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Rutz Restaurant - Einfach gnadenlos gut!

Samstag, 21. Februar 2015
von

Über anderthalb Jahre war es her, dass wir das Rutz Restaurant in Mitte zuletzt besucht hatten. Damals schon waren wir so schwer begeistert, dass wir uns wohl selten einmal so sehr auf ein Essen gefreut haben wie auf dieses hier. Eine Vorfreude, die nicht enttäuscht werden sollte...

Und so wird dieser Beitrag auch hoffnungslos zu lang werden. Das weiß ich. Aber es ist mir egal, denn diesem Ort möchte ich huldigen. Er ist so ehrlich, so echt und kulinarisch zugleich dermaßen genial, dass wir uns bereits nach den Grüßen aus der Küche anfangen zu fragen, wie in dieser Stadt eigentlich die Sterne vergeben werden. Kein großes Bohei, keine Angestrengtheit. Chefkoch Marco Müller und Sommelier Christoph Geyler sorgen einfach für perfekten Genuss.

Hauchzart sind die getrockneten Gemüsescheiben mit einem Tupfer Creme, die uns begrüßen. Beim Brot nebst Fenchelbutter müssen wir uns bremsen, so gut ist es. Eine Creme und ein Espuma von Gelber Beete und Forelle begrüßen uns zum zweiten Mal, dicht gefolgt von einer Kreation aus Avocado, Schwarzbohne und Blutwurststaub, die den aufmerksamen Willkommens-Reigen aus der Küche beendet.

Das Menü beginnt und ich denke „Jetzt wird es ernst.“ Jedem einzelnen Gang möchte ich meine volle Aufmerksamkeit schenken und mich auf jedes Detail konzentrieren. Doch es geht einfach ganz beschwingt weiter. So wie es begonnen hat. Ohne großes Tamtam und ohne dem Gast das Gefühl zu geben, er müsse nun vor Ehrfurcht erstarren. Es wird einfach gut gelaunt ein perfekter Gang nach dem anderen aufgetragen, so als seien die vollkommenen Kreationen aus der Küche von Marco Müller das Selbstverständlichste auf der Welt.

Wir ringen nach Worten. Ob „Buchenlauch. Bretonische Jacobsmuschel, Topinambur & Sauerklee“ mit Geräuchertem aus dem eigenen Smoker oder auch „Perigordtrüffel. Bressepoularde & Ochsenmark, Sellerie“ mit einem Spiegelei aus Gemüse und Reduktion: wir sind hingerissen! Die Aromen, die leichte und elegante Präsentation, deren Bestandteile dennoch immer ein angenehm nährendes Gefühl hinterlassen, aber auch die Lockerheit des gesamten Abends machen dieses Menü zu einem Erlebnis, an das wir noch lange zurück denken werden.

Wir hören wie sich auch am Nachbartisch ein Gespräch über die Vergabe der Sterne entfacht. Verständnislose Gesichter bei den Gästen: „Wie kann das sein? Warum wurde hier kein zweiter Stern vergeben?“ Und obwohl die angekündigten acht Gänge zu Beginn des Abends nach viel zu viel klangen, sind wir am Ende beinahe ein bisschen traurig, als es vorbei ist, und ich muss einmal mehr an den Kleinen Häwelmann denken, der immerzu rief: „Mehr! Mehr!“

Jeden einzelnen, der begleitenden, durchweg spitzenmäßigen und perfekt mit dem Essen korrespondierenden Weine zu erwähnen, würde an dieser Stelle schlicht den Rahmen sprengen. Was der ehemalige Chefsommelier des Les Solistes jedoch zu den einzelnen Gängen kredenzt, lässt meine Begleitung am Ende im doppelten Sinne des Wortes in einem leichten Rausch zurück. Kein Tropfen, der das Essen nicht noch ein klein wenig runder macht, kein Fläschchen, das mein Gegenüber nicht für den eigenen Weinkeller mit nach Hause nehmen möchte.

Dabei weiß Geyler zu jedem der Weine ein paar Worte zu sagen. Sie sind nie zu viel und niemals aufdringlich, immer ein wenig poetisch und stets voll eigener Begeisterung für das Servierte. Vom Aperitif in Form eines Winzer Sekts aus der Kellerei ‚Raumland’ bis hin zum Apfelbrand am Ende des Menüs. Ein Sommelier mit Leib und Seele! Im vergangenen Jahr zeichnete das Rutz für die „Weinkarte des Jahres“ verantwortlich.

Am Ende möchten wir am liebsten sitzen bleiben und auf den Feierabend des Teams warten, um mit ihm zusammen zu rücken und noch ein Gläschen Wein zu trinken. Doch es ist mitten in der Woche und das Bett ruft. Das nächste Mal kommen wir an einem Freitag oder Samstag. Oder gleich an beiden Tagen: erst ins Restaurant und dann in die Weinbar.

Vier Flaschen eines „Rutz Rebellen“ vom Weingut Winning klemmen wir uns am Ende des Abends unter den Arm. Das waren die kurzweiligsten dreieinhalb Stunden, die ich in einem Restaurant je verbracht habe. Und sie waren gnadenlos gut!

Dienstag bis Samstag ab 18.30 Uhr

Restaurant Rutz
Chausseestraße 8
10115 Berlin-Mitte

email.
fon. +49 30 2462 8760

www.rutz-weinbar.de

preisniveau. € € €

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Dienstag bis Samstag ab 18.30 Uhr

Restaurant Rutz
Chausseestraße 8
10115 Berlin-Mitte

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fon. +49 30 2462 8760

www.rutz-weinbar.de

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