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Fashion Week Spezial 1Ivanman & Nathini Van Der Meer

Mittwoch, 05. Juli 2017
Ivanman Show Fahion Week Juni 2017

Das alte Kaufhaus Jahndorf in der Brunnenstraße in Berlin-Mitte präsentiert sich diese Woche zum zweiten Mal als Veranstaltungsort der Berlin Fashion Week. Der grobe Betonbau mit unsauber verputzen Wänden, haushohen Decken und abgeplatztem Stuck versprüht urbanen Flair und verkörpert perfekt den Hauptstadt-Charakter.

Von hämmernden Beats begleitet, eröffnete heute das Männerlabel Ivanman die Berlin Fashion Week. Wenn es nach dem Designer Ivan Mandžukićis geht, tragen Männer in der kommenden Saison den Blaumann – und damit ist nicht die klassische Arbeiterkluft, wie man sie aus den Werkstätten kennt, gemeint. Der gebürtige Serbe hat mit seiner Interpretation die unbedeutende Arbeitskleidung um eine modische Note ergänzt.

Männer tragen schmal geschnittene Overalls überwiegend in einem intensiven Kobaltblau. Schlaue Details ergänzen die uniforme Arbeitskleidung: Durch fast alle Looks ziehen sich Schnürungen mit lang herabhängenden Kordeln in knalligen Farben wie Türkis, Gelb und Orange. Kombiniert wird der neu-verfeinerte Blaumann Ton in Ton oder mit Schwarz in Form von kastig geschnittenen Jacken und langen Mänteln mit aufgesetzten Taschen.

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Ein Stilmerkmal der Kollektion sind Westen, die an die ikonische Anglerweste von dem deutschen Aktionskünstler Joseph Beuys erinnern. Ivan Mandžukićis ist ein knallblaues Zusammenspiel von Kunst und Arbeit gelungen. Mit seiner Kollektion macht er ein eindeutiges Versprechen: Der kommende Sommer wird für Männer kobaltblau – und das in einem Klassiker aus der Werkstatt.

Während Ivanman schon länger Teil der Fashion Week in Berlin ist, zählt Nathini Van Der Meer noch zu den Newcomern. Am Abend präsentierte sie ihre Kollektion für den Frühling/Sommer 2018 und sorgte zu Beginn für irritierte Blicke und Verwunderung – diese Show hatte nichts mit einer klassischen Kollektionsvorstellung gemeinsam.

Es braucht etwas Zeit, bis man begreift, dass Nathini van der Meers Show bereits mit dem Betreten der Halle angefangen hat. Pop-Art Kunstwerke der Künstlerin Bärbel Rothhaar hängen an Säulen. Sie zeigen Persönlichkeiten aus Nathini van der Meers Freundeskreis, wie die Berliner Hair und Make-up Artistin Stella von Senger. Dass die auf den Bildern abgebildete Kleidung van der Meers neue Kollektion ist, zeigt sich später.

Noch während sich die Zuschauer fragen, was die Kunstwerke zu bedeuten haben, geht das Licht aus und grelle Scheinwerfer deuten den Weg des Laufstegs. Dramatische Musik setzt ein und das erste Model schreitet an den Zuschauern vorbei, die teilweise noch mitten in der Halle stehen. Eines wird beim Anblick der Designs schnell klar – Nathini van der Meers Kollektion distanziert sich klar von dem Berliner Minimalismus und gedeckten Farben. Stattdessen wird die Kollektion von wilden Stil-Mix bestimmt.

Streetwear-Kleidung auf extravagantem Niveau: Markante Kleidungsstücke der Kollektion sind verschieden farbige Rollkragenpullover. Wie schon bei ihrer letzten Kollektion mixt sie unterschiedliche Materialien und spielt mit der Bearbeitung von Materialoberflächen, so dass die Vorderseite einiger Hosen einer Patchwork-Arbeit gleicht.

Die aktuelle Kollektion der Designerin, die ihren Abschluss in Modedesign an der Universität der Künste machte, versprüht zweifelsohne gute Laune. Hornbrillen, bunte Socken, Handschuhe und Bomberjacken mit aufgestickten Statements, wie "Softballs" oder "Words" sind prägnante Merkmale und erinnern an die Kollektion von Gucci für Frühling/ Sommer 2017, die uns zurück in einen Nachtclub der 70er Jahre katapultierte.

Bei anderen Shows laufen Models zum Schluss gemeinsam hintereinander über den Laufsteg, Nathini van der Meer bricht aber auch am Ende mit alten Mustern. Ihre Models gruppieren sich inmitten der Kunstwerke so, dass sie einem Gesamtkunstwerk gleichen. Die Designerin scheint erleichtert und umarmt ihre Models, bevor sie aus dem Raum verschwindet und die Show mit einer musikalischen Live-Performance des Sängers Better Person beendet wird.

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