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BerufspraxisMichael Hetzingers Leben mit Hund

Montag, 10. Juli 2017
Hertha the dog relaxed auf dem Sofa

Manchmal glaube ich, Hertha ist größenwahnsinnig. Wie kann so viel Selbstbewusstsein in so einem kleinen Bisschen Hund stecken? Vielleicht haben wir ihr in der Erziehung versehentlich die Message mitgegeben: "Wenn du groß bist, kannst du alles werden, was du willst!". Dabei ist ja sie gar nicht wirklich "groß" geworden. Aber aus ihrer Warte scheinbar schon. Und so probt sie fröhlich einen Berufswunsch nach dem anderen.

Wenn wir einen gemütlichen Serienabend zu Hause machen, versucht sie sich als Zirkusdompteur. Ist auf dem Bildschirm ein anderer Hund zu sehen oder zu hören, wacht sie schlagartig aus ihrem Fernsehschläfchen auf, rennt direkt vor den Fernseher und bellt die Glotze an. Natürlich zeigt ihr Gegenüber keinerlei Reaktion. Das hält sie keineswegs auf. Sogar die Wölfe aus Game of Thrones werden gefährlich angeknurrt und in ihre Schranken verwiesen. Na ja, auf dem Fernseher sind die ja auch viel kleiner.

Gassi-Gehen ist für sie ein Synonym für Abschleppdienst. Denn eigentlich geht sie mit mir Gassi und nicht umgekehrt. Sie zieht so überzeugt an der Leine, wenn sie in eine bestimmte Richtung will, als wäre sie die Schwerere von uns beiden. Ist sie überraschenderweise natürlich nicht. Sie scheint aber völlig davon überzeugt zu sein, mich hinter sich her ziehen zu können. Vielleicht kauf ich mir einfach mal ein Skateboard, das hat sie dann davon.

Ist Seilziehen ein Beruf? Vielleicht bei den Highland Games in Schottland. Dort fahren wir einfach mal hin und lassen sie antreten. Sie ist nämlich der Meinung, dass sie beim Seilziehen jeden schlagen kann. Mit voller Kraft stemmt sie die Vorderbeide in den Boden und bewegt sich rückwärts im Kampf ums Spielzeug. Blöd nur, wenn sie dabei auf einem Teppich steht – der rutscht nämlich unter ihr weg, legt sich in Falten und sie läuft auf der Stelle. Oder müssten wir ihr dazu auch das Dudelsack-Spielen beibringen? Probieren würde sie es garantiert.

Beim Spazierengehen verwandelt sie sich in einen Schwertransporter – mit Gefahrengut. Kleine Stöckchen lässt sie links liegen, die großen haben es ihr angetan. Wenn sie einen Stock findet, der ungefähr ihre doppelte Körperlänge hat, schnappt sie in sich und schleppt ihn mit. Manchmal 10 Minuten lang. Das Gewicht scheint keine Rolle zu spielen und auch nicht die Tatsache, dass der Stock über den Boden schleift.

Man müsste eigentlich ein kleines rot-weißes Fähnchen an das Ende des Stocks hängen, so weit ragt er raus. Meistens kriegt einer der menschlichen Mitläufer den Stock an die Wade geknallt, wenn sie vorbeirennt. Woher soll sie auch wissen, dass sie links und rechts von sich mehr Platz freilassen muss, wenn sie einen zwei Meter langen Stock quer im Maul hat? Ich freu mich jetzt schon, wenn wir im Winter in den Wald gehen: dann bringt sie Brennholz für den Kamin mit nach Hause. Was wäre das dann für ein Job? Knecht Ruprecht?

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