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Weinhändler Holger Schwarz' Lieblingsorte in Berlin

Dienstag, 09. Februar 2016
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Seit 1996 ist der gebürtige Pfälzer Holger Schwarz in Berlin. Als Spross einer Winzerfamilie zog es ihn nach absolvierter Ausbildung in der Gastronomie in die pulsierende Großstadt. Alles war im Wandel. Alles neu und spannend. Bis heute geht der vielleicht beste Naturwein-Kenner der Stadt gelegentlich gerne in Clubs zum feiern. Und das obwohl auch ihm diese Abende mittlerweile unverhältnismäßig lange nachhängen. Aber nach all den Jahren verspüre er einfach noch immer diesen Nachholbedarf, er sei schließlich ein "Landei".

Vielleicht ist aber genau jene anhaltende Lust auf Berlin, aufs Leben, auf Extreme und überraschende Momente verantwortlich dafür, dass er sich 2006, als er die Weinhandlung Viniculture übernahm, dazu entschloss, diese komplett umzukrempeln. Zehn Jahre hatte er dort gearbeitet, nun wollte er sein eigenes Ding machen. Naturweine faszinierten ihn schon damals. Lange bevor sie Einzug auf die Weinkarten der führenden Restaurants der Stadt hielten.

Wen wundert’s: sind diese "Bio-Weine in aller Konsequenz" nicht am Ende wie das Wein gewordene Leben in der Berliner Club-Szene? Als "polarisierend, wild, ungezügelt und energiegeladen" beschreibt Schwarz seine Weine selbst. Wie sonst würde man das 'Berghain' beschreiben? Und so wenig, wie man dort ganz genau weiß, was der jeweilige Abend bringen wird, schmeckt auch bei Naturweinen jede Flasche ein kleinwenig anders, als die Flasche des gleichen Weins zuvor.

Heute bietet Viniculture das breiteste Angebot an Naturweinen in ganz Berlin. Zur wachsenden Kundschaft zählen dabei neben führenden Berliner Sommeliers auch Schauspieler Christoph Walz oder Architekt Max Dudler. National und nach Österreich kann über einen angegliederten Online Shop geordert werden. Auf zahllosen Reisen trägt Schwarz immer wieder neue einzigartige Tropfen zusammen und reicht in regelmäßigen Seminaren und Workshops sein über die Jahre gesammeltes Fachwissen weiter. Wo er sich bei all dem Trubel am liebsten erholt, hat er uns am vergangen Freitag verraten...

Lon Men’s Noodle House. Bei diesem Taiwanesen mit Garküchen-Feeling auf der Kantstraße treffen sich neben eigener Landsleute regelmäßig auch die angesagten tätowierten Köche der Stadt zu Nudelsuppe und Bier aus der Flasche. Das Ambiente ist einfach, der Service flink und die Stimmung stets quirlig. Holger Schwarz' Geheimtipp: die Wantans mit Chiliöl.

einsunternull. Die für uns spannendste Neueröffnung des vergangenen Jahres hält auch Holger Schwarz für extrem gelungen. Das Interieur. Der Service. Das Ambiente. "Einfach alles auf den Punkt getroffen." Der Gast kennt die Produkte und wird mit nie mehr als drei Komponenten nicht überfordert. "Eine echte Bereicherung!"

Jubel. Jeden Sonntag zwischen 15 und 16 Uhr braucht Holger Schwarz etwas Süßes. Sonst bekommt er schlechte Laune, sagt er. Dann geht es mit Vorliebe zu Kai Michels und Lucie Babinska in die Pâtisserie Jubel nach Prenzlauer Berg. In erster Linie natürlich wegen der einmalig guten Törtchen, die dort viel leichter sind als bei der Konkurrenz. Er mag aber auch die ganze Atmosphäre in dem kleinen Café mit Blick auf die Hufelanstraße. "Ist doch immer anders als in Charlottenburg" sagt er.

