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Illustratorin Karin Clauss' Lieblingsorte in Berlin

Montag, 22. Februar 2016
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Reflektiert und lebensfroh konfrontiert uns die Illustratorin Karin Clauss seit über einem Jahrzehnt äußerst humorvoll mit unseren seelischen Untiefen. Dabei ist sie eigentlich Bildhauerin. Nur aus einer spontanen Laune heraus entstanden vor 15 Jahren die ersten Grußkarten, die sie damals noch aus Farbausdrucken ihrer Zeichnungen und Blanko-Karten mit der Nähmaschine zusammenfügte. Heute gibt es ihre Lebenskrise-Lösungen nicht mehr nur auf Karten. Ein ganzes Sortiment an fröhlich nachdenklichen Print-Artikeln wie beispielsweise das "Chill mal Dein Leben Kartenset", Büchlein wie "Das Alphabet zum Leben lieben" oder auch Buttons mit Sätzen wie "It is ok to be slow" sind mittlerweile zusammen gekommen und obendrein sehr erfolgreich.

In Bernried am Starnberger See ist sie geboren und in München aufgewachsen. An der Bayerischen Staatsoper wollte sie Bühnenbildnerin werden. Ein vor ihr liegendes Jahr Wartezeit füllte sie mit einem künstlerischen Orientierungs-Studiengang in England. Sie verliebte sich in das Land und blieb, um Bildhauerei zu studieren. Doch wohin danach? London war zu teuer. Nach München wollte sie keinesfalls zurück. Eine Freundin schrieb ihr eine Karte: "Berlin wartet auf Dich" stand darauf. Seither lebt sie hier. Genau genommen in Neukölln. Jobbte zunächst bei Coledampfs am Käthe-Kollwitz-Platz, wo sie aus einer Box an der Kasse heraus auch ihre ersten Karten verkaufte.

Sie verliebte sich, wurde Mutter und fand parallel Zeit, das Kartensortiment zu erweitern und den Vertrieb in Berliner Läden anzukurbeln. "Anfangs bin ich wirklich noch selbst in die Läden geschlappt, um die Karten zu verkaufen", sagt sie und muss ein wenig über Ihre damalige Naivität schmunzeln. Aber es hat funktioniert und heute gibt es ihre Motive sogar auf Stullenbrettchen und Handyhüllen. Ihre Arbeit bezeichnet sie selbst als ihre Therapie: "Ich kann mein ganzes Seelenleid auf diese Karten bringen. Sie sind meine therapeutische Fläche."

Dabei ist sie in Form von "Dr. Pferd" mittlerweile selbst in die Rolle des Therapeuten geschlüpft und erteilt über dieses Pseudonym lösungsorientierte Hilfestellung. "Dank der Karten, kann ich mich nicht in meinem Weltschmerz wälzen", sagt sie. "Ich bin gezwungen eine Lösung zu finden." Und da ihre Sprüche, Texte und Dialoge so erfolgreich sind, ist nun auch ein Buch mit dem Titel "Dr. Pferd & Mr. Bird" in Arbeit. Dazu soll es Handpuppen geben, mit denen Sie auf die Bühne möchte. – Genial diese Frau! Was wohl als nächstes kommt? Wir dürfen gespannt sein.

Ungebrochen sind ihr Lachen und ihre Schaffenskraft dabei übrigens trotz eines schweren Schicksalsschlags im vergangenen Jahr: ihre elfjährige Tochter Mia fiel schlafwandelnd aus einem Fenster ihrer Wohnung im 4. Stock und sitzt seither mit einer Querschnittsdiagnose im Rollstuhl. Das Leben steht Kopf und neben emotionalem Tohuwabohu müssen auch ganz pragmatische Dinge wie der Umzug in eine behindertengerechte Wohnung geregelt werden. Die hat sie auch schon gefunden. Im mittlerweile exorbitant teuer gewordenen heimischen Kiez. Für sie im Grunde unbezahlbar.

Aber Karin wäre nicht Karin, wenn sie nicht eine Lösung austüfteln würde. Und so schuf sie den teuersten Stempel der Welt, den "Yippie-yeah-yes" Stempel, der gegen eine Spende für Mias neues Zuhause erworben werden kann und exklusiv zur Teilnahme an einem sommerlichen Gartenfest legitimiert, wenn der Erwerb der Wohnung realisiert werden kann. Beinahe 900 Stempel konnte sie seither schon verschicken und stellt damit einmal mehr unter Beweis, dass es sich immer lohnt, sein Schicksal in die Hand zu nehmen. In einem bereichernden Interview hat sie uns trotz all der aktuellen Turbulenzen ihre Lieblingsorte in Berlin und drum herum verraten. Entdecken Sie daher in Folge die schönsten Geheimtipps "of se univörse"...

Katie's Blue Cat. In dem hübschen trubeligen Café in Neukölln gibt es den für sie besten New York Cheesecake der Stadt und dazu einen spitzenmäßigen Milchkaffee. Karins Augen leuchten. Hier kennt man sie schon. "Ich mag es, wenn es persönlich wird." Wenn sie gemeinsam mit ihrer Tochter den Laden betritt, werden die Bagels mit Avocado & Lachs immer schon direkt eingepackt. "I like it!"

