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Kulinarikerin Cathrin Brandes Lieblingsorte in Berlin

Samstag, 04. Juni 2016
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Cathrin Brandes zählt regional und zunehmend auch überregional zu den gefragtesten Fachfrauen rund um das Thema Essen. Sie ist Juristin, leidenschaftliche Freizeit-Köchin, Liebhaberin jeglicher kulinarischer Genüsse, Kochbuchautorin, Fermentations-Spezialistin, Unternehmensberaterin im Food- und Gastro-Bereich und Initiatorin zahlreicher Events rund um das Thema Essen. Auf ihrem Blog Berlin Tidbits berichtet sie im Übrigen auch im Netz über neuste Trends der Food Szene.

Geboren wurde sie in Konstanz, wuchs aber im sonnigen Madrid auf. "Hier in Spanien wurde auch meine Food-Leidenschaft geweckt.", erzählt sie mit leuchtenden Augen. Schon immer gab es bei ihr zu Hause einen besonderen Bezug zum Essen. Ihr Opa väterlicherseits war Müller gewesen und ihr Vater Mühlenbau-Ingenieur. Der Großvater mütterlicherseits wiederum hatte in einer Firma für Konditoreizutaten gearbeitet und nahm sie während der Ferien regelmäßig mit in die Backstuben seiner Kunden.

Mit 16 wollte sie Konditorin werden, doch wie Eltern so sind, empfahlen sie ihrer Tochter etwas Solides. Und so ging es nach dem Abitur an einer deutschen Schule nach Freiburg zum Jura studieren und anschließend nach Berlin, wo sie ihre Zeit zunächst in Anwaltskanzleien und bei der Treuhand verbrachte.

Während Studium und Schulzeit hatte sie stets in Bäckereien, Konditoreien, Restaurants, Bars und auf Märkten gejobbt und war ihrer wahren Leidenschaft auf diese Weise immer treu geblieben. Schon als Teenager war es, zur Belustigung ihrer Eltern, eine ihrer liebsten Beschäftigungen gewesen, in Ortschaften oder Restaurants zu schauen was fehlt: Gab es einen Bäcker? Eine Eisdiele? Waren die Speisen und Getränke einer Speisekarte stimmig? Das beschäftigte sie.

Ihre wahre Liebe lies sie folglich nicht locker. Nach Jahren der Juristerei hing sie den Job an den Nagel und beschloss Köchin zu werden. Sie hatte sogar schon einen Ausbildungsplatz, als sie das Vorhaben nach einem lehrreichen Praktikum bei Starkoch Bobby Bräuer, wieder verwarf. "Irgendwie war ich doch schon zu alt, um noch einmal mit einem Mäusegehalt zu leben.", schmunzelt sie. Sie ging zurück in eine Berliner Kanzlei. Doch das Essen lies sie nicht locker.

2002 schmiss sie endgültig hin und begann sich unter dem Namen "Feinkost Brandes" einen Namen mit selbst zubereiteter Feinkost zu machen. Dabei fertigte sie alles wonach ihr war: von Marmeladen und Chutneys bis hin zu Brioche und Muffins. All das verkaufte sie, nebst spanischem Käse, auf Märkten, an Feinkostgeschäfte oder direkt an Kunden. Wonach heute kein Hahn mehr kräht, versetzte die damalige Berliner Medienwelt in Aufregung: Journalisten, Funk und Fernsehen stürzten sich auf die Aussteigerin.

Sie begann erste Caterings zu machen und entwickelte echten Ehrgeiz. 2006 ging sie für drei Jahre zu Kofler & Company, wo sie eine aufregende Zeit verbrachte, während derer sie erneut viel lernte und spannende Leute traf. Anschließend wurde sie mit ihrem gebündelten Wissen beratend tätig. Sie begann einen Blog zu schreiben, entdeckte ihre Lust am Schreiben und wurde als Autorin für erste Buchprojekte engagiert.

Nebenbei initiierte sie ein Pop-Up Restaurant namens "Speisenklub Neukölln", gründete den "foodXchange" in der Markthalle Neun und engagiert sich bei Slow Food. Sie begann sich mit Fermentation zu beschäftigen und ist heute unter dem Namen "Krautbraut" eine regelrechte Instanz zu dem Thema. Aktuell schreibt sie sogar ein Buch dazu. Für creme guides hat sie sich dennoch zwischendrin Zeit genommen, um uns ihre aktuellen Lieblingsorte in Berlin zu verraten...

