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Die zwei Seiten des Pollers Michael Hetzingers Leben mit Hund

Samstag, 13. Mai 2017

Hertha hat ein besonderes Talent dafür, mich lächerlich dastehen zu lassen. Es ist ein bisschen so, als ob ich als Hundebesitzer meine Würde eingetauscht hätte – gegen Kotbeutel und solche Sachen. Ihr Glück ist: ich glaube, sie macht es nicht absichtlich. Aber wer weiß das schon so genau.

Der Klassiker: ihre großen und kleinen Geschäfte. Es gibt ja Hunde, die können ihre Notdurft nur an bestimmten Stellen verrichten, zum Beispiel auf dem Rasen. Hertha gehört nicht dazu. Sie macht ohne Rücksicht auf irgendwas überall hin. Pinkeln mag sie am liebsten an Beine von Stühlen und Tischen von Restaurants und Cafés.

Meistens schaffe ich es, sie rechtzeitig weiterzuziehen. Dann guckt sie immer ganz böse. Noch böser hat der Cafébesitzer neulich geschaut, als ich mal nicht schnell genug war. Er war not amused.

In der Mittagspause macht sie gern mal direkt vor Daluma im Weinbergsweg hin. Ich stehe dann doof daneben und tue so, als ob sie nicht zu mir gehört. Wobei die Leine in meiner Hand mich meistens verrät. Natürlich mache ich immer alles weg. Trotzdem: ich würde von dort lieber mit einem Cold pressed Juice weggehen als mit einem schwarzen Plastikbeutel.

Ich fürchte, meine Kollegen können mich bald nicht mehr ernst nehmen. Jedes Mal, wenn ich mit Hertha das Büro verlassen will, bleibt sie an der gleichen Stelle des Flurs sitzen und rührt sich nicht von der Stelle. In Sichtweite der Ausgangstür aber mit Sicherheitsabstand. Ich stehe da und rufe sie, aber sie denkt nicht daran, zu kommen. Zur Belustigung der Kollegen. Zum täglichen Ritual gehört dann, dass ich sie entweder holen muss oder mit einem Leckerli locke.

In Meetings kann es passieren, dass ich Hertha auffordere, auf meinen Schoß zu springen. Das ignoriert sie gerne mal. Keine fünf Minuten später überlegt sie es sich dann aber anders und springt auf mich drauf, ohne Vorwarnung und völlig unvermittelt. Schön, wenn man in Meetings alles unter Kontrolle hat, oder?

Ein richtiger Proll kann sie sein, wenn wir in einem Straßencafé sitzen und andere Hunde vorbeikommen. Dann knurrt sie gefährlich, bellt und macht Radau, weil sie unbedingt zu ihren Artgenossen will. Lasse ich sie, rennt sie bellend hin, um sich dann in üblicher Manier zur Begrüßung auf den Rücken zu werfen. Viel Lärm um nichts. Letzte Woche hat sie das fünf mal nacheinander in einem geschäftlichen Meeting gemacht und ich wollte im Boden versinken.  

Doch das großartigste Schauspiel für alle Zuschauer muss es sein, wenn wir zusammen einen Gehwegbegrenzungsposten – oder Poller oder wie auch immer die Dinger heißen, die auf dem Gehweg im Weg stehen – passieren: Hertha links, ich rechts vorbei – beide von der Leine festgehalten. Einer muss dann zurück und die Seite wechseln. Drei mal dürft ihr raten, wer dieser jemand immer ist.

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