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Galerist Andreas Treykorns Lieblingsorte in Berlin

Freitag, 26. Februar 2016
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Andreas Treykorn. Jahrgang 1960. Goldschmied. Leidenschaftlicher Rennradfahrer. Vater von drei Kindern. In Berlin geboren und in Frohnau aufgewachsen, wollte er nach dem Abitur nur eins: Goldschmied werden. Seine Ausbildung und Gesellenjahre verbrachte er daher bei einem Juwelier in der Nürnberger Straße, vis-à-vis des legendären Dschungel, ging in Folge für ein Studium der Bildhauerei nach Köln und eröffnete dort gemeinsam mit Kommilitonen eine Kneipe, um sich die Studienzeit zu finanzieren.

Patrick Muff, der heute von München aus sehr erfolgreich als Schmuckdesigner arbeitet und Klaus Arck, der heute das Schmuckgeschäft Der 4. König in Köln betreibt, wurden seine Partner für das Königswasser, das in Künstlerkreisen schnell zur Szenekneipe avancierte. "So Größen wie Martin Kippenberger, Peter Bömmels, Walter Dahn oder auch Hans Peter Adamski standen da einfach so in unserer Kneipe rum", erzählt Treykorn. "Eine tolle Zeit war das." Legendär war offensichtlich auch der orangefarbene Buntbarsch Ludwig, der mit seinem Aquarium Teil des Interieurs war und seinerzeit sogar Erwähnung im Kölner Express fand. 1990 haben die drei die Kneipe dann abgegeben. Sie ist mittlerweile dreimal umgezogen, aber es gibt sie noch immer.

Zurück in Berlin eröffnet er gemeinsam mit seiner Schwester Sabine die Schmuckgalerie Treykorn, in der die beiden bis heute, neben ihren eigenen Kreationen, 40 wechselnde internationale Schmuckdesigner, darunter auch Patrick Muff, präsentieren. Typisch für ihre eigenen Arbeiten sind dabei vor allem die verarbeiteten großen Farbsteine im Cabochon-Schliff, die jedes Stück zum Unikat werden lassen und immer ein Hingucker sind. Traumhaft schön, nebenbei bemerkt! Viele ihrer Stammkunden haben über die vergangenen 25 Jahre richtige kleine Sammlungen mit ihren Schmuckstücken zusammengetragen, erzählt Treykorn, nicht ohne ein wenig Stolz.

In seiner Freizeit aber, wenn er nicht gerade Baumhäuser für seine Kinder baut, am eigenen Zuhause werkelt oder im Garten arbeitet, ist er bis heute leidenschaftlicher Rennradfahrer. Jeden Sonntag geht es auf eine mehrstündige Tour ins Umland und unter der Woche mit dem Rad zur Arbeit. Von Frohnau bis in die Galerie am Savignyplatz auch kein Katzensprung. Welche Orte ihm in Berlin, unabhängig vom Radfahren – wenn am Ende auch nicht ganz – besonders am Herzen liegen hat er uns in einem Interview in der vergangenen Woche verraten. Hier kommen seine ganz persönlichen Top 10 für "die beste Stadt der Welt"...

Claudia Skoda. Seit ewigen Zeit schon kauft er bei der Designerin regelmäßig zu besonderen Anlässen eines ihrer einzigartigen Strickmodelle für seine Frau. Voller Bewunderung ist er für Ihre Arbeiten, die am Ende genau genommen Unikate sind, denn die im Laden präsentierten Stücke können alle aus individuell zusammengestellten Garnen und Farben nachgestrickt werden, wozu im Einzelfall vorab sogar noch einmal Handmuster angefertigt werden können, um sicher zu gehen, dass einem die Kombination auch wirklich gefällt.

A.P.C.. Ausschließlich in dem Store des französischen Labels in der Mulackstraße kauft Treykorn seit Jahren seine Jeans. Und zwar immer ein und das selbe Modell. Er schwört auf die super Qualität und trägt sie stets bis es nicht mehr geht. Am Ende dann zum Arbeiten im Garten. Theoretisch kann man die Hosen ein Jahr nach dem Kauf zurückgeben und bekommt die nächste dann zu einem stark vergünstigten Preis. A.P.C. verkauft die getragenen Hosen dann im "Used-Look" weiter, erzählt er. "Eine coole Idee, aber ich habe das noch nie genutzt. Ich kann mich von den Hosen einfach nicht trennen."

