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Gastronom Hyun Wanners Lieblingsorte in Berlin

Mittwoch, 17. Februar 2016
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In Überlingen am Bodensee, dem "Kalifornien von Deutschland" wie er es selber nennt, ist er aufgewachsen. Hyun Wanner. Während seiner Jugend verbrachte er mehr Zeit auf dem Wasser als an Land. Wann immer Wind aufkam wurde die Schule geschwänzt, um segeln zu gehen. Am Wochenende war man binnen weniger Stunden in Nizza, um etwas zu erleben. "Zum Kotzen schön", wie der Maler Otto Dix den Bodensee einmal nannte, war es schließlich daheim. Ein Nachtleben gab es nicht. Jede Party musste selbst auf die Beine gestellt werden. Hier entwickelte er auch sein Organisationstalent. Aus der Not heraus sozusagen. Man ging sonst ein vor Langeweile.

Vor zwanzig Jahren kam er nach Berlin. Besuchte die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Schöneweide, unter den Studenten auch "schweineöde" genannt. "Da konnte man damals nicht alleine auf die Straße" sagt er "so viele Nazis gab es da." Zehn Jahre arbeitete er als Schauspieler. Musste als Sohn eines Deutschen und einer Koreanerin ständig "den Asiaten" mimen. "Irgendwann habe ich mich gefragt, ob ich mein Gesicht tatsächlich unbedingt in die Kamera halten muss." Nebenbei hatte er stets in der Gastronomie gejobbt und fühlte sich dort am Ende immer viel wohler als beim Film.

Und so gründete er 2009 mit Freunden das bis heute sehr populäre koreanische Restaurant Kimchi Princess in Kreuzberg. War dort Teilhaber und Geschäftsführer. Eine turbulente Zeit. "Irgendwann bin ich aus der Rolle aber irgendwie herausgewachsen. Die Luft war raus.“ Er wollte authentisch bleiben. Trennte sich von seinen Geschäftspartnern. Pausierte. Wurde Vater. "Irgendwann war die Zeit reif für etwas Neues, etwas Eigenes." Mit dem Interior Designer Felix Pahnke arbeitet er das Konzept für ein neues Restaurant aus, möchte weg von der ganz traditionellen koreanischen Küche. Ende 2014 eröffnet das Dae Mon am Monbijouplatz.

Nun steckt er bereits in den nächsten Projekten. Übernahm mit seinen Partnern den Betrieb der Cantina Tausend, für die mit den Gebruedern Eggert, ihres Zeichens "Kulinarische Berlin Botschafter auf der Expo" und Juan Danilo, seines Zeichens "Kulinarischer Vertreter des Landes Peru" eine ganz eigene neue Küche kreiert wurde. Seit September werden hier nun "Heutiges aus Berlin" und "Heutiges aus Peru" mit asiatischen Einflüssen serviert. Kreativ und zeitgemäß. Inspiration kommt dabei insbesondere aus dem Experimentieren mit koreanischen Aromen an deutschen Gerichten und der Küche japanischer Auswanderer, die in ihrer neuen Heimat Peru, Einflüsse der peruanischen Küche in ihre eigene traditionelle japanische Küche integrierten. Und noch ein weiteres Konzept ist parallel in Arbeit. Es ist hier zugleich Punkt 10 seiner in Folge aufgeführten Lieblingsorte in Berlin. Seien Sie gespannt...

Ixthys. Für einen Jungen, der nicht mehr von seiner koreanischen Mutter bekocht wurde, bedeutete das Ixthys während seiner ersten zehn Jahre in Berlin die Rettung. "Nirgendwo sonst bekam man zu der Zeit koreanisches Essen in der Stadt." Bis heute bezeichnet er das kleine Restaurant in Schöneberg als einen seiner wichtigsten Orte. Authentisch und lecker. Aber Achtung: Die zwei Inhaberinnen sind sehr gläubig und haben am Sonntag immer geschlossen. "Am Tag des Herrn wird nicht gearbeitet."

Franz & Joseph. Der Plattenladen auf der Kastanienallee ist bereits seit zwanzig Jahren sein ganz persönlicher Plattendealer. Ganze Romane könnte er füllen über die Platten, die er dort erstanden hat. Der Inhaber Uwe gilt als etwas schroff. Er selbst komme aber gut mit ihm aus.

