Seine Geschichte geht ins Jahr 1880 zurück. Einst war es das Stammcafé der Operettenstars. Sein etwas angestaubtes Bohème-Flair lässt sich heute noch verspüren, wenn man bei Melange und hausgemachten Mehlspeisen –besonders der Strudel ist vielgelobt – Einheimische und Touristen, Studenten genauso wie distinguierte ältere Damen und Herren dabei beobachtet, wie sie angeregt plaudern oder ganz in Ruhe in den vielen Zeitungen stöbern.

UNGER und KLEIN. Das Wein-Kaffee UNGER und KLEIN im Hochhaus Herrengasse ist alles andere als traditionell, weder in Größe noch Einrichtung noch Angebot und dabei längst Kult. Wer in der Herrengasse aus der U-Bahn steigt, kommt fast unweigerlich daran vorbei oder eben gerade nicht. Denn der Kaffee soll der beste der Stadt sein. Er kommt von den Andraschkos aus Berlin, wenngleich ihm im Kern das Wiener Blut doch innewohnt. Herrlich unkonventionell und erfrischend anders!

Café Engländer. Ob Frühstück, Mittag- oder Abendessen, ob Geschäftstermin oder Stärkung nach Shopping, Kino oder Kabarett: Das Café Engländer passt immer. Es liegt äußerst praktisch im Einzugsgebiet von Stephansplatz, Gartenbaukino und Kabarett Simpl. Schauspieler, Presseleute und Künstler gehen hier ein und aus. Dank der großen Auswahl an Zeitungen und Zeitschriften sowie der Zuvorkommenheit der Ober wird aus einem schnellen Kaffee oder einem Fluchtachterl sehr schnell mehr.

Café Jelinek. Im Café Jelinek kann man noch ein Butterbrot mit Schnittlauch bestellen, und der Gugelhupf schmeckt wie der von der Oma. Hier gibt es wohl keinen Stuhl, der nicht knarzt und die Tapete sieht aus, als hätte sie schon die Gespräche von Generationen belauscht. Stylisch ist definitiv anders; aber wer Ruhe und eine typisch wienerisch morbide Gemütlichkeit schätzt, wird sich hier garantiert zuhause fühlen. Und der Kaffee ist toll. Perfekt für eine Auszeit nach dem Shoppen auf der Mariahilferstraße.

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