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Moderatorin Britta Elms Lieblingsorte in Berlin

Dienstag, 05. April 2016
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Als ich die Journalistin und Moderatorin Britta Elm zum Interview treffe, ist sie noch voll der Eindrücke ihres vorabendlichen Einsatzes am Pariser Platz. Das Brandenburger Tor in die belgischen Nationalfarben getaucht, mit singenden und skandierenden Schülergruppen aus Brüssel davor. Selten habe sie in ihrer mittlerweile über zwanzigjährigen Laufbahn etwas derart berührt. Die anfängliche gespenstische Ruhe, die Entschlossenheit in den Stimmen der Lehrer und Schüler. Es war atemberaubend.

Ganz klassisch besuchte die gebürtige Frankfurterin zunächst die Journalistenschule, denn dass sie Moderatorin werden wollte, das wusste sie bereits als kleines Kind, nachdem sie in einer Kindersendung des Hessischen Rundfunks mitgewirkt hatte. 1986 kam sie für ein Volontariat bei Axel Springer nach Berlin. Sieben Jahre blieb sie dort als Journalistin hängen. Betreute Rock & Pop Themen und schrieb eine Klatsch Kolumne. Mit dem Fall der Mauer begann ihre bewegteste Zeit. "Ein großes Abenteuerland war die Stadt damals", schwärmt sie. Danach ging es zum Radio. Zunächst zu 100,6, danach zum SFB, der später zum RBB wurde.

Bis heute ist sie dem Sender treu geblieben, wechselte später zum Fernsehen und berichtet seither live von allen nur erdenklichen Schauplätzen in Berlin. Loveparade, Marathon und Fimfestspiele. Für Abendschau, Wirtschaftsmagazin, RBB um sechs und ganz aktuell als Livereporterin aus dem OP für RBB Praxis. Hin und wieder sind auch ganz spontane Aktionen dabei, wie eben zuletzt am Brandenburger Tor. Während einer ihrer Sendungen lernte sie 2001 im Übrigen auch ihren Mann Matthias Buchholz kennen, der damals als Chefkoch des Restaurant First Floor, vom Gault Millau zum "Koch des Jahres" gekürt wurde und mit dem sie eine gemeinsame Tochter hat. In nahezu all ihren Lieblingsorten schwingt ihre Liebe für den alten Berliner Westen mit...

Zoo Palast. Ganz großartig findet sie es, dass es gelungen sei, diesen historischen Ort wieder zu beleben. "Für mich das Berlinale Kino überhaupt", sagt sie. Trotz modernster Technik ist der 50er Jahre Charme erhalten geblieben. Dabei hat es ihr vor allem der alte große Saal angetan, in dem ihre Tochter kürzlich auch ihren ersten James Bond gesehen hat. Sie liebt es vom Ku’damm zu Fuß hier rüber zu laufen, um eine Weltpremiere zu besuchen und plötzlich Hollywood Megastars live vor einem stehen. Ein stinknormaler Curt Russel. Eine beeindruckende Meryl Streep, die sie mit einem deutschen "Guten Abend" begrüßt und nach einem Blitzinterview mit Handschlag und einigen persönlichen Worten wieder verabschiedet. "Danach geht man dann zu Fuß nach Hause, zieht sich die Puschen an und legt sich auf die Couch. Dafür liebe ich Berlin!"

Grunewaldsee. "Verrückteste Menschen treffen hier aufeinander und unterhalten sich", erzählt sie begeistert. "Von der Millionärs Gattin über den Zuhälter bis hin zum Studenten." Wer einen Hund hat kommt hier ins Gespräch. "Ein Ort, der Berlin perfekt spiegelt", schwärmt sie.

Nußbaumerin. Für Britta Elm gibt es hier die beste österreichische Küche der Stadt. "Die Inhaberin Johanna ist sensationell", sagt sie. "Eine österreichische Wirtin wie aus dem Bilderbuch." Das riesige Wiener Schnitzel schlägt Blasen, genau wie es sein soll. Dazu gibt es Vogerlsalat und lauwarmen Erdäpfel-Gurkensalat. "Der Tafelspitz ist der beste nördlich der Alpen", schwört Britta Elm. Er werde traditionell serviert: erst die Brühe zum Löffeln und dann das Fleisch mit Kren und Kartoffeln. Die Portionen seien riesig und könnten auch gut geteilt werden, rät sie. "Salzburger Nockerln gibt es allerdings nur, wenn der Koch Zeit dafür hat. So steht’s in der Karte", erzählt sie amüsiert.

