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Die Gemäldegalerie Unser Sommerspecial der Berliner Kunst-Institutionen

Mittwoch, 02. Juni 2021
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Adresse

Gemäldegalerie Berlin
Matthäikirchplatz
10785 Berlin-Mitte
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Wie angekündigt starten wir in die Sommermonate mit unserer #Kulturfindetstadt Sommerserie, in der wir einige unserer liebsten Kunst-Institutionen in Berlin neu vorstellen. Das passiert im zweiwöchigen Rhythmus damit alles schön sacken kann und wir uns Zeit lassen können, um auf die Einzelheiten einzugehen. Immerhin handelt es sich doch ausnahmslos um absolute Schwergewichte mit internationalem Renommee! Nehmen wir zum Beispiel die ehrwürdige Gemäldegalerie, mit der es diesen Monat losgeht.

Die Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen europäischer Malerei vom 13. bis zum 18. Jahrhundert. Die Sammlung wurde seit der Gründung im Jahre 1830 nach kunsthistorischen Gesichtspunkten aufgebaut und wird immer wieder vervollständigt. Ihren zahlreichen und unvergleichlichen Meisterwerken aller kunsthistorischen Epochen verdankt die Sammlung ihren heutigen Weltrang; da wäre zum Beispiel Rembrandts Meisterwerk "Susanna und die beiden Alten".

Rembrandt, Susanna und die beiden Alten, 1647  Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie Christoph Schmidt
Rembrandt, Susanna und die beiden Alten, 1647  Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie Christoph Schmidt (1)
Ausschnitt_ Konrad Witz, Die Königin von Saba vor Salomo, Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie Jörg P. Anders
Ausschnitt_ Konrad Witz, Die Königin von Saba vor Salomo, Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie Jörg P. Anders  (1)

Im Fokus steht die alttestamentliche Geschichte der Susanna. Susanna ist die tugendhafte Frau eines reichen Mannes, die beim Bade von zwei alten Richtern beobachtet und durch verleumderische Erpressung zur Unzucht gedrängt wird (der sich Susanna verweigert). Wann hat Rembrandt dieses Gemälde gemalt? – In drei Etappen zwischen 1635 und 1647, also über einen Zeitraum von 12 Jahren. Was hat der Prophet Daniel mit Susannas Rettung zu tun und warum ist diese biblische Geschichte bis heute in der Rechtssprechung wegweisend? – Weil sie den auch heute noch wichtigen Grundsatz der unabhängigen Zeugenbefragung betont.

Oder betrachten wir das geheimnisvolle Werk eines unbekannten Meisters aus Antwerpen, das um 1520 entstand und die heilige Maria Magdalena zeigt. Warum dieses Werk so besonders und damit auch zu den Lieblingswerken von Dr. Jan Friedrich Richter zählt, einem wissenschaftlichen Mitarbeiter der Gemäldegalerie, der sich für ein Ausstellungsprojekt zur Kunst der Spätgotik verantwortlich zeigt, erzählt er uns hier.

Um das Ganze etwas in Kontext zu rücken: Maria Magdalena ist nicht nur eine höchst kontrovers diskutierte Figur des Neuen Testaments, sie wurde auch unzählige Male in der Kunstgeschichte verewigt. Eben aber fast ausschließlich mit offenem, wallenden Haar, welches symbolisch damit gleichzusetzen ist, dass sie eine “loose woman“, eine Sünderin, war.

Gleichzeitig war sie die engste Vertraute von Jesus und die Einzige, die während der Kreuzigung und bis zu seinem Tod ausharrte (alle anderen Apostel flohen und versteckten sich) und dann auch Zeugin seiner Auferstehung wurde. Zum ersten Mal als Sünderin wurde sie im 6. Jahrhundert durch Papst Gregor dargestellt, der sie einfach mit der im Lukas-Evangelium beschriebenen anonymen Sünderin gleichstellte die Jesus die Füße wusch (deswegen zählt der Salbentigel zu ihren klassischen Heiligenattributen), und sie damit für Jahrhunderte diskreditierte.

Wenn wir uns nun die Darstellung der Maria Magdalena des unbekannten Meisters ansehen, fällt uns nicht nur ihr ordentliches hinter einer Haube verstecktes Haar auf, sondern der ganz offensichtlich leere Salbentiegel, den sie in der Hand hält.

Für mich fühlt es sich fast so an, als ob dieser unbekannte Meister Maria Magdalena ihre Würde zurückgeben wollte. Das alles sind natürlich höchst subjektive Überlegungen, keine Frage! Ohne Zweifel kann man anhand dieser zwei Gemälde eindrucksvoll erkennen, wie schnell man sich in der Geschichte dieser Meisterwerke (in ihrer Entstehung und Dargestellung) verlieren kann. Down the rabbit hole der Kunstgeschichte, ein zeitloser und immer wieder neu zu entdeckender Schatz.

Rund 1000 Schätze sind es um genau zu sein in der Gemäldegalerie, die sich auf 72 Säle (!) und Kabinette verteilen. Sammlungsschwerpunkt ist deutsche und italienische Malerei des 13. bis 16., sowie die niederländische Malerei des 15./16. Jahrhunderts. Da empfiehlt es sich in jedem Fall vorher ein paar besonders interessante herauszusuchen, auf die man sich etwas konzentrieren kann, damit man nicht verloren geht in all der Pracht.

Mit rund 130 Objekten gerade erst angelaufen ist zum Beispiel die erste umfassende Ausstellung im deutschsprachigen Raum. die sich ausschließlich der Kunst der Spätgotik widmet, darunter hochkarätige Leihgaben. Der Fokus in dieser Ausstellung liegt auf den fortschrittlichen Tendenzen der langen Übergangsphase zwischen dem Mittelalter und der Neuzeit. Und damit wären wir wieder im Heute angekommen. Fast Schade eigentlich, oder?

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