Toros Tantuni. Hier gibt es den besten Döner der Stadt, sagt Schwarz. Das heißt genau genommen ist es gar kein Döner, sondern eben Tantuni – feinstes vorgekochtes Entrecôte in Würfel geschnitten und auf einer heißen Metallplatte mit Gewürzen verfeinert. Mit knackigem Salat wird es in einen frisch gebackenen Dürüm-Fladen gewickelt und schmeckt um ein Vielfaches besser als die üblichen Döner mit ihrem tranigen Geschmack. Seinen Tantuni verspeist er dann mit Vorliebe auf einer der Bänke am Oranienplatz und genießt das multikulturelle Treiben.

Eisbox. Seine sommerlichen Radtouren an der Spree entlang verbindet er regelmäßig mit einem Besuch in dieser kleinen Eisdiele in Moabit. Inhaberin Marion Schmid produziert wunderbar lockere Sorbets und Eiscreme frei von künstlichen Zusatzstoffen in Bio-Qualität. "Üblicherweise schaff’ ich maximal drei Kugeln, hier werden es auch gerne mal fünf. Dazu selbst hergestellten Eierlikör oder Caramelsauce. Wunderbar!" Seine Lieblingssorten: Tonkabohne und Schokolade-Ziegenmilch.

Stue Bar. Erneut ist es sein Rad, dass Schwarz regelmäßig in die Bar des Hotel Das Stue bringt, um dort nach ausgedehnten Stadt- und Tiergartenerkundungen einen Drink zu nehmen. Die perfekte Kombi nennt er das. Stilvoll nennen wir es!

Maître Philippe. Zu diesem Feinkostgeschäft in Wilmersdorf hat Holger Schwarz ein ganz besonderes Verhältnis, ist der Inhaber Philippe Causse doch einer der Mitbegründer von Viniculture, der sich später jedoch Käse und Feinkost zuwandte. Samstags kauft er dort alles, was er für das ausgedehnte Sonntags-Frühstück benötigt. Mit dabei immer drei Scheiben frischer gekochter Landschinken und ein Stück "Terrine de Campagne".

Literaturcafé. Das etwas abseits vom Ku’damm in der Fasanenstraße gelegene Café ist auch einer unserer absoluten Lieblingsorte. „Am schönsten ist es hier im Garten am Sonntagmorgen um 10 Uhr während der großen Ferien, wenn alle im Urlaub sind“ sagt Schwarz. Aber auch den Rest des Jahres ist im Literaturcafé alles zuverlässig gut. Sogar die Service-Mitarbeiter sind seit Jahren die selben.

Forsthaus Strelitz. Für das fantastische Essen und die Idylle an diesem Ort, nimmt Holger Schwarz gerne eine Anfahrtszeit von 1,5 Stunden in Kauf. Der Koch Wenzel Pankratz hat diesen alten Landgasthof jüngst von seinem Vater übernommen und haucht ihm seither neues Leben ein. Die Zutaten für seine Küche baut er dabei überwiegend selbst an oder bezieht sie von umliegenden Bauernhöfem. Hinterm Haus weiden die Tiere, im Gastraum herrscht nordische Modernität. Nach genussvollem Abend wird in einem der Gastzimmer genächtigt und erst am nächsten Morgen der Heimweg angetreten. Unbedingt sollte man den von Pankratz selbst produzierten Quittencidre probieren, rät Schwarz noch.

Heilandskirche Sacrow. Mehrmals im Jahr bringen ihn seine Fahrradtouren auch an diesen nahezu mystischen Ort. Von der Landzunge, auf der sich die Kirche befindet hat man einen traumhaften Ausblick auf die Havel und das gegenüberliegende Ufer. Anschließend geht es an eine leider nicht mehr ganz so geheime Badestelle in Sacrow. Wir wollen sie an dieser Stelle nicht noch öffentlicher machen, aber wer suchet, der findet.

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