Comenius Garten. Drei Jahre hat er auch mal in Neukölln gewohnt. Einer seiner damaligen Lieblingsorte war diese "Oase hinterm Gartenzaun." Man musste einen Türöffner drücken, um eintreten zu können. Die Anlage gibt es noch immer. "Es könnte nur sein, dass dort mittlerweile viele Hipster rumhängen", sagt Wanner lachend. "Eigentlich ist es wohl ein Lehrgarten für Schulklassen. Für mich war es das Paradies."

Rogacki. In diesen Feinkostladen mit "Stadtküche" geht Wanner tausendmal lieber als ins KaDeWe. "Bis heute ist das ein Familienbetrieb mit nur einer Wirkungsstätte", erzählt er begeistert. Er mag den alten Westberliner Charme auf der etwas ausgestorbenen Wilmersdorfer Straße. "Hier gibt es den besten Kartoffelsalat" sagt er mit leuchtenden Augen. Dazu ein Schollenfilet oder Prager Schinken. "Perfekt!"

Schlosspark Charlottenburg. Nahezu jeden Sonntag ist er in dem "schönsten Park Berlins" unterwegs und geht mit seinem Vater dort spazieren. Drei Generationen Wanner Männer – Vater, Sohn und Enkel – drehen dann dort ihre Runde. "Ein wöchentliches Ritual sei das mittlerweile geworden."

Lon Men’s Noodle House. "Viel zu spät bin ich auf diesen genialen Taiwanessen aufmerksam geworden", sagt Wanner. Die halbe Karte habe er jetzt aber schon durch. "Und die andere Hälfte folgt in Kürze", ergänzt er. Alles sei authentisch und lecker. "Das ist keiner dieser hippen Trend-Streetfood-Läden. Eine große Entdeckung!". Das findet übrigens auch der Weinhändler Holger Schwarz, der diesen Ort ebenfalls zu seinen Lieblingsorten zählt.

Udon Kobo Ishin. In diesem neueröffneten Nudelsuppenladen am Hackeschen Markt ist er aktuell mindestens zweimal in der Woche zum Businesslunch. Obwohl Ishin eine Kette ist, seien die Suppen sehr authentisch und er selber süchtig danach. Sein persönlicher Favorit: "Niku Udon".

Neu Venedig. Köpenick sei ja ganz generell schon sehr malerisch mit all seinen alten Villen, aber das Inselgebiet, das den Namen Neu Venedig vollkommen zurecht trage, sei schon etwas ganz Besonderes. Das Gutbürgerliche. Der noch immer leicht spürbare Ost-Charme. Zur Spargelzeit geht es dann immer mit dem Fahrrad in einen der zahlreichen Biergärten. Er schmunzelt: "Zusammen mit all den anderen gemütlichen Fahrrad-Ausflüglern."

Museumsinsel. Sein täglicher Fußweg vom Dae Mon am Monbijouplatz zu seinem Büro im Admiralspalast führt ihn stets über die Museumsinsel. Regelmäßig freue er sich dann darüber, dass er arbeiten kann, wo andere Leute Urlaub machen. Besonders schön sei es, wenn die Sonne scheint: Die alten Gebäude. Auf der Brücke die Ziehharmonika-Spielerin. "Wie im Paris der 20er Jahre", erzählt er mit leuchtenden Augen.

Kastanienallee 49. Hier am alten Dreh- und Angelpunkt der 90er Jahre soll sein nächstes, noch geheimes Projekt entstehen. "Die Straße hat mir immer viel bedeutet, war aber die letzten zehn Jahre auf dem absteigenden Ast", sagt er. "Das ganze Leben hat sich hier damals abgespielt. Am Abend brachte sie einen zum Feiern nach Mitte und am frühen Morgen wieder zurück nach Hause. Einfach jeder wohnte hier damals ganz in der Nähe. – Oder gab es mindestens vor." Er lacht. "Später nannten wir sie wegen des Schaulaufens dann alle nur noch die 'Casting Allee'." Er ist sehr gespannt wie es mit der Straße weitergeht. Und wir darauf, was dort geplant wird. Es kann ja nur gut werden!

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