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Lovekitchen Kolumne – The Making of a Cookbook # 2

Mittwoch, 06. April 2016
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Eine Idee haben Teil 1: Die Schleicher

Wie viele Romane sind bereits geschrieben, wie viele Gemälde gemalt, wie viele Filme gedreht, Theaterstücke aufgeführt, Fotos gemacht, Lieder geschrieben und Platten aufgenommen? Und warum ist von diesen Abermillionen Werken keines wie das andere? Liegt es einfach daran, dass wir nicht alles kennen können, um gleiche Ideen zu entdecken? Oder liegt es daran, dass Ideen-haben zu unserem Wesen gehört wie atmen, essen und schlafen? Und der Quell, aus dem sich unsere Ideen speisen, wie das Leben selbst und daher unerschöpflich ist? Ich habe darauf keine Antwort.

Bei mir ist es so, dass es zwei Arten von Ideen gibt. Die Schleicher und die Springer. Egal, ob ich berufsbedingt Ideen haben muss. Mir also über ein bestimmtes Thema den Kopf zerbrechen muss, oder ob ich frei aus mir schöpfen darf – die Ideen kommen wann und wie sie wollen. Ob sie sich leise anschleichen oder mich unerwartet anspringen entscheiden sie selbst. Ich kann nur für eine grundlegende Atmosphäre sorgen, in der sie sich wohl fühlen. Das ist im Grunde das Wichtigste am Ideen-haben. So zu leben, dass sie gerne zu einem kommen.

Die erste Sorte – die Schleicher ziehen langsam, wie einfallender Nebel in mir herauf. Sie wandern auf Samtpfoten durch meinen Geist, als würden sie sich erst mal ansehen, ob sie hier überhaupt auftauchen möchten. Sie machen sich zaghaft breit, tauchen manchmal kurz irgendwo am Rande meiner Wahrnehmung auf, nur um gleich wieder zu verschwinden. Das macht mich ganz verrückt! Ich fühle mich dann wie in einem schlechten Horrorfilm, in dem eine weiße Frau spukend durchs Haus geistert. Davon darf ich mich nicht beirren lassen, denn irgendwann, darauf kann ich mich verlassen wie auf die wandelbaren Phasen des Lebens, lichtet sich der Nebel. Und dann steht sie da, meine Idee.

Sie breitet sich genüsslich vor mir aus, lässt sich in aller Ruhe betrachten und sogar aufschreiben. Meist geschieht das mitten in der Nacht oder frühmorgens, wenn der Rest der Welt schon oder noch schläft. Deswegen habe ich immer Stift und Zettel neben meinem Bett liegen. Ideen sind sensibel, schenke ich ihnen nicht die gebührende Aufmerksamkeit und denke: „Die ist so gut, diese Idee, an die erinnere ich mich auch morgen noch“ - und schlafe einfach weiter, dann täusche ich mich gewaltig! Wenn ich den Moment nicht nütze, geht sie wieder. Eine glänzende Idee sitzt doch nicht die halbe Nacht an meinem Bett und wartet, bis ich endlich etwas Zeit für sie erübrigen kann. Das lassen sich meine Ideen nicht gefallen. Die hauen ab – und kommen nicht wieder. Diese Idee ist dann erst mal verloren. Ich kann es ihr nicht verübeln!

Selbst wenn es mir gelingt – was selten ist - sie zu überlisten noch einmal zurückzukommen, indem ich mich dem Moment, in dem sie sich mir das erste Mal vollständig zeigte, erinnernd schrittweise annähere, hat sie ihre hell scheinende, funkelnde Magie meist verloren. Besser ist es da, sie vorerst aufzugeben, sie in Ruhe zu lassen. Vielleicht kommt sie zu einem späteren Zeitpunkt doch noch mal in aller Schönheit wieder. Wenn ich dann noch Interesse an ihr habe, dann kann es klappen. Für den Moment ist’s jedenfalls vorbei! Das ist wie in der Liebe: Timing ist entscheidend! Auch bei den Springern, von denen ich jedoch erst das nächste Mal erzählen möchte.

Lovekitchen – Kolumne

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Making of a Cookbook by Eschi Fiege
Eschi Fiege Wien Portrait
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