Tier. Diese Bar in Neukölln wurde ihr erster Zufluchtsort, als sie vor vier Jahren in den Kiez zog. "Damals gab es hier im Kiez kaum etwas Cooles.", sagt sie. Bis zum heutigen Tage bezeichnet sie die Bar als ihren "Ort zum Verabreden!" und liebt dabei die Stimmung dort ebenso wie die guten Drinks.

Preussische Spirituosen Manufaktur. In ihrem Buch "Geistige Getränke" widmet sich Cathrin Brandes dem Thema Spirituosen aus der ganzen Welt. Auf ihren Recherchen entdeckte sie diese Perle unter Berlins alten Manufakturen – eine ehemalige Lehranstalt zur Spiritusfabrikation von 1874. "Ein Ort wie aus der Zeit gefallen", schwärmt sie. "Die alten Brennarmaturen aus Kupfer, alte Apothekengläser, große dunkle Holztische... Ein Stück kulinarischer Berlin Geschichte!"

Candy on Bone. Einen echten Wohlfühlort, nennt sie die Kombination aus Deli und Lebensmittelgeschäft, die erst kürzlich am Planufer in Kreuzberg eröffnete. "Klein, fein und vor allen Dingen sooo schön. Man fühlt sich dort ein bisschen wie in London."

Hamburger Bahnhof. Sie gehe ganz generell für ihr Leben gerne in Museen, aber der Hamburger Bahnhof sei Ihr Lieblingsmuseum in der Stadt. "Das Ambiente ist so leicht. So Kosmopolit. Dieser Ort hat einfach eine gute Stimmung." Die präsentierten internationalen Künstler seien immer wieder großartig und auch die Geschichte dieses historischen Ortes möge sie sehr.

Cordobar. Die populäre Weinbar in Mitte sei für sie der Inbegriff eines perfekt umgesetzten kulinarischen Konzeptes: "Weine mit einer unfassbar guten Küche. Die Jungs haben wirklich alles richtiggemacht. Leider bekommt man daher auch kaum noch einen Tisch", ergänzt sie ein wenig wehmütig.

Markthalle Neun. Ein "kulinarischer Brutkasten" sei die vor einigen Jahren wiederbelebte Markthalle in Kreuzberg, die sie auch als ihr zweites Wohnzimmer bezeichnet. Viele ihrer eigenen Aktionen verbinden sie mit diesem Ort und auch der von ihr initiierte "FoodXchange", bei dem selbst gemachte kulinarische Produkte getauscht werden können, ist hier beheimatet.

Shakespeare & Sons. Alles was von englischsprachigen Schriftstellern erschienen ist, lese sie auch auf Englisch. Diese Buchhandlung mit integriertem Café, die uns auch der Schriftsteller Lars Amend schon empfohlen hat, sei daher ihre regelmäßige Anlaufstelle. "Ein schöner lebendiger Ort mit der perfekten Mischung aus Kaffee und Büchern. Schöner geht’s nicht!"

König Galerie. Die grandiosen Räume dieser Galerie in der St. Agnes Kirche seien schon für sich genommen überwältigend. "Einfach faszinierend der brutale Stil!" Aber auch die ausgestellten internationalen Künstler seien immer äußerst spannend. "Ein wirklich toller Kunstort!"

Jones Ice Cream. Als sie in den 90er Jahren nach Berlin kam, hätte es nirgends gutes Eis gegeben. "Eine echte Einöde." Heute sei das Gott sei Dank anders. Der Eistruck der Französin Gabrielle Jones hat sie von Anfang an begeistert. Während eines Streetfood Wettbewerbs, bei dem Cathrin Brandes in der Jury saß, hatte Jones mit einer Kombination aus Peanutbutter-Cookie, Bacon und Salty Caramel Eiscreme gewonnen. "Der Hammer!"

Prinzenbad. Schon während ihrer Kindheit sei die ganze Familie im Sommer immer ins Freibad gefahren. In große Anlagen mit mehreren Becken und Bars. "Sommer ist für mich gleichbedeutend mit Freibad." In Berlin habe sie lange ein Äquivalent gesucht und irgendwann im Prinzenbad gefunden. Seither sei sie dem Bad treu und komme im Sommer regelmäßig hierher. Das Publikum habe sich stark gewandelt seit der 90er Jahre, aber für sie sei das Bad noch immer der "Sommerort" schlechthin.

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