Olympiastadion Berlin. Britta Elm ist bekennender Fan des Hertha BSC, dem Verein der wie Berlin selbst sei. Immer auf und ab. Mal skandalträchtig von Wettaffären geplagt, mal vom Abstieg bedroht und dann wieder ganz oben in der 1. Liga. Im Olympiastadion Berlin sind bei den Spielen alle gleich. "Da gibt’s kein Schickimicki wie in München. Alle sind einfach Herthaner, auch im VIP-Bereich." Dabei beeindruckt sie die Kulisse des Berliner Olympiastadions immer wieder aufs Neue. "Ein grandioses Ding! In keinem neu gebauten Stadion könnte die Stimmung jemals so gut werden wie hier", meint sie.

What do you fancy love. Einen der Inhaber, den Sohn von Schauspieler Jürgen Vogel, kennt sie noch vom Spielplatz am Ludwig-Kirch-Platz. Jetzt macht er mit Freunden dieses fantastische Café. "Verrückt wie die Zeit vergeht!" Es gibt großartige Säfte und tolle belegte Bagels. Alles ist handgemacht, aber super professionell. "Eins von ganzen wenigen brauchbaren Cafés im Westen", meint sie. "Es wirkt ein bisschen wie von Mitte hierher gebeamt."

Rennbahn Hoppegarten. "Mit der S-Bahn ist man im Nu hier draußen", beschreibt sie die Anreise. "Die Architektur. Die antiquierten Tribünen. Der alte Baumbestand, der im Sommer angenehmen Schatten spendet. Auf der Wiese davor wird gepicknickt. Oben ist es edel und schick, unten mischt sich alles bunt zusammen. Seit Kaiserzeiten treffen sich hier die Leute zum Pferderennen. Dicke Männer mit Zigarre. Schick gemachte Damen mit Hütchen. Einfach traumhaft schön!"

Wochenmarkt auf dem Karl-August-Platz. Viel schöner und intimer als den Markt auf dem Winterfeldplatz findet sie "ihren Wochenmarkt" in Charlottenburg. Viele Schauspieler, Regisseure und Künstler trifft man hier. Es gibt tolle Blumen, jede Menge Obst und Gemüse, Stände mit türkischen Spezialitäten und einen Wagen mit himmlischen kleinen Törtchen. Hier bleibt man auf einen Kaffee stehen und nimmt sich Zeit zum Plaudern. "Hier gibt es keine Touristen, das ist ein richtiger Kiezmarkt."

Theater und Komödie am Kurfürstendamm. Bis heute sind die beiden Theater in privater Hand. "Um deren Existenz zu sichern muss man massentauglich sein. Dennoch schafft es Intendant Martin Wölfer immer wieder auch Anspruchsvolles auf die Bühne zu bringen." Früher gaben sich hier Harald Juhnke, Günter Pfitzmann und Brigitte Grothum die Klinke in die Hand. "Echte Boulevard Theater waren das damals." Sanft hat Wölfer die Häuser saniert und frischen Wind hineingebracht, ohne die alten Gäste zu vergraulen. Dabei gibt er auch jungen Regisseuren eine Chance. "Diese alten Bühnen müssen unbedingt erhalten bleiben", betont Britta Elm. Also hingehen!

Buchholz im Gutshof Britz. Dieser Ort darf natürlich nicht fehlen: das Restaurant ihres Mannes Matthias Buchholz. Um hierher zu gelangen muss man zunächst durch eine der scheußlichsten Ecken Berlins, aber dann fährt man plötzlich um eine Ecke und ist im Paradies. Das Schloss. Ein Dorfteich. Wie in alten Zeiten. Ihre Lieblingsgerichte seien der Spargel mit ganz viel geschlagener Hollandaise und kleinen Kartoffel oder auch die himmlisch zarten geschmorten Kalbsbäckchen. Ganz besonders ins Schwärmen gerät sie bei seinen Soßen: "Die kann er wirklich ganz besonders gut!"

Flohmarkt am Boxhagener Platz. Sie mag das abwechslungsreiche und immer wieder auch amüsante Angebot der Händler hier. Immer ist etwas Überraschendes dabei. Leute die T-Shirts bedrucken oder Objekte aus Legosteinen fertigen, reihen sich friedlich an klassische Trödler. Rund herum gibt es Kneipen und Cafés, wobei es für sie und ihre Familie immer zum Falafel-Mann geht und für die Tochter auf eine Schachtel Cupcakes in eine kleine Konditorei. "Diesen Flohmarkt mag sogar mein Mann", betont sie.

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