More
follow creme guides on

Paleo Ernährung – Genießen wie in der Steinzeit

Freitag, 16. August 2013
von

Um es gleich vorweg zu nehmen, Paleo Ernährung ist keine neue Diät. Sie ist meines Erachtens vielmehr eine Lebensphilosophie. Wer sich auf das Thema einlässt, wird über den Weg der Ernährung langfristig in vielen Bereichen seines Lebens positive Veränderungen erleben.

Nahrung ist unser Treibstoff und ebenso wie ein Auto benötigen wir die richtige Energiequelle. Ein Benziner kann nicht mit Diesel betankt werden und umgekehrt. Zumindest werden beide mit sofortigen Mängeln regieren. Im Zuge der Industrialisierung und insbesondere in den letzen Jahrzehnten haben sich jedoch zunehmend Lebensmittel auf unsere Tische geschlichen die unser Verdauungssystem nicht kennt und die die Abläufe in unserem Körper stören. Und genau hier setzt die Paleo Ernährung an.

Ich selbst begegnete dieser Ernährungsform zum ersten Mal im Restaurant Sauvage in Berlin. Ich war auf der Suche nach außergewöhnlichen Orten zum Frühstücken und hatte gehört, dass hier zur der üblicherweise kohlenhydratreichsten Mahlzeit am Tag, ausschließlich Zucker- und Getreidefreies serviert wird. Gerichte wie „gebeizter Lachs mit pochierten Eiern, Spargel und Salat“ oder „Omelette mit Gemüsefüllung“ klangen ebenso verführerisch wie „Pancakes mit Ahornsirup, Mandelmus und Himbeerkompott“.

Noch während ich die Karte studierte kam ich ins Gespräch mit Boris Leite, dem Inhaber von Europa’s erstem Paleo Restaurant. Ich erfuhr seine Lebensgeschichte und worum es bei dem neusten Trendthema am Wellness Markt überhaupt geht. Wichtigste Bestandteile der paleolithischen Küche sind das Fleisch Grass gefütterter Tiere, Fisch aus freiem Fischfang, Eier, Nüsse, Samen und hochwertige Öle sowie Gemüse in jeder erdenklichen Form.

Getreide, Zucker, Hülsenfrüchte und mit einigen Ausnahmen auch Milchprodukte tauchen auf dem Speisezettel nicht auf. Industriell verarbeitetes wird vollständig gemieden. Die Grundidee hinter alledem ist die medizinische Erkenntnis, dass unser Körper nicht in der Lage ist diese Nahrungsmittel generell oder in größeren Mengen zu verarbeiten. Sie schädigen den Darm und in Folge dessen das gesamte System.

Eines der derzeit in diesem Zusammenhang viel diskutierten Phänomene ist das Leaky-Gut-Syndrom, dessen Ursache aller Erkenntnis nach vorrangig im Konsum von Getreide zu suchen ist. Die darin enthaltenen Lektine beschädigen dabei die Darmwände derart, dass sie durchlässig für Stoffe werden, die entweder noch nicht ausreichend verarbeitet wurden oder üblicherweise ausgeschieden werden sollten. Dies hat zur Folge, dass sich der Körper mit einer permanenten Überschwemmung von unbekannten Stoffen konfrontiert sieht. Es kommt zu langfristigen und kurzfristigen Immunreaktionen sowie zu gestörten Abläufen, die sich mit Unwohlsein und Krankheiten unterschiedlichster Art bemerkbar machen. Angefangen bei Migräne und Magenbeschwerden bis hin zu Arthritis und Herzinfarkt.

An eine Vielzahl dieser Folgeerscheinungen haben wir uns schlicht gewöhnt, weil sie sich seit unserer Kindheit in unser Leben geschlichen haben und wir sie als Teil des menschlichen Alltags betrachten. Paleoliten hingegen vertreten die Überzeugung, dass unsere Gene durch falsche Ernährung kontinuierlich irritierende Informationen erhalten, die langfristig zur Schädigung von Organen, Gelenken und dem Gehirn führen. Die besten Nährstoffquellen sind ihrer Überzeugung nach die Lebensmittel an die wir seit Millionen von Jahren gewöhnt sind und die unser Verdauungssystem kennt.

Boris Leite erzählte mir von seinem persönlichen Leidensweg, der ihn dazu veranlasst hatte, eine Lösung für sein Unwohlsein zu suchen. Eine Zeit der rein vegetarischen Ernährung hatte auf diesem Weg die Symptome noch verschlimmert und nur durch einen Zufall war er auf Paleo aufmerksam geworden. Bereits nach acht Wochen dieser Ernährungsform hatte sich sein Zustand derart verbessert, dass er bis heute dem Verzicht auf besagte Lebensmittel treu geblieben ist. Wenn man den heute muskulösen und kerngesund wirkenden Mann sieht, kann man kaum glauben, dass er den größten Teil seines Lebens kränkelnd und kraftlos verbracht hatte. Das Ergebnis einer Milch- und Weißbrot-Kindheit, verstärkt durch den Umstand, dass er bereits mit 7 Monaten auf die Welt kam.

