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Die neue FreiheitMichael Hetzingers Leben mit Hund

Freitag, 16. März 2018
Kolumne Michael Hetzingers Leben mit Hund 17

Eigentlich dachte ich immer, wir hätten das ganz gut hingekriegt mit der Erziehung. Vielleicht klappt nicht alles genau so, wie es im Ratgeber steht, aber das ist ja auch realistischer. Wir wollen auch keine Helikopter-Herrchen sein. Klar, an der Leine laufen klappt weniger gut (#Poller). Aber sonst ist Hertha alles in allem immer recht folgsam.

Seit geraumer Zeit nimmt sie sich jedoch – vor allem im Park – ganz neue Freiheiten raus. Fast schon legendär ist ihre Ballsucht. Ich konnte mich immer darauf verlassen: wenn ich den Ball werfe, rennt sie hinterher und bringt ihn zurück. Jetzt kommt es aber immer mal wieder vor, dass sie den Ball einfach ignoriert. Allerdings nicht konsequent, sondern völlig überraschend ohne Vorwarnung. 

Wir werfen ein paar mal, alles ganz normal wie immer. Und aus heiterem Himmel schaut sie dem fliegenden Ball nur hinterher, bleibt aber sitzen. Guckt mich an, als wolle sie sagen: „Ach nö, aus der Ecke will ich den Ball jetzt aber nicht holen“. Selbst nach Aufforderung von mir – nichts zu machen. Als ob sie mich ärgern will. Und natürlich klappt es auch. Ich muss dann den Ball selbst holen. Hertha spielt mit mir Apportieren.

Überhaupt zeigt sie im Park ein ganz neues Selbstbewusstsein: sie marschiert fröhlich dort hin, wo sie will. Gelernt hat sie, sich beim Spazieren gehen an Herrchen zu orientieren. Auch wenn sie mal kurz eine andere Richtung einschlägt, schaute sie doch immer wieder, wo ich bin und kommt hinterher. Bei Ausflügen klappt das nach wie vor prima.

In ihrer Hood, dem Weinbergspark, führt sie sich aber seit Neuestem so auf, als sei sie ihr eigenes Frauchen. Independent Hertha. Sobald ich sie im Park von der Leine lasse, marschiert sie schnurstracks los. Und zwar nicht nur wie sonst ein paar Meter weiter, sondern ans andere Ende des Parks. Ohne sich umzudrehen.

Es ist auch nicht so, dass sie dort ein Ziel hätte, zum Beispiel einen Park-Freund. Dort angekommen, schnüffelt sie ein bisschen und dann geht es weiter – in die andere Ecke des Parks. Hin und her. Und ich immer hinterher. Hertha geht mit mir Gassi.

Eigentlich gibt es nur zwei Erklärungen: entweder waren wir extrem erfolgreich bei der Erziehung. Hertha ist ein eigenständiges, selbstbestimmtes Wesen geworden und trifft ihre eigenen Entscheidungen. Sie ist fit für die Welt da draußen und braucht uns nicht mehr. Dann kann sie jetzt eigentlich ausziehen. Oder sie hat es irgendwie geschafft, den Spieß umzudrehen: ich Hund, sie Mensch.

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