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Helmi's WeltLieber Herr O. H.

Freitag, 03. April 2015
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Helmi Sigg Osterhase

Ich glaube an dich. – Schon seit über sechzig Jahren. Du bist grosszügig und geheimnisvoll. Für das sollte ich dir danken. Im Namen vieler. Nun, das ist so eine Sache mit dir. Auch wenn du meine absolute Beachtung hast, ganz unumstritten bist du nicht. Aber..

Lieber Osterhase, sei versichert, für mich wirst du immer Platz in meinem Herzen finden. Und darum geht es bei dir auch.

Oho, ich höre schon die Zweifler, die Besserwisser, die scharfzüngigen Gegner. Natürlich wurde auch viel Unsinn über dich verbreitet. Klar legst du die Eier nicht selber. Das wäre biologisch und anatomisch gar nicht möglich. Ein Hase, der Eier legt!!Haha, das muss man sich mal vorstellen. Aua!

Die Eier, die besorgst du dir ganz klar bei den Hühnern. Ich weiss zudem: Als Hase hast du auch eine grosse Familie, die bei deiner Arbeit mithilft. Die Eier anzumalen zum Beispiel. Was ich deine tollste Marketing-Idee fand, ist ein essbares Abbild von dir zu schaffen. Meistens aus Schokolade. Die haben alle gern. So kann man dich sich einverleiben, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, und es kommt den „Veg-wasauchimmer“ sehr entgegen.

Als ich noch ganz jung war, liebte ich deine selbsthergestellten Zuckereier in allen Farben. Geschmacklich waren sie fast alle gleich, aber so ein bunter Haufen war eine wahre Schleck-Orgie! Oder deine Nougat-Eier! Hei, was kleben die zwischen den Zähnen und am Gaumen, und es macht Spass, ganz ungeniert mit den Fingern die tolle Süssigkeit aus den Zwischenräumen zu grübeln.

Ich finde es übrigens auch ganz toll, dass du deine Geschenke nicht einfach auf den Tisch stellst. Deine Verstecke sind oft ganz raffiniert. So habe ich erlebt, dass meine Eltern ganz verzweifelt nach dem letzten Ei gesucht haben. Ich bewunderte sie, weil sie ein Gespür dafür hatten, dass da doch sicher noch etwas versteckt sein musste.

Etwas finde ich schade: Früher hast du deine Geschenke immer im Garten versteckt. Heute meistens nur noch in den Wohnungen. Aber das ist natürlich sehr egoistisch von mir gedacht, denn viele Menschen haben schlichtweg keinen Garten mehr, und das dürfte eigentlich nicht sein.

Deine Gegner argumentieren, du seist eine Erfindung von Krämern und Lebensmittelherstellern. Dich gäbe es schlichtweg gar nicht. Da halte ich voll dagegen: Obwohl ich den Osterhasen noch nie gesehen habe, glaube ich an ihn. Das machen andere auch. Die glauben auch an jemanden, obwohl ihn überhaupt noch nie jemand zu Gesicht bekommen hat.

Eben! Ein paar Zweifel sind aber auch bei mir aufgetaucht. Ich finde es schade, dass du so expandiert hast, dass man deine Produkte auch in Lebensmittelgeschäften kaufen kann. Aber dein Geschäft scheint so gut zu laufen, dass das Ostergeschäft bereits im Februar gestartet wird. Da könnte einem doch der pure Neid packen, aber ich habe gelernt: Angebot und Nachfrage. Stimmt doch, oder?

Ich glaube, kein Händler wäre so blöd, noch im Winter Osterhasen zu verkaufen, wenn die Kunden das nicht wollten! Und kein Kunde ist so blöd, schon zu diesem Zeitpunkt Osterhasen zu kaufen, ausser er weiss, dass er vor Ostern keine Zeit hat! Und zweifelt, ob du ihn auch besuchen kommst.

Gut, er könnte ja ganz normale Schokolade kaufen, wie zum Beispiel der billige Kopie von dir, den Goldbären. Das ist ja zum Lachen, sie haben aus dem Osterhasen einen Bären gemacht. Und was ist der Sinn dahinter? Gibt es einen? Oder werden wir von den Marketingprofis auf ein neues Produkt vorbereitet: Einen Bäsen und seinen Bruder, den Hasär? Solange du in meinem Herzen bist, hat da so ein blöder Bär keine Chance.

Ich freue mich, schon dein Abbild zu verzehren. Zuerst die Ohren abbrechen, die haben am meisten Schokolade drin. Dann in kleinen Stücken den zerbröselten Kopf und Körper im Munde zergehen lassen und am Schluss noch den festen Boden vernaschen. Einmal im Jahr so richtig schokoladenmässig reinhauen!

Und wer weiss, vielleicht sehe ich dich dieses Jahr schon im Dezember wieder.

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