Seit Jahren suchte auch ich nach einer Erklärung für diverse Beschwerden und hatte so ziemlich alles ausprobiert, um endlich wieder richtig fit zu werden. Nichts half und ich hatte mich eigentlich schon mit Reizdarm Syndrom, schmerzenden Kniegelenken und depressiven Verstimmungen abgefunden.

Was Boris Leite mir erzählte ließ mich jedoch noch einmal aufhorchen. Die Idee von Paleo klang so plausibel und logisch wie nichts was ich bisher zum Thema Ernährung gehört hatte. Trotz zunächst stark einschränkend erscheinender Empfehlungen legte ich noch am gleichen Tag los. Kein Zucker. Kein Getreide. Keine Milchprodukte. Keine schlechten Fette. Und vor allem keine industriell verarbeiteten Lebensmittel.

Ich strich alle Paleo-Nogos vom Speiseplan und beobachtete, dass es Nahrungsmittel gab zu denen ich ein nahezu süchtiges Verhältnis hatte. Diese eliminierte ich mit besonderer Sorgfalt. Mit von der Partie: Weißbrot, Pasta, Kuchen und Eiscreme. Zu meiner großen Verwunderung fiel die Umstellung überhaupt nicht schwer. Ich aß wann immer ich hungrig war und so viel ich wollte. Hühnchen, Fisch und Eier gab es von nun an täglich, dazu Gemüse auf ganz neue und leckere Arten zubereitet. Vor allem der Umstand, dass gutes Fett im Paleo sehr wichtig ist, sorgte dafür, das die Gerichte häufig sogar besser schmeckten als so manches Gericht, dass ich aus vermeidlichem Gesundheitsbewusstsein früher fettarm genossen hatte. Gelüste auf Süßes verschwanden gänzlich, ebenso wie Heißhunger-Attacken und Antriebslosigkeit.

Ich informierte mich in den Blogs von internationalen Paleo-Spezialisten wie Mark Sisson und Chris Kresser, abonnierte den täglichen Newsletter von Mark’s Daily Apple und bestellte mir The Primal Blueprint, das perfekte Buch zum Einsteig in das Thema. Bis zum heutigen Tag habe ich nur ein mal eine Ausnahme vom Paleo gemacht und hatte dabei nie das Gefühl, etwas entbehren zu müssen. Im Gegenteil, ich war – und bin es noch! – überschwänglich ob des neuen Lebensgefühls!

An ein Problem stieß ich jedoch. Das Essen außer Haus. Ich war unter anderem Restaurant-Tester und ich fragte mich wie ich mit meinen Sonderwünschen da draußen klar kommen würde? Die ganze Welt um mich herum schien sich ausschließlich von Pizza, Pasta und Backwaren zu ernähren. Nicht ohne Grund hatte Boris Leite vor zwei Jahren sein Restaurant eröffnet, um endlich wieder unbekümmert Essen gehen zu können. Doch meine Bedenken erwiesen sich als überflüssig. Ich stieß, wohin ich auch kam, auf großes Entgegenkommen. Oft hatte ich sogar das Gefühl, dass die Küchen meine Einschränkungen als Herausforderung empfanden und Gerichte von den Änderungen profitierten.

Ich genoss Berliner Sterneküche in der Quadriga und im Rutz Restaurant. Im Alten Zollhaus aß ich die beste Entenbrust die ich je hatte. In der Weinbar Rutz gab es Wochen lang trocken gereiftes Fleisch, dass so unglaublich zart war, dass ich noch heute davon schwärme. In der Rotisserie Weingrün stand der Lachs in Flammen und im Regent Berlin wurde das Tagesmenü akribisch meinen Wünschen angepasst. Von Entbehrungen keine Spur! Beim Burger testen im Tizian und bei Burger de Ville ließ ich einfach Brötchen und Ketchup weg und gönnte mir in Form von Pommes eine Portion Kohlenhydrate.

Paleo Ernährung ist für mich eine in jeder Hinsicht schlüssige Ernährungsform, die mir zu einem völlig neuen Lebensgefühl verholfen hat. Körper und Seele kommen Dank der perfekten Nährstoffversorgung ins Gleichgewicht, ich fühle mich fitter und belastbarer denn je. Von ganz alleine kehrten auch die Freude an Bewegung und Sport zurück, was meinem Wohlbefinden ebenfalls sehr zuträglich war. Apropos habe ich erwähnt, dass man mit Paleo auch spielend leicht Gewicht verliert und sein Wunschgewicht hält? Nein? Ist aber so!

Diesen Artikel teilen
Details
Diesen Artikel teilen