Volksbühne. Mehrmals im Jahr ist er hier im Theater am Rosa-Luxemburg-Platz. Er liebt die Größe dieses Hauses. Die hohen Räume. Die Luftigkeit. Ganz besonders mag er die Inszenierungen von Regisseurs René Pollesch, dessen legendäres Stück Kill your Darlings mit Fabian Hinrichs, ihm bis heute in ganz besonders guter Erinnerung ist.

Kino International. Der Baustil. Die tolle Architektur. Das großzügig gestaltet Foyer im 50er Jahre Stil. "Ein großartiges Kino!" schwärmt er. Zuletzt habe er hier den Film Victoria gesehen, den man seiner Meinung nach nirgendwo auf der Welt authentischer zeigen kann als an diesem Ort. "Ein sensationeller Film!" Sowohl die Machart als auch die Leistung der Schauspieler. "So is’ Berlin", schwärmt er weiter.

Hasir. Ganz in der Nähe, am Ende der Adalbertstraße kurz vor der Mauer, Vis-à-vis vom Bethanien, hat er als Azubi gewohnt. Damals reichte das Geld nur für einen Döner bei Hasir. Heute geht er leidenschaftlich gern hierher, um die marinierten Lammspieße vom großen Holzkohle-Grill mitten im Gastraum zu essen. Dazu gibt es ein fantastisches hausgemachtes Auberginenmus erzählt er. "Und das Interieur! Ich glaub’, das ist unverändert seit den 80er Jahren."

Osteria Ribaltone. Ein Italiener im "Old Italy Style". Im Schaufenster eine alte Vespa. Rot karierte Tischdecken. Zahllose Fotografien von la Familia an der Wand. Besonders nett im Sommer, wenn man draußen unter der roten Markise mit Blick auf den Victoria-Louise-Platz sitzen kann. Das Essen ist hervorragend. Sein Lieblingsgericht: Florentiner Steak. "Ein Mordsding ist das!"

Steckerlfisch. Wann immer er am Samstag mal nicht im Laden stehen muss, geht es mit der Familie zu Jürgen auf den Winterfeldmarkt zum Fischessen. Trotz des riesen Andrangs fühlt man sich bei ihm stets persönlich willkommen und es bleibt immer Zeit für einen vertrauten Plausch während man einen seiner gegrillten Fische mit hausgemachtem Salat verdrückt.

Radkunst. Wie gesagt, seine wahre Leidenschaft gehört dem Radfahren. Richtig leuchtende Augen bekommt er daher auch als er von diesem Laden auf der Kantstraße erzählt. Der Inhaber Michael Blanke hat Kunst studiert, weshalb an den Wänden einige seiner großformatigen Bilder hängen. Eigentlich aber vertreibt er ausgewählte Fahrrad-Raritäten, darunter so legendäre Marken wie Tommasini, Cinelli und Eddi Merckx. Aber auch Restbestände des ehemals einzigen Berliner Rahmenbauers Lüders hat er noch. "Einmalig in Berlin", schwärmt Treykorn.

Bourouina Gallery. Diesen Ort in der Carmerstraße mag er vor allem, weil er von der französischen Inhaberin Amel Bourouina immer so angenehm privat und persönlich beraten wird. Besonders spannend sei dort momentan ein neu initiierter Art Shop im vorderen Teil der kleinen Galerie. Dort werden von Künstlern individuell gestaltete Alltagsgegenstände verkauft. Anders als in Museumsshops sei hier aber jedes Stück ein Unikat. Besonders nett zuletzt: der Nachbau einer Videosequenz mit Zinédine Zidane aus Lego.

Karolinenhof. Diese Ziegenkäserei in der Nähe von Kremmen gibt es schon seit Anfang der 90er Jahre. Der mittlerweile leider verstorbene Inhaber war ein Freund aus alten Frohnauer Zeiten. Zunächst Öko-Aktivist, studierte er später Landwirtschaft. Er war einer der ersten, die sich hier nach der Maueröffnung etwas aufbauten. Jetzt im Frühjahr gibt es einige Termine für Kinder zum Zickleintränken. Da flippt seine jüngste Tochter total aus. Super gut seien die in Öl eingelegten Käsetaler, sagt er. "Die haben es sogar bis ins Bundespräsidialamt geschafft. Die sind richtig gut!"

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