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Kulturinarik & Asparagasmus – Achtung, Spargelzeit!

Es ist wieder soweit! Alle Jahre wieder und alle Jahre mehr rennt der Deutsche dem weißen Gold hinterher, wachsen in den Restaurants die Spezialkarten und geht die Produktion von Sauce Hollandaise durch die Decke. Es ist Spargelsaison.

Und "immer mehr" stimmt: Wurden im Jahr 2010 in Deutschland noch "nur" 92.000 Tonnen Spargel gestochen, so waren das letztes Jahr bereits satte 120.000 Tonnen. Und zusätzlich werden noch mal fast 30.000 Tonnen Spargel aus dem Rest der Welt dazu gekauft, weil es sonst einfach nicht reicht, um des Deutschen Spargelhunger kleinzubekommen.

Es ist deutlich: Spargel ist en vogue, quasi in aller Munde. Aber warum ist das so? Es gibt Erklärungsansätze – aufgehorcht: Der Spargel ist ein besonderer Vertreter des gerade immer hipper werdenden Trends der saisonalen Zutaten. Und bei keinem anderen Lebensmittel ist die Saison so klar endterminiert mit einem gemeißelten Datum: der 24. Juni!

Am Johannistag ist Schluss mit der Stecherei. Basta! Da könnte man jetzt fast deutschen Bürokratiewahnsinn vermuten – isses aber nicht. Der Grund ist tatsächlich eher nachhaltig: Vom Johannistag bis zum ersten Frost sind es in aller Regel mindestens 100 Tage. Und diese Zeit braucht der Spargel, um Kraft zu sammeln für die nächste Saison. Da geht er in die Sauna, macht ein bisserl Sport, lässt die Seele baumeln und regeneriert.

Weiterer Grund: Der Mensch braucht einen Grund um hektoliterweise Silvaner zu saufen. Und der passt der Überlieferung nach traditionell schon immer hervorragend zu den Gemüsestangen. Und je mehr Spargel, desto mehr Silvaner und je mehr Silvaner, desto weniger grau der Alltag!

Dann ist da noch der Gesundheitsaspekt! Besser Plural: DIE Gesundheitsaspekte! Fast nichts, was der Spargel nicht kurieren soll. Er ist, so heißt es, verstopfungslindernd, gut für die Leber (das trifft sich fein, wegen dem ganzen Silvaner), gut für die Galle (das trifft sich auch super, wegen den Litern von Hollandaise), gut gegen Diabetes, gut für die Blase, zudem antikarzinogen und ein natürliches Desfungizid.

Kurz: Aus Gesundheitssicht eine Eier legende Wollmilchsau. So gesund, dass man dazu eigentlich Essen kann, was man will und es noch immer gesund ist!

Vergessen darf man auch nicht den erotischen Aspekt. Ohja! Hehehehe. Das phallischste alle Gemüse steht (!) in dem Ruf, eine aphrodisierende Wirkung zu haben. Wuschizitätsforscher und Rammelogen meinen gar, dass es eben der Spargel ist, der den Mai zum Wonnemonat macht. Veronika, der Spargel wächst, lass uns in die Wälder ziehen. Viel Vergnügen!

Mir gefallen am Spargel auch besonders seine Freunde, die zeitgleich mit ihm Saison haben. Da hätten wir zum einen mal den Rhabarber. Der Rhabarber, das haben neuere Genderstudies unter populären Frucht- und Gemüsesorten eindeutig gezeigt, ist ein sogenanntes Transobst, nämlich ein Spargel, der im Körper eines Obsts geboren wurde.

Wahrscheinlich versteht sich der Rhabarber deshalb so gut mit der Erdbeere, die ist nämlich eine Transnuss. Biologisch eine Nuss, aber in der Seele eine Frucht – und das lebt sie auch ganz frei aus, als Königin der Beeren, die sie ist.

Diese Drei passen einfach kulinarisch hervorragend zusammen. Wer sich von dieser harmonischen Verflochtenheit selbst überzeugen will, der kann das bei diesem betörenden Abend für alle Sinne:

Am 14. Juni – im Endspurt der Stangensaison supportet der Spargel die Erdbeere in ihrer Starrolle beim Event ERDBEERMUND im Meatingraum. Und der Rhabarber schaut auch vorbei. Der sinnliche Reigen wird mit Lesungen begleitet und Getränken flankiert – und reservieren sollte man am besten gleich mit einer Reservierungsmail.

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Kulturinarik Foodkolumne_Grüner Spargel
Kulturinarik Foodkolumne_Weißer Spargel
Kulturinarik Foodkolumne_Spargelfeld
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