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Lovekitchen KolumneThe Making of a Cookbook # 3

Mittwoch, 25. Mai 2016
Making of a Cookbook by Eschi Fiege
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Eine Idee haben Teil 2: Die Springer

Im Gegensatz zu den Schleichern, die, wie ich letztes Mal erzählte, sanft und schüchtern herumschleichen, bis sie sich zeigen, legen meine Springer-Ideen jedes Mal einen gekonnten Auftritt hin. "Light and Music on", heißt es da und tataaa!: Umgeben von einem Kranz dynamischer Aha-Strahlen leuchtet die Idee vor meinem inneren Auge auf! Mitten in einem Gespräch, auf einem Spaziergang, in der Badewanne, auf dem Klo, beim Kochen, oder sonst wo. Eine Springer-Idee hält sich an keine Regeln. Sie ergreift plötzlich und unerwartet Besitz von mir, sie zieht mit Sack und Pack ein und ist einfach da!

Jetzt heißt es - wie bei den Schleichern auch - schnell sein. Meine Ideen, egal ob Schleicher oder Springer, sind flüchtig und zeigen sich nur für einen sehr kurzen Augenblick in ihrer ganzen Kraft. In solchen Momenten habe ich schon öfter Menschen, die mich nicht gut kennen, und auch solche, die mich kennen, vor den Kopf gestoßen.

Eschi Fiege Wien Portrait

Ich rase dann nämlich mitten im Satz wie von der Tarantel gestochen zu meinem Schreibtisch, fummle auf der Suche nach Stift und Zettel in meiner Tasche herum, höre nicht mehr zu oder springe vom Tisch auf, um beim Kellner Stift und Zettel einzufordern, bin vollends abwesend und lege auch sonst seltsames Verhalten an den Tag; solange, bis ich die zappelige, leuchtende Erscheinung erfasst und niedergeschrieben habe. Erst dann kehrt wieder Ruhe, mein gewohntes soziales Verhalten und mein Benehmen kehren zurück. Ich entschuldige mich an dieser Stelle bei meinen Freunden und bedanke mich für ihre Geduld.

Noch eine Sache: Ich habe eine ganze Menge verschiedener kleiner und großer unterschiedlich vollgeschriebener und gezeichneter Notizbücher und Zettelsammlungen, die ich ALLE aufhebe. Manche meiner Ideen, ob sie nun in Nebelschwaden heranwabern oder mich frech anspringen, kommen nämlich zur Unzeit. Die passen dann zu keinem meiner aktuellen Projekte und müssen noch warten, bis ihre Zeit kommt. Oft  sind sie nur ein kleiner Mosaikstein in einem anderen Projekt, das ich manchmal noch gar nicht kenne oder an das ich im Moment gar nicht denke. Was wohin gehört, ist nicht immer eindeutig.

Manche Ideen lassen sich nur aus vielen kleinen Versatzstücken zu einem Ganzen zusammenfügen. Andere sind von Anfang an ein eigenes abgeschlossenes Universum. Wie auch immer, aufschreiben muss ich sie alle - und aufheben eben auch. Wer weiß, wann ich was brauche. Ja, ich gebe es zu: Ich bin ein Ideen-Messie. Es macht einfach zu viel Spaß, alte Notizbücher zu durchstöbern und zu entdecken, was einem schon alles eingefallen ist.* Und manchmal passt plötzlich ein kleiner Gedanke perfekt zu einer neuen Idee. Da freue ich mich dann!

An dieser Stelle möchte ich mal sagen, dass ich absolut und 100% für das bedingungslose Grundeinkommen bin. Denn dann bräuchte niemand mehr an all diese unpoetischen, schrecklich komplizierten und hinderlichen Existenzfragen denken. Das gehört im Grunde nicht hierher und eigentlich eben doch. Das Disney-Prinzip besagt nämlich, dass man beim Entwickeln von neuen Ideen - dem sogenannten Brainstorming - dem "Inneren Kritiker" und allen anderen Verhinderern Sprechverbot erteilen soll! Dem inneren Kaufmann übrigens auch.

Das leuchtet ein, denn wie soll sich eine Idee durchsetzen, wenn sie bei ihrem ersten Auftauchen sofort in Grund und Boden kritisiert wird? Zu langweilig, zu wenig neu, zu teuer, zu altmodisch, zu schwer zu verstehen, zu irgendwas. Später irgendwann, wenn die Idee formuliert ist, kann man den Kritiker um seine Meinung bitten, dann ergibt es Sinn zu überlegen, wo eventuelle Schwächen der Idee liegen. Danach kann man sie in Beziehung zur Welt setzen und schauen, ob sie da wirklich bestehen kann.

Mein Kritiker hat mich oft erfolgreich davor bewahrt, halbgare oder wenig gute Ideen zu veröffentlichen. Danke, lieber Kritiker! Aber - und das ist wirklich wichtig - den Kritiker-Dobermann dürfen wir nur an bestimmten gut ausgewählten Punkten von der Leine auf eine Idee oder eine Projekt loslassen, dann ist es sinnvoll, ansonsten bleibt er, wo er ist. In seiner kleinen Kritikerbox und starrt dort Löcher in die Luft oder macht sonst was. Das ist mir eigentlich egal.

Nächstes Mal geht es weiter mit: Eine Auswahl treffen oder Präsentationen und Sollbruchstellen

* Vieles, was in meinen Notiz-Büchern steht, bleibt auch da drin - und das ist gut so, denn nicht jede Idee, die mich anspringt, ist auch eine gute Idee.

Wien
Lovekitchen Kolumne – The Making of a Cookbook # 3
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