La Tienda. Dieser schräge Ort in der Lignitzstraße in Kreuzberg ist einer ihrer Stammplätze zum Mittagessen. Den Inhaber Omar liebt sie für Sätze wie "Ich arbeite damit ich nicht verrückt werde" und seine klare Haltung zu allem. Er hat keinen Bock auf Croissants, bäckt aber hin und wider einen Apfelkuchen. Täglich gibt es nur zwei Gerichte: ein vegetarisches und eines mit Fleisch. Was genau wird nirgends angeschrieben. Man bestellt einfach Fleisch oder vegetarisch. "Aber schmecken tut’s irgendwie immer", sagt Karin. "Und ansonsten geht Omar sowieso lieber zum Yoga, als dass er arbeitet."

Badeschiff. Sobald das Freibad in der Arena in Treptow im Frühjahr eröffnet, ist sie unter der Woche jeden Morgen dort. Pünktlich ab 8 Uhr zieht sie dann gemeinsam mit einer Gruppe von etwa fünf eingefleischten Morgenschwimmern dort ihre Bahnen. Bei jedem Wetter übrigens!

Staatsoper. Als kulturellen Luxus bezeichnet Karin Clauss ihre regelmäßigen Besuche in dieser kulturellen Institution. Dabei ist es unerlässlich, dass sie dabei in der ersten Reihe sitzt. So nah wie möglich, möchte sie an den Sängern dran sein. "Das berauscht mich total", schwärmt sie.

Colecomp. Ihr erster Arbeitsplatz in Berlin, das Fachgeschäft für Küchenartikel, das damals noch Coledampf’s hieß, ist bis heute ihre liebste Anlaufstelle, wenn es um Küchenutensilien geht. Der Inhaber Andreas Langholz ermöglichte ihr damals den Verkauf ihrer ersten Karten und noch immer besucht sie ihn gerne, wenn sie am Samstag auf dem Wochenmarkt am Kollwitzplatz war. "Der Laden ist die ultimative Anlaufstelle für alle leidenschaftlichen Freizeitköche!"

LeseGlück. Diese Buchhandlung in Kreuzberg ist ihr ganz persönlicher "Kiezdealer". Um’s Eck von ihrer Wohnung gelegen, ist sie dort bereits seit über zehn Jahren Kundin und die beiden Inhaberinnen Susan & Eleni mittlerweile wie Freundinnen für sie. In den höchsten Tönen schwärmt sie von deren ästhetischem Empfinden und dem daraus resultierenden schönen Laden, in dem selbstredend auch ihre Karindrawing-Kollektion zu finden sind.

polli überall. In dem Laden von Pia Molitor gibt es die zauberhaftesten Accessoires und Geschenkartikel der Stadt, schwärmt Karin Clauss. Wobei die Verpackungskünstlerin obendrein auch alles immer sehr hübsch verpackt und daher ebenfalls für Hochzeits- und Partydekorationen gerne gebucht wird.

Van Loon. Das Restaurant-Schiff am Urbanhafen ist ihre feste Anlaufstelle für einen opulenten Sonntagsbrunch. Dabei ist ihr ein anderer Geheimtipp für diesen Ort beinahe noch wichtiger: "Die Fish&Chips sind die besten der Stadt" sagt sie. "Und die müssen dann unbedingt direkt am Kamin gegessen werden!"

Kantine im Rathaus Kreuzberg. Erst letzte Woche hat sie diesen Ort über ein Schild im Fahrstuhl des Kreuzberger Rathauses entdeckt. "Sparen Sie sich den teuren Eintritt für den Fernsehturm, kommen Sie zu uns in die Kantine mit dem schönsten Ausblick über Berlin" steht da doch tatsächlich geschrieben, erzählt sie lachend. "Ein schwarzer Kaffee für 1€ und dafür bekommt man dann tatsächlich die versprochene Aussicht über die Stadt. – Da hab’ ich mich gefreut!"

Gaststätte zu Linde. In Tornow bei Teupitz hat sie eine Datsche und dort direkt am Tornower See gibt es einen Gasthof namens Zur Linde. "Den gab es schon vor der Wende oder vermutlich sogar schon vor dem Krieg. Vielleicht war die Linde auch schon immer da", sinniert sie. Jedenfalls gibt es dort herrliche Hausmannskost: Schnitzel mit Bratkartoffeln und Mischgemüse – wobei sie lieber Pommes dazu isst – und Rindergulasch oder Soljanka für 2€. Alles frisch zubereitet von der Frau des Inhabers Ulli. "Die Hauptgerichte werden auf diesen ostdeutschen viereckigen Tellern serviert, die für Mischgemüse, Kartoffeln und Fleischteil eine Unterteilung haben. Der Wahnsinn!" Zum Nachtisch gibt’s einen tollen Spaziergang am See gratis dazu. "Ein echter Geheimtipp! Eigentlich sollte ich den gar nicht verraten", lacht sie und betont noch einmal: "Meine Linde!"

Die schönen Dinge von Karin Clauss gibt es übrigens auch in ihrem Online Shop www.karindrawings